Hochschulen und Firma gewinnen Preis für revolutionäre Wundversorgung

Preisträger: Den Fraunhofer-Preis Technik für Menschen 2015 haben gewonnen – von links – Dr. Andreas Helmke, Dr. Dirk Wandke (Cinogy GmbH), Prof. Wolfgang Viöl (HAWK Göttingen) und Prof. Steffen Emmert (Universitätsmedizin Göttingen) für PlasmaDerm, das die Heilung von Wunden beschleunigt. Foto: nh

Göttingen/Wiesbaden. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG), die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) und das Unternehmen Cinogy aus Duderstadt sind maßgeblich an einem Projekt beteiligt, dass am Dienstag den Fraunhofer-Preis „Technik für den Menschen“ erhalten hat.

Die Fraunhofer Gesellschaft vergibt vier Forschungspreise, ein Preis und die damit verbundene finanzielle Förderung von 50 000 Euro geht an das Fraunhofer Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig. Das hat in Kooperation mit der HAWK, Cinogy und der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der UMG eine revolutionäre Therapie von Wunden und Hautkrankheiten auf den Markt gebracht: PlamaDerm erzeugt Plasma direkt auf der Haut, fördert so die Wundheilung und bekämpft multiresistente Krankheitserreger wie MRSA.

Das Neue an PlasmaDerm: Ein Team aus Medizinern, Biologen, Physikern und Ingenieuren entwickelte ein Gerät, das erstmals nicht-thermisches, also kaltes Plasma bei atmosphärischem Druck direkt auf der Haut erzeugt. Beim patentierten Verfahren wird die Elektrode der Apparatur nahe an die Haut herangeführt. Die Haut wirkt elektrisch als Gegenelektrode. Werden Hochspannungspulse aktiviert, wandeln elektrische Felder die Luft zwischen Elektrode und Haut in nicht-thermisches Plasma.

Antiseptische Wirkung und eine verbesserte Wundheilung konnten im Rahmen einer klinischen Studie von Prof. Steffen Emmert an der UMG nachgewiesen werden.

Den größten Vorteil der Anwendung sieht Emmert darin, „dass nicht-thermisches Plasma die Mechanismen verschiedener Therapien vereint. Es gibt bereits UV-, Ozon- oder Elektrotherapien. Durch Plasma erreichen wir jedoch eine bessere Wirkung in kürzerer Zeit.“

Plasma reduziert die Zahl von Keimen auf der Oberfläche der Haut und erhöht durch das elektrische Feld die Mikrozirkulation der Haut, wodurch sie besser mit Sauerstoff versorgt wird. Dies sind entscheidende Faktoren zur besseren Heilung.

Den Preis nahmen am Dienstag in Wiesbaden entgegen: Prof. Wolfgang Viöl, Dr. Andreas Helmke, Prof. Steffen Emmert und Dr. Dirk Wandke. Viöl ist auch Vizepräsident der HAWK für Forschung und Transfer sowie Leiter des Fraunhofer Anwendungszentrums für Plasma und Photonik (APP) auf den Göttinger Zietenterrassen.

Viöl verbindet mit PlasmaDerm eine Vision: „Wenn ein Kind mit dem Skateboard stürzt, dann stell ich mir vor, dass die Mutter die Wunde in Zukunft zuhause mit einem kleinen PlasmaDerm-Stick behandelt und nicht mehr mit Jod.“ Auch wäre es denkbar, dass das Gerät die Schädigung der Haut misst und die Dosis für die Therapie bestimmt.“

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