Aktuelle Hochwasser-Lage in Südniedersachsen

Hochwasser: Gaffer behinderten Helfer in Goslar - Hannover rechnet mit Überflutungen

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Überfluteter Marktplatz: In Goslar arbeiteten Hilfskräfte in den vergangenen Tagen mit Hochdruck gegen die Fluten.

Goslar. Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk beklagt Behinderungen der Rettungskräfte durch Gaffer. Das Hochwasser schiebt sich nach Norden - auch Hannover ist betroffen.

aktualisiert um 16.40 Uhr - Nach Angaben des Innenministeriums wird der Scheitel der Leine am Abend in Hannover erwartet. Mittlerweile hat der Landkreis Wolfenbüttel den Katastrophenfall wieder aufgehoben. Die Einsatzkräfte vor Ort und auch das Zentrum Großschadenslagen im Innenministerium beobachten die Entwicklung der Lage weiterhin genau. Am Freitag waren in den Einsatzgebieten mehr als 1500 überwiegend ehrenamtliche Helfer der Feuerwehren, Hilfsorganisationen und des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz.

„Der Blick auf die Wettervorhersage für das Wochenende lässt hoffen, dass sich die Lage endlich merklich entspannt“, sagte Staatssekretär Stephan Manke. Demnach sind keine ergiebigen Niederschläge für die Quellgebiete der Flüsse Leine, Innerste und Oker angekündigt. Für das südliche Niedersachsen ist zudem ein beständiger Rückgang der Pegel zu erwarten. In den Unterläufen von Leine, Innerste und Oker sind die Pegel teilweise schon unter die Meldestufe zwei gefallen.

Gaffer sind das Problem

Vermehrt haben die Einsatzkräfte vor Ort mit Gaffern zu kämpfen. Staatssekretär Manke: „Ich kann ein derartiges Verhalten weder verstehen noch akzeptieren. Gaffer behindern die Einsatzkräfte, erschweren dadurch die Rettungsarbeiten und verzögern die Beseitigung von Schäden.“ Außerdem ist es seit Mai dieses Jahres gesetzlich verboten, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten wollen. Eine solche Straftat kann mit Geldstrafen oder bis zu einem Jahr Haft bestraft werden.

Bürgermeister Oliver Junk (Goslar) sagte: „Wir werden richtig gestört von Schaulustigen.“ Man werde die Einsatzorte wieder absperren, damit die Feuerwehrleute ihre Arbeit machen könnten und nicht mehr von Menschen behindert werden, die Fotos von der Flut machen wollten.

Auf der anderen Seite habe er auch eine enorme Hilfsbereitschaft erlebt. „Es melden sich Leute aus Dessau oder Berlin, die sagen, dass sie uns helfen wollen.“

Angesichts der dramatischen Hochwasserschäden im Harz fordert Junk finanzielle Unterstützung vom Land Niedersachsen. „Wir wissen, dass nicht jeder Eigentümer in der Lage sein wird, das finanziell zu bewältigen“, sagte Junk. Die Stadt sei hier sicherlich in der Pflicht, ihren Bürgern zu helfen, aber, so Junk: „Ohne Hilfe von außen, vom Land, wird es schwierig.“

Derweil ist auch Wolfenbüttelvon den Wassermassen weiter stark betroffen: Dort hatte das Hochwasser Teile der Innenstadt überschwemmt. Der Pegelstand der Oker war zunächst stabil, aber auf hohem Niveau, sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen.

Eine Straße am Rande der Altstadt stehe mehr als knietief unter Wasser. Häuser mussten evakuiert werden und die Anwohner wurden aufgerufen, ihre Autos in Sicherheit zu bringen. Teilweise wurde auch der Strom abgeschaltet.

Auch die Bewohner eines Seniorenwohnheims mussten vor dem Wasser in Sicherheit gebracht werden. Nach heftigen Überschwemmungen im Harz drückt das Wasser jetzt Richtung Norden vor allem in kleinere Flüsse.

InBraunschweigfüllte die Feuerwehr Tausende Sandsäcke, die kostenlos an die Bewohner als Hochwasserschutz abgegeben wurden. Die in Braunschweig beobachteten Pegelstände der Flüsse Schunter und Mittelriede fielen, die der Oker blieben zunächst konstant. „Wir sind vorbereitet“, so eine Feuerwehrsprecherin.

Die Hochwasserwelle soll sich in den kommenden Tagen vor allem in die Unterläufe von Leine und Oker verlagern. Für den Bereich der Leine in Hannoverwird der Höchststand ab Freitagabend erwartet. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) wollen sich am Freitag über die Schutzmaßnahmen für die Landeshauptstadt informieren.

„Die Wassermassen der Oker und der Leine werden im Verlauf des Wochenendes die Aller erreichen“, kündigte Achim Stolz, Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) an.

„Am Sonntag könnte die Aller am PegelCelledie Warnstufe 3 erreichen“. Im Bereich Verden oberhalb von Bremen mündet die Aller dann in die Weser. „Dort wird nach derzeitigen Erkenntnissen nicht mit gravierenden Auswirkungen gerechnet“, sagte Stolz. Die Weser könne noch Wasser aufnehmen. Die Elbe sei vom derzeitigen Hochwasser kaum betroffen.

In der vor allem am Mittwoch von massiven Überflutungen gepeinigten Stadt Goslar liefen die Aufräumarbeiten indes auf Hochtouren. Viele Straßen müssen vor einer Freigabe erst noch ausgebessert werden. Auch mehrere Brücken blieben aus Sicherheitsgründen gesperrt, bis sie Statiker sie geprüft haben. Im Harz und Umgebung wird es auch am Freitag teils zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kommen. Auch der Zug- und Busverkehr ist noch nicht wieder im Normaltakt.

Vermutlich wegen des Starkregens der vergangenen Tage kam an der Autobahnunterführung der Bundesstraße 445 zwischen Kalefeld und Echte(Landkreis Northeim) eine bewaldete Böschung ins Rutschen. Die B 445 wurde in dem Bereich komplett gesperrt und auf der Autobahn 7 in Richtung Norden wurde der Verkehr laut Polizei einspurig geführt.

Die Feuerwehr Salzgitterrettete am Donnerstagabend zwischen Ringelheim und Hohenrode eine Frau aus dem stark angeschwollenen Fluss Innerste. Sie hatte einen ihrer Hunde sichern wollen, war dann aber von der Strömung mitgerissen worden. Eine Spaziergängerin hörte ihre Hilferufe, konnte ihr mit Mühe auf einen Baumstamm helfen, von dem sie aber nur mit Hilfe der Feuerwehr und einem Rettungsboot geborgen werden konnte. Auch der Hund wurde am anderen Ufer aus dem Wasser gerettet. (mit dpa und epd)

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