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Unterricht für Ukraine-Flüchtlinge: Sprache hilft beim Wurzeln schlagen

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Von: Bernd Schlegel

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Sprachunterricht: Liubov Volchkova (vorn) und ihre Tochter Kateryna sind seit gut einem Monat in Deutschland. Ihren Deutschkurs absolviert sie beim Institut für interkulturelle Kommunikation. Dort arbeiten (von links) Geschäftsführer Carsten Manns, Koordinatorin Katja Uhlemann und Sprachlernberaterin Mariya Gorova.
Sprachunterricht: Liubov Volchkova (vorn) und ihre Tochter Kateryna sind seit gut einem Monat in Deutschland. Ihren Deutschkurs absolviert sie beim Institut für interkulturelle Kommunikation. Dort arbeiten (von links) Geschäftsführer Carsten Manns, Koordinatorin Katja Uhlemann und Sprachlernberaterin Mariya Gorova. © Bernd Schlegel

Viele Geflüchtete aus der Ukraine müssen in Deutschland Sprachbarrieren überwinden. Das Göttinger Institut für interkulturelle Kommunikation hilft dabei mit Unterricht.

Göttingen – Seit gut zwei Monaten kommen immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine in Göttingen an. Bei der Überwindung der Sprachbarrieren und zur Vorbereitung auf eine Zukunft in Deutschland helfen zwei Kurse für Geflüchtete beim Göttinger Institut für interkulturelle Kommunikation (IIK). Beide Kurse werden von mehreren Göttinger Rotary-Clubs mit 13 000 Euro finanziert.

„Ohne diese Unterstützung wäre diese schnelle Hilfe nicht möglich. Damit können wir die Honorare sowie die Kinderbetreuung finanzieren“, sagt Carsten Manns, Geschäftsführer des IIK. Weitere Unterstützer sind das mathematische Institut und die Abteilung für interkulturelle Germanistik der Uni, die dafür sorgen, dass die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt werden können.

Deutsch-Unterricht für aus der Ukraine Geflüchtete in Göttingen

Von dem Kursangebot profitiert Liubov Volchkova (30). Sie ist erst seit gut einem Monat mit ihrer Tochter Kateryna (5) in Deutschland. Zunächst lernte sie in der Gastfamilie einige Sätze Deutsch. „Der Kurs mir geholfen, einige Sätze bilden zu und auch die Grammatik ein wenig verstehen zu können.“

Wenn man Sprache nicht beherrscht, kann man auch keine neuen Inhalte lernen.

Liubov Volchkova

Die junge Mutter kann fließend Englisch sprechen und möchte, dass ihre Tochter zunächst noch ein weiteres Jahr den Kindergarten besucht, damit der Übergang in die Schule nicht zu einem sprachlichen Problem wird. „Wenn man Sprache nicht beherrscht, kann man auch keine neuen Inhalte lernen.“

Liubov Volchkova ist ausgebildete Grundschullehrerin und hat sich im Master auf Management im Bildungswesen spezialisiert. „Ich würde gern ukrainischen Kindern als Lehrerin als deutschen Schulen helfen, damit sie integriert werden können.“ Dafür hat sie bereits erste Kontakte zu einer Göttinger Schule geknüpft.

Flüchtlinge aus der Ukraine: Sprachbarriere überwinden um Zukunft aufbauen zu können

Sie hofft, dass sie schon bald Kinder aus ihrer Heimat für mehrere Stunden in der Woche betreuen kann. Aber darüber gibt es noch keine Entscheidung. „Ich werde bestimmt ein Jahr in Deutschland bleiben, denn vieles ist in der Heimat zerstört.“ Ihre Heimatstadt Kropywnyzkyj in der Zentral-Ukraine wurde ebenfalls angegriffen.

Über mögliche Zerstörungen gibt dort es keine gesicherten Informationen. In ihrer Heimatregion sind inzwischen viele Flüchtlinge aus der Ostukraine angekommen. „Ich wollte, dass meine Tochter in Sicherheit ist. Deshalb bin ich geflohen, wir haben dort keine Bunker“, so die Lehrerin, die für ihre Flucht nach Deutschland etwa drei Tage benötigte.

In den Flüchtlingszügen in der Ukraine war das Licht ausgeschaltet, damit die Züge nicht angegriffen werden. Sie hofft, auf Dauer die Sprachbarriere überwinden zu können, und für sich und ihre Familie eine neue Zukunft in Deutschland aufbauen zu können.

Ein zentraler Punkt ist dabei, dauerhaft Arbeit für sich und ihren Mann zu finden, um das Leben in Deutschland finanzieren zu können. „Wenn das gelingt, werden wir in Deutschland bleiben. Es gibt ja Bedarf an Grundschullehrern und Erziehern in Deutschland.“ (Bernd Schlegel)

In Niedersachsen helfen viele Menschen und Initiativen Flüchtlingen aus der Ukraine bei der Integration: In einem Gymnasium in Hildesheim helfen russische Kinder ihren ukrainischen Mitschülern beim Lernen. Doch auch die Bundeswehr steuert Hilfe bei: Die Luftwaffe fliegt Verletzte aus der Ukraine von Polen nach Hannover.

Institut für interkulturelle Kommunikation bereitet auf Sprachprüfungen vor

Das Göttinger Institut für interkulturelle Kommunikation (IIK) bietet zwei Kurse für ukrainische Geflüchtete an, einer davon mit Kinderbetreuung. Die Einrichtung bereitet Studierende, Gastwissenschaftler, Uni-Mitarbeiter sowie Studienbewerber auf Prüfungen in deutscher Sprache vor. Dazu gehört unter anderem der Test „Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang“. Außerdem gibt es Sprach- und Kompetenztraining sowie Sprachlernberatung. Das IIK will weitere Kurse für ukrainische Geflüchtete anbieten. Der Schwerpunkt soll dabei auf Studierenden aus dem Land liegen. Dafür wurde ein Stipendienprogramm aufgelegt. Auch finanzielle Unterstützung ist notwendig. Dafür gibt auf der Internetseite einen eigenen Spenden-Button. Weitere Infos gibt es hier. (bsc)

Kontakt: Institut für interkulturelle Kommunikation, Heinrich-Düker-Weg 12, 37073 Göttingen, Tel. 0551/39-21199.

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