Herzenswunsch: Städtepartnerschaft zwischen Göttingen und Qamishlo

Werben mit Friedenssymbol für Städtepartnerschaft mit Qamishlo: Patrick Humke, Berivan Ibin, Gernot Wolfer, Meinhart Ramaswamy, Can Cicek und Redar Han (von links). Foto: Lawrenz

Göttingen. In einer offenen Fraktionssitzung haben die Linkspartei und die Göttinger Piraten für eine Städtepartnerschaft zwischen der Universitätsstadt und dem nordsyrischen Qamishlo geworben.

Die Stadt ist einer der drei Hauptorte in Rojava, dem selbstverwalteten Autonomiegebiet im Norden von Syrien. Während des syrischen Bürgerkrieges sei es in Rojava gelungen, basisdemokratische Strukturen aufzubauen. Dort sei es relativ friedlich geblieben. Seit 2014 wird in Qamishlo eine Universität aufgebaut. Auch deshalb eigne sich die Stadt gut als Partner für „die Stadt die Wissen schafft“, sagten Patrick Humke (Linke) und Meinhart Ramaswamy (Piraten) im Ratssaal.

Dass der syrische Bürgerkrieg auch in Göttingen präsent ist, zeigte ein Protestcamp im vergangenen Jahr. In der Nacht zum 7. Oktober 2014, als in Kobane heftige Kämpfe tobten, wurde es am Gänseliesel aufgebaut. Man habe nicht nach Hause gehen und schlafen können, während in Kobane Menschen starben, erklärte Redar Han vom Verband der Studierenden aus Kurdistan.

Bei den Kurden in Göttingen habe sich der „Herzenswunsch“ nach einer Städtepartnerschaft mit Kobane gebildet. Die Menschen in Syrien seien nicht nur „passive“ Opfer von Krieg und Gewalt“, betonte seine Mitstreiterin Berivan Ibin. In Rojava lebten Menschen, „die ihre Lebenswelt aktiv mitgestalten“. So dürfe man eine solche Beziehung nicht als Entwicklungshilfe, sondern als Partnerschaft im Sinne dieses Wortes sehen.

Berührende Eindrücke aus Kobane brachte Gernot Wolfer in die Runde. Der Metallarbeiter bei Siemens in Berlin hatte als Freiwilliger der ersten ICOR-Solidaritätsbrigade (ICOR=International Coordination of Revolutionary Parties and Organizations) beim Wiederaufbau von Kobane mitgeholfen. Mit ihm legte die Brigade den Grund für ein Gesundheitszentrum. Auch in Kobane könne man Flüchtlingshilfe leisten, sagte Wolfer. Es sei das einzige Gebiet in Syrien, in das die Menschen zurückkehren wollten. Als Helfer erlebte er dort einen Versuch der islamistischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die schon zerstörte Stadt zurückzuerobern.

Kobane hat eine Städtepartnerschaft mit Rom. Ein Bild der sehr jungen Universitätsstadt Qamishlo, die laut Linkspartei und Piraten Göttingens Partner werden soll, zeichnete Can Cicek vom Azad-Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit Civaka in Frankfurt. Wie Göttingen sei Qamishlo eine „sehr bunte Stadt“, in der viele unterschiedliche Gruppen friedlich nebeneinander lebten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.