Stadtgespräch: Hitzige Diskussion um Dämmung von Häusern

Gesprächsrunde: Dabei ging es um das Energiesparen bei bestehenden Gebäuden. Stadtbaurat Thomas Dienberg verwies auf den Göttinger Masterplan. Foto: Brüßler

Göttingen. Hitzige Diskussionen gab es beim Göttinger Stadtgespräch im Alten Rathaus. Politiker, Architekten und Bauräte diskutierten über das brisante Thema Bewahrung der Baukultur in Verbindung mit Wärmedämmung.

„Die ästhetischen Bedürfnisse dürfen nicht über den existenziellen Bedürfnissen nächster Generationen stehen – das ist ein Missverhältnis. Mir geht es darum, möglichst schnell anzufangen“, berief sich der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) immer wieder auf den Klimawandel. Architektin und Professorin Susanne Rexroth von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sprach sich für „zuerst Denken, dann Dämmen“ aus. Auch der Göttinger Stadtbaurat Thomas Dienberg und der Architekt Georg Klaus diskutierten auf dem Podium des gut besuchten Alten Rathaus über die polarisierende Frage.

Zu Beginn sprach Professorin Rexroth über verschiedene Beispiele von denkmalgeschützten Häusern und Siedlungen in Deutschland. „Wir haben festgestellt, dass beispielsweise über die Kellerdecke viel Energie verloren geht, aber auch über das Dach und die Fenster. Bei allen Maßnahmen geht es aber um die Authentizität“, war ihr Anliegen. Sie warf auch den Punkt der grauen Energie, also derjenigen Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird auf: „Nutzt man fossile Brennträgern, muss man viel dämmen. Wenn man auf regenerative Energien setzt kann man auch weniger dämmen, denn je dicker die Dämmung, desto geringer der Primärenergiebedarf, aber desto höher ist auch die gebundene graue Energie.“

Für Palmer stand fest: Der Netzausbau komme nicht voran, die Sanierungsrate in Deutschland läge bei einem Prozent. Das alles führe dazu, dass es in hundert Jahren sechs Grad wärmer sei und wir dann mit einem Ausmaß von Problemen zu tun haben, das uns nicht bewusst sei. Gebäudewärme sei dabei eines unserer größten Probleme: „Die Gebäude, die zwischen 1945 und 1984 gebaut wurden sind das größte Energie- und Klimaproblem“, sagte Palmer. Durch den Einsatz von Wärmedämmverbundsystemen konnte man in Tübingen innerhalb von acht Jahren den Kohlendioxid-Ausstoß in der Gesamtstadt um 18 Prozent reduzieren.

Masterplan in Göttingen

Der Göttinger Stadtbaurat Thomas Dienberg betonte, dass auch Göttingen als eine von 19 Masterplan-Kommunen schon viel tue: „Wir als Stadt können über Aktionen und Institutionen die Haushalte erreichen. Im Masterplan ist die Sanierungsrate auf drei Prozent angelegt. Trotzdem müssen wir uns auch Zeit nehmen über passgenaue Lösungen für Baudenkmale und andere schützenswerte Bausubstanz nachzudenken.“ (zli)

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