Insgesamt 175 Einsätze

Hochwasser-Bilanz: Region Göttingen kam mit blauem Auge davon

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Hochwasser am Rauschenwasser in Bovenden: Hier mussten in dieser Woche Straßen wegen der Fluten gesperrt werden.

Göttingen. Die Lage nach dem Hochwasser in Stadt und Landkreis Göttingen entspannt sich. Bilanz: Vollgelaufene Keller und 75 Feuerwehreinsätze gab es allein im Stadtgebiet.

aktualisiert um 17.45 Uhr - „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte Frank Gloth von der Göttinger Berufsfeuerwehr am Donnerstag mit Blick auf die Region im Nordharz, die deutlich stärker betroffen ist.

75 Einsätze im Göttinger Stadtgebiet

Da der Regen am Mittwoch in den Mittagsstunden aufhörte, gab es danach kaum noch Einsätze. Nach Angaben von Gloth gab es seit Dienstag in Stadt und Landkreis insgesamt 175 Einsätze, darunter 75 in der Stadt Göttingen. Vor allem vollgelaufene Keller und heruntergefallene Äste beschäftigten die Feuerwehr. Außerdem mussten unter anderem Gräben gesäubert, damit das Wasser abfließen konnte. Gloth sind keine größeren Schäden bekannt geworden.

Vollgelaufene Keller

In der Stadt Göttingen gab es einen Einsatzschwerpunkt im Bereich Rosenwinkel und Narzissenweg in der Weststadt. Dort waren gleich mehrere Keller vollgelaufen. Damit die Vielzahl der Einsätze überhaupt bewältigt werden konnte, waren elf der 13 Freiwilligen Feuerwehren in Göttingen im Einsatz. Reichlich zu tun hatte auch die Berufsfeuerwehr: Die Schicht, die von Dienstag auf Mittwoch Dienst hatte, musste in 24 Stunden 25 Einsätze absolvieren – normal ist etwa ein Fünftel.

Weiter Einsatz im Raum Hildesheim

Unterdessen sind Aktive der Kreisfeuerwehr weiterhin im Raum Hildesheim im Einsatz. Dorthin waren am Dienstag in den Abendstunden 140 Einsatzkräfte mit 21 Fahrzeugen entsandt worden. Sie kommen aus allen vier Brandschutzabschnitten im Landkreis Göttingen. Im Raum Hildesheim ist die Situation weiter angespannt.

Musikfestival in Mingerode ist abgesagt

Wegen des aufgeweichten Untergrunds wurde inzwischen das Musikfestival in Mingerode bei Duderstadt abgesagt. Auf dem dortigen Sportplatz sollten am Samstag, 29. Juli, die Bands Bands Courassion, Marilyn's Cage, Jukebox Sixx, Radio Active und Rock.Boten spielen.

Leinepegel ging stark zurück

Mit Blick auf die Region Göttingen betonte Gloth: „Wichtig ist nun, dass das Wasser abfließt.“ Der Göttinger Pegel der Leine ist im Laufe der vergangenen Nacht bereits stark zurückgegangen. Um 8.45 Uhr lag der Wert am Donnerstag bei 1,45 Meter und damit knapp über der Meldestufe eins, die bei 1,40 Meter ausgelöst wird – Tendenz weiter fallend. Das gaben die Experten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLKWN) bekannt.

Göttinger THW ist weiterhin im Einsatz

Für den Göttinger Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) gehen die Hochwassereinsätze unterdessen weiter.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden zwei Helfer mit einem Lkw-Kipper nach Bad Harzburg geschickt. Gemeinsam mit anderen THW-Einsatzkräften sollten sie die Bundesstraße 4 wenigstens so weit befahrbar machen, dass die Route von Rettungsfahrzeugen wieder benutzt werden kann.

Am Donnerstag folgte in den Morgenstunden die nächste Alarmierung der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen. Mit einer Pumpenleistung von mehr als 20.000 Litern pro Minute und einem leistungsstarken Stromaggregat unterstützen neun THW-Aktive aus Göttingen die Einsatzkräfte in Bad Salzdetfurth.  Abgelöst werden sie am Donnerstag in den Abendstunden  von weiteren Einsatzkräften des Göttinger Ortsverbandes. Während der Einsatz in Bad Harzburg am frühen Morgen beendet wurde, ist das Einsatzende in Bad Salzdetfurth völlig offen. Der Göttinger THW-Ortsverband bereitet sich auf weitere Ablösungen vor.

Höchstwert bei 2,36 Meter

Der absolute Höchstwert der Leine in Göttingen lag beim aktuellen Hochwasser am Dienstag in den späteren Abendstunden bei 2,36 Meter. Am Mittwoch war in den Mittagsstunden eine zweite Spitze mit einem Höchstwert von 2,30 Meter gemessen worden. Ein absoluter Extremwert war beim Hochwasser 1981 gemessen worden: Damals schoss der Pegel der Leine in Göttingen auf einen Wert von 3,85 Meter.

Beim Hochwasser 2002 beziehungsweise 2007 waren Werte von 2,55 Meter beziehungsweise 2,60 Meter erreicht worden. Vor dem aktuellen Hochwasser lag der Leinepegel bei etwa 0,40 Meter.

www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de

Trittin: Konsequenter Klimaschutz ist Hochwasserschutz für übermorgen

Jürgen Trittin

"Dieser Starkregen mahnt uns erneut, dem menschlichen Beitrag zur Klimakrise massiv entgegenzuwirken", sagte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen).

Zunehmende Erwärmung lässt Wolken immer mehr Wasser speichern, so der Abgeordnete. "Starkregen, wie jetzt, drohen künftig zur Normalität zu werden. Konsequenter Klimaschutz ist Hochwasserschutz für übermorgen." Gleichzeitig kritisiert Trittin, dass "Deutschland unter Merkel seine eingegangen Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen verletzt und sein Klimaziel für 2020 verfehlen" wird. Gründe dafür seien die Kohleverstromung und wachsende Verkehrsemissionen aus fossilen Verbrennungsmotoren.

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