Wettbewerb beim Deutschen Historikertag

History Slam: Siege mit Hackern -Geschichtswissenschaftler können auch anders

Sieg mit Hackern und Datenklo: Julia Erdogan aus Potsdam beim History Slam im Zentralen Hörsaalgebäude. Foto: Eriksen

Göttingen. Mit einem Kurzvortrag über die Geschichte der Hacker gewann Julia Erdogan aus Potsdam den History Slam beim 50. Deutschen Historikertag in Göttingen.

Geschichte leicht gemacht – das ist das Konzept eines History Slams, wo Wissenschaftler vor Publikum gegeneinander antreten. Leicht bedeutet aber nur leicht konsumierbar. Für die Kombattanten ist es Schwerstarbeit, müssen sie doch ihre Forschungsergebnisse möglichst unterhaltsam präsentieren und dabei sachlich präzise bleiben. Durch die Stärke ihres Beifalls küren die Hörer die oder den Gewinner des Publikumspreises.

Die Decke des zum Bersten vollen Hörsaals 105 im ZHG hob fast ab, als Julia Erdogan aus Potsdam für ihren launigen Vortrag über Hacker in Deutschland als Siegerin gekürt wurde. Für Erdogan sind Hacker keine Kriminellen, sondern haben zu wachsender Sicherheit und Verbreitung der Computer beigetragen. Sie erinnerte daran, dass in den 1970er Jahren Klo-Dichtringe für die Verbindung zwischen Computern und den damals gängigen Telefonhörern benutzt wurden. Und sie machte klar, dass man zum Computer-Hacken man keine Axt braucht.

Entscheidung im Stechen

Erdogan siegte erst nach einem Stechen mit drei weiteren von insgesamt acht Teilnehmern. Jonathan Voges aus Hannover gewann mit seiner Darstellung der Heimwerkerbewegung den ersten Preis der Gerda Henkel-Stiftung. Er hat die konsum- und unternehmenshistorischen Perspektiven der Do-it-yourself-Bewegung in Deutschland seit 1945 untersucht und trug bei der Vorstellung eine elegante lederne Heimwerkerschürze und präsentierte mit einem Zeitschriftentitel das Rollenmuster der 1960er Jahre: Vater werkelt, Sohn ist Handlanger, Mutter schaut bewundernd zu.

„Wir hätten acht Preise gebraucht“, sagte die Berliner Professor Dagmar Ellerbrock von der vierköpfigen Jury und fügte hinzu: „Ich werde meinen Studierenden ein neues Format aus Göttingen mitbringen.“

Gut gelaunter Moderator war Jonas Hennicke. Er bedauerte, dass das Theater im OP wegen baulicher Schäden als Veranstaltungsort aufgegeben werden musste. „In einem Theater wäre der Kontrast eines Slams zu einer Vorlesung im Hörsaal noch prägnanter gewesen. Aber unser Publikum war heute großartig – es hat auch im Hörsaal funktioniert.“ Der kurzfristige Umzug brachte allerlei technische Probleme mit sich, zumal der Slam von ARD Alpha aufgezeichnet wurde, sodass erst mit 20 Minuten Verspätung angefangen werden konnte.

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