Historikertag in Göttingen mit 3000 Teilnehmern aus 21 Nationen

Lange Geschichte: Die Beziehungen zwischen Göttingen und Großbritannien als Partnerland des 50. Deutschen Historikertages reichen weit zurück. Der Gründer der Universität, Kurfürst Georg August von Hannover, war in Personalunion König Georg II von Großbritannien. Zur Hundertjahrfeier 1837 stiftete dessen Nachfolger König Wilhelm IV. der Universität das Aulagebäude am Wilhelmsplatz. Als Standbild schaut Wilhelm IV (kleines Bild) heute auf den klassizistischen Bau. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Göttingen. Die Universität Göttingen ist Gastgeber des 50. Deutschen Historikertages, zu dem mehr als 3000 Teilnehmer aus 21 Nationen erwartet werden. Auch historisch interessierte Laien sind gern gesehene Gäste bei den zahlreichen Veranstaltungen.

Gut ein Viertel der 400 Referenten und Referentinnen, die zwischen dem 23. und 26. September über ihre Forschungsergebnisse diskutieren werden, reist aus dem Ausland an. Eine der größten Gruppen kommt aus Großbritannien, dem Partnerland des 50. Deutschen Historikertages. In mehreren Veranstaltungen werden Fragen der britischen und deutsch-britischen Geschichte aufgegriffen.

Gemeinsam mit der Royal Historical Society bietet der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) zum Beispiel eine Sektion mit dem Titel „The Psychology of National Difference in the Mid-20th Century Crisis“ an. Im Schülerprogramm spricht mit Prof. Dr. Nicholas Stargardt von der Oxford University einer der führenden britischen Experten für deutsche Geschichte über „Versteckte Kinder im Holocaust“.

Vom Aufstieg und Fall 

Das gemeinsame Motto aller Veranstaltungen „Gewinner und Verlierer“ ist in der Wissenschaft auf großes Interesse gestoßen. Von den eingereichten Themen wurden 69 für Sektionen ausgewählt. Zu jedem Sektionsthema steuern fünf bis sechs Referenten Beiträge zu speziellen Aspekten zu. Die Themenvielfalt ist groß: Diskutiert wird über Sieghaftigkeit in der Antike ebenso wie über den Aufstieg und Fall frühmittelalterlicher Kriegsherrn (Warlords). Ein kontroverses Stück deutsch-deutscher Geschichte greift die Sektion zur Eigentumsfrage nach

dem Zusammenbruch der DDR auf. Ganz aktuell sind Fragestellungen zu den Verlierern und Gewinnern der Staatsverschuldung oder die Sektion zur Geschichte der Geheimdienste in der Bundesrepublik.

Andere Historiker befassen sich mit der Geschichte der Sexualität im 20. Jahrhundert oder unter dem Titel „The Biggest Loser“ mit der Bedeutung von Körpergewicht und Diäten in den vergangenen 150 Jahren. „Kann und darf Wirtschaft Spiel sein?“, fragt Alexander Engel (Göttingen) in der Sektion „Kasinokapitalismus und Kommerzkick“.

Neben den wissenschaftlichen Sektionen stehen 60 Sonderveranstaltungen, Exkursionen und Führungen auf dem Programm. Im Obergeschoss des Zentralen Hörsaalgebäudes stellen 51 Doktoranden ihre Forschungsarbeiten anhand eine Posterausstellung vor. Es gibt eine Verlagsausstellung mit 120 Ausstellern sowie ein spezielles Schülerprogramm für geschichtsinteressierte Jugendliche.

Hintergrund

Als Kongress des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands richtet sich der Historikertag in erster Linie an ein Fachpublikum. Aber auch historisch interessierte Laien sind willkommen. Sie können Veranstaltungen besuchen, ohne sich für den gesamten Kongress anmelden zu müssen. Zu diesem Zweck werden Tageskarten angeboten (40 Euro), die während des Kongresses im Tagungsbüro (ZHG) erworben werden können. Für Mitglieder der Göttinger Geschichtsvereine sowie VHG- und VGD-Mitglieder gelten ermäßigte Preise.

Eine Anmeldung ist nur für ausgewählte Veranstaltungen wie die Eröffnung mit Bundespräsident Joachim Gauck (bereits ausgebucht) nötig. Wer sich für bestimmte Sektionsthemen interessiert, sollte frühzeitig am Veranstaltungsort sein. Denn die Zahl der Plätze in den Hörsälen ist jeweils begrenzt. (zsh)

Das komplette Programm ist hier

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.