Ausstellung im IWF-Wohnheim Nonnenstieg

Hilfe zur sexuellen Selbstbestimmung für Flüchtlinge

„Wissen schützt“: Bei der Ausstellung zur Sexualaufklärung können sich Geflüchtete umfassend informieren. Foto: Schröter

Göttingen. Mit einer Ausstellung will die Caritas zur Sexualaufklärung von Flüchtlinge  beitragen. Im Bonveno-Wohnheim am Nonnenstieg wurde eine Ausstellung eröffnet.

„Human – Liebe. Schutz. Partnerschaft.“ lautet der Titel der Wanderausstellung, die von der psychosozialen Aids-Beratungsstelle der Caritas München konzipiert wurde. „Dabei geht es um Themen wie Frauen- und Männergesundheit, HIV und weitere sexuell übertragbare Krankheiten sowie Beziehungen und Geschlechterrollen“, sagt Alexandra Maier von der Caritas München. Nach der Devise „Wissen schützt“ würden „so sensibel wie möglich und so konkret wie nötig“ tabuisierte Inhalte auf Bildtafeln, in Filmen und Apps gezeigt. „Darüber hinaus bietet die Ausstellung viel Raum, um über sexuelle Selbstbestimmung, die Gleichberechtigung der Geschlechter sowie freie Lebensgestaltung ins Gespräch zu kommen“, so Maier.

Sexualität als Tabu

Einen Workshopcharakter haben die mehr als 20 Führungen, die während der zweiwöchigen Ausstellungsdauer von Sprachmittlern angeboten werden und die neben der Wissensvermittlung viel Raum zum Austausch der Teilnehmenden untereinander bieten. Maier: „Ziel ist es, den Umgang mit den Themen sexuelle Gesundheit und sexuelle Selbstbestimmung zu erleichtern.“

„In den Gesellschaften, aus denen viele der Flüchtlinge kommen, sind Sexualität und die damit verbundenen Fragen stark tabuisiert“, erklärt Regina Lange, Leiterin der psychosozialen Aids-Beratungsstelle der Caritas. „Mit dieser Ausstellung wollen wir einen Beitrag leisten, dass sich die geflüchteten Menschen in kultursensibler Weise damit auseinandersetzen können.“

„Ein längst überfälliger Schritt“

Dr. Michael Bonder, Bonveno-Geschäftsführer

Die Ausstellung richte sich an Jugendliche und Erwachsene mit Fluchthintergrund und solle haupt- und ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit Engagierten helfen, die Themen Sexualität, übertragbare Krankheiten und die Gestaltung von Beziehungen aufzugreifen und so zur Aufklärung beizutragen. „Die Ausstellung ist selbsterklärend und verzichtet weitgehend auf Sprache“, so Lange. Die wichtigsten Begriffe und Schlüsselsätze würden in Deutsch und neun weiteren Sprachen erläutert.

„Eine solche Ausstellung ist ein längst überfälliger Schritt“, sagte Bonveno-Geschäftsführer Dr. Michael Bonder. „Familienplanung ist Menschenrecht“, ergänzte Petra Broistedt, Sozialdezernentin der Stadt Göttingen, die ebenso wie die Göttinger Aidshilfe und die pro familia-Beratungsstelle Göttingen zu den Kooperationspartnern der Ausstellung zählt. Es sei längst nicht damit getan, kostenlos Kondome an Flüchtlinge zu verteilen. „Für die Aufklärung braucht es hier aber einen kultursensiblen Zugang“, so Broistedt weiter. Und der sei mit dieser Ausstellung definitiv gegeben.

Die Ausstellung ist bis zum 29. Oktober montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr in der Bonveno Wohnanlage für Flüchtlinge im Nonnenstieg 72 zu sehen. (per)

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