Landesregierung stellt Mittel für zwei Jahre

Herzberger Welfenschloss vor Rettung: Sanierung läuft bald an

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Dringender Sanierungsbedarf: Das Welfenschloss in Herzberg ist das älteste Fachwerkschloss Norddeutschlands und gilt als Wiege des hannoverschen Königshauses.

Herzberg. Das Welfenschloss in Herzberg zählt zu den historisch bedeutendsten Bauten in Niedersachsen. Experten gehen von einem Sanierungsbedarf von mehr als 20 Millionen Euro aus.

Die imposante Anlage hoch über der Stadt Herzberg ist nicht nur das größte Fachwerkschloss Norddeutschlands, sondern gilt auch als Wiege des hannoverschen Königshauses.

Geburt im Jahr 1729 

Hier kam 1629 Ernst August zur Welt, der erste Kurfürst von Hannover und Vater des späteren englischen Königs Georg I. Ein Jahr zuvor war in dem Schloss seine Schwester Sophie Amalie geboren worden, die später Königin von Dänemark wurde.

Kein Glanz mehr 

Heute ist vom einstigen Glanz nur noch wenig zu sehen. Die Anlage befindet sich in einem extrem schlechten Zustand. Nach Jahren des Stillstands soll der Verfall nun gestoppt werden. Die Landesregierung hat für die nächsten beiden Jahre zunächst 7,5 Millionen Euro für die schrittweise Sanierung des Schlosses bereitgestellt.

Erste Untersuchungen 

Inzwischen sind erste vorbereitende Untersuchungen angelaufen, im Frühjahr sollen die eigentlichen Instandsetzungsarbeiten beginnen.

„Das ist eine herausragende Baustelle für uns“, sagt der Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen, Marcus Rogge. Zunächst sollen zwei Gebäudeteile des vierflügeligen Schlosskomplexes saniert werden, in denen besonders dringender Handlungsbedarf besteht: Der mit zahlreichen Schnitzereien verzierte Uhrenturm weist einige Schäden auf, so dass Teile herabzufallen drohen.

Rundgang: Baumanagement-Leiter Marcus Rogge inspiziert die Räume des Marstalls des Herzberger Welfenschlosses. Der Komplex steht seit langem leer und ist akut einsturzgefährdet.

Einsturzgefahr 

Der seit langem leer stehende Marstallflügel ist sogar akut einsturzgefährdet. Hier sind derzeit Bauarbeiter damit beschäftigt, die tragenden Konstruktionen freizulegen. „Wir müssen uns zunächst einen Überblick über das Schadensbild verschaffen, um dann den Sanierungsaufwand ermitteln zu können“, sagt Rogge.

Expertenschätzungen 

Wie groß die Schäden tatsächlich sind, lässt sich derzeit noch nicht verlässlich abschätzen. Derzeit gehen die Experten von einem Gesamtbedarf von mehr als 20 Millionen Euro aus. Bereits 2001 war auf dem Dachboden der Schlossanlage ein massiver Schwammbefall festgestellt worden. Daraufhin waren dann zwar erste Rettungsmaßnahmen angelaufen. 2005 ließ der damalige Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) jedoch alle Arbeiten einstellen.

Illusorischer Plan 

Die damalige Landesregierung wollte nichts mehr in den Erhalt investieren, sondern das landeseigene Schloss zu einem symbolischen Wert verkaufen. Dieser Plan erwies sich jedoch als illusorisch, kein Investor wollte das Baudenkmal übernehmen. Der jahrelange Stillstand führte indes dazu, dass immer mehr Balken und Deckenteile verrotteten.

Amtsgericht leidet unter marodem Gebäude 

Unter dem maroden Gebäudezustand hatten vor allem die Beschäftigten und Besucher des ebenfalls im Schloss befindlichen Amtsgerichts zu leiden.

In den vergangenen Jahren waren immer wieder Waschbären und Marder durch Lücken im Gemäuer und Gebälk auf den Dachboden gelangt, was im darunter liegenden Sitzungssaal aufgrund der Urin-Hinterlassenschaften der Tiere zu erheblicher Geruchsbelästigung führte.

Wegen möglicher Einsturzgefahr musste der Verhandlungssaal außerdem vorsorglich mit Balken abgestützt werden, so dass sich die Prozessbeteiligten kaum sehen konnten. Inzwischen wurden Dachboden und Sitzungssaal so hergerichtet, dass die Verhandlungen nun ohne störende Gerüche und andere Beeinträchtigungen stattfinden können.

Voraussichtlich im nächsten Jahr soll dann auch das Torhaus saniert werden. Das Torhaus solle ebenso wie der Marstall-Flügel nach der Instandsetzung als Ausweichfläche genutzt werden, wenn in einem späteren Bauabschnitt die Sanierungsarbeiten im Gebäudekomplex des Amtsgerichts beginnen, erläutert Baumanagement-Leiter Marcus Rogge.

Bis dahin müssen die Justizmitarbeiter vermutlich noch mit manchen Überraschungen rechnen. Erst Ende vergangener Woche musste das Baumanagement schnell Abhilfe schaffen, weil im Sozialraum des Amtsgerichts Lehmstaub der Decke durch die Vertäfelung rieselte.

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