Vereine brauchen Unterstützung

Hilfe nötig: Geld ist im Tierschutz in Südniedersachsen knapp

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Sie wollen das Tierheim auf Kurs bringen: Vorsitzende Dilek Yalcin (links) und Tierheimleiterin Laura Spieß, hier mit Vermittlungshund Kahn.

Landkreis Göttingen/Northeim – Geld ist seit jeher ein Sorgenthema im Tierschutz. Bei den Tierschutzvereinen in Südniedersachsen passiert gerade besonders viel.

Für Umbauten, Neubauten, Umzüge und allgemeine Investitionen wird in Göttingen, Osterode, Northeim und Hann. Münden Hilfe benötigt.

Das Tierheim in Göttingen kämpft im Winter mit den Heizkosten, sagt Leiterin Sabine Kober. Für 1500 Euro kaufe sie monatlich Heizöl, damit es die 51 Katzen, zwölf Hunde und sechs weitere Kleintiere warm haben. Eine Sanierung der alten Gebäude sei dringend nötig, doch dafür fehle das Geld, erklärt Kober.

Auch in Hann. Münden, steht der Tierschutzverein vor großen Herausforderungen. Weil es in der Drei-Flüsse-Stadt kein Tierheim gibt, werden Fund- und Vermittlungstiere in privaten Pflegestellen untergebracht. Für die Versorgung von kranken Tieren sucht der Verein laut der Vorsitzenden Nicole Herthum nun nach einem größeren Gebäude, um eine Quarantänestation für kranke Tiere einzurichten.

Im nördlichen Landkreis, in Osterode steht das Tierheim aufgrund alter Baufehler am Gebäude vor der Aufgabe, die Unterkünfte der Schützlinge umzubauen. Dafür werden laut der ersten Vorsitzenden Dilek Yalcin mindestens 70 000 Euro benötigt. Zudem sollen Pensionsplätze als künftige Einnahmequelle und eine Quarantänestation für Neuzugänge geschaffen werden. Momentan werden in Osterode acht Hunde und zehn Katzen betreut.

Das Tierheim Northeim ist bereits einen Schritt weiter. Der Neubau steht und ist schon im Betrieb. Dort leben 20 Hunde und 30 Katzen. Der Bau ist jedoch noch nicht fertig, sagt die zweite Vorsitzende Carina Spörndli. Das Haus müsse gedämmt, das Gelände umzäunt und ein Parkplatz gebaut werden. Auch die Kleintier- und Sozialräume sowie die Futterküche müssen ausgebaut werden. Für alle handwerklichen Tätigkeiten werden ehrenamtliche Helfer gesucht.

So werden Tierheime organisiert

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes liegt die Verantwortung für Fundtiere bei Städten und Gemeinden. Diese können ihre Pflichtaufgabe einem Tierschutzverein übertragen, im Gegenzug erhalten diese dann finanzielle Unterstützung. Laut Tierschutzbund werden die laufenden Kosten dadurch meist nicht gedeckt, weshalb Vereine zusätzlich auf Spenden angewiesen sind. Vereine, die Mitglied im Deutschen Tierschutzbund sind, müssen sich an eine Tierheimordnung halten.

Weitere Infos gibt es hier.

Tierheim Osterode: Alles auf Anfang

Das Tierheim Osterode im Landkreis Göttingen hat lange einen schlechten Ruf gehabt. Zurecht – sagt die erste Vorsitzende Dilek Yalcin. Ein neues Team nehme sich nun der Aufgabe an, die Versorgung zu verbessern. Dazu gehört auch ein Um- und Ausbau der Anlage. Platz genug ist da, nur das Geld fehlt.

Seit einem Jahr ist die Göttinger Rechtsanwältin Dilek Yalcin Vorsitzende des Tierschutzvereins Osterode, der das Tierheim betreibt. Sie habe das Amt in einer schwierigen Zeit angetreten, sagt sie. Die Öffnungszeiten, die Sauberkeit der Unterkünfte, die Betreuung der Hunde und der Gesundheitszustand vermittelter Tiere seien von der Öffentlichkeit kritisiert worden. „Es wurden kranke Tiere vermittelt“, stimmt Yalcin zu. Die Missstände seien vor allem fehlendem Fachpersonal geschuldet gewesen.

Das solle sich nun mit Laura Spieß ändern. Die 30-jährige Hundetrainerin leitet das Heim seit März in Vollzeit. „Ich bin sozusagen im Tierheim aufgewachsen“, sagt die gebürtige Leipzigerin. Ihre Mutter habe einen Tierschutzverein geleitet. Sie selbst habe vier Hunde, zwei Katzen und zwei Pferde aus dem Tierschutz adoptiert und biete eine Pflegestelle für Fundtiere an. Auch für den Auslandstierschutz engagiert sich die junge Mutter: „Tierschutz sollte nicht an der Landesgrenze enden.“

Wenn ein Hund aus dem Tierheim Osterode adoptiert wird, stehe sie weiter als Trainerin zur Verfügung. „Wir wissen, dass Sachen nicht optimal gelaufen sind, aber wir versuchen, es im Sinne der Tiere zu verbessern“, sagt Spieß.

Diesem Vorsatz folgend werden Tiere nur vermittelt, wenn sie geimpft, kastriert und gechipt wurden, sagt Yalcin. Vor Adoption würden sie von einem Tierarzt untersucht. Sollte es Vorerkrankungen geben, dann würden diese dem Besitzer vor Übernahme mitgeteilt. Zudem sei das gesamte Mitarbeiter-Team ausgetauscht worden.

Die größte Veränderung steht dem Heim aber noch bevor und dafür wird finanzielle Unterstützung benötigt: Denn laut Tierschutzgesetz seien die Unterkünfte für die Tiere viel zu klein gebaut worden, sagt Yalcin. Momentan hätten sie eine Ausnahmegehemigung für den Tierheimbetrieb durch das Veterinäramt erhalten. Ein Umbau sei aber deshalb dringend erforderlich. Auf Nachfrage gab es vom Landkreis kaum Auskünfte zu dem Thema. Nur so viel: Die Gehege seien nicht beanstandet worden.

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