Hochwasser in Südniedersachsen

Die Hochwasser-Lage am Mittwoch: Land unter in Bad Harzburg und Goslar

Göttingen/Harz. Besonders betroffen vom Hochwasser ist der Harz, so die Städte Bad Harzburg und Goslar. Es gab Straßen-Sperrungen - auch in Westerode bei Duderstadt.

Überschwemmungen in Bad Harzburg und Goslar

Wegen starker Überschwemmungen ist in der niedersächsischen Stadt Bad Harzburg der Bahnverkehr komplett ausgefallen. Der Bahnhof der 23 000-Einwohner-Stadt sei gesperrt und auch die Bundesstraße 4 teilweise unpassierbar, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwochmorgen.

„Hier ist Land unter“, sagte eine Verwaltungsmitarbeiterin. Am Bahnhof des Ortes im Kreis Goslar stand das Wasser nach heftigem Dauerregen mindestens 20 Zentimeter hoch. 350 Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz. Die Polizei orderte Verstärkung an.

Historischer Platz unter Wasser: In Goslar ist der Marktplatz überflutet worden. Die Feuerwehren sind im Einsatz.

Auch in Goslar war die Situation angespannt. Die Innenstadt wurde laut Polizei gesperrt. Das Hotel Kaiserworth sowie die Seniorenresidenz Theresienhof mussten evakuiert werden. Die Polizei erhielt Unterstützung von 60 Bereitschaftspolizisten.

Goslar: Altenheim evakuiert

Aufgrund des Hochwassers in Goslar ist am Mittwoch unter anderem ein Altenheim evakuiert worden. Das Wasser sei ins Erdgeschoss des Theresienhofs eingedrungen, so dass die 124 Bewohner in umliegende Heime verlegt wurden, teilte die Evangelische Stiftung Neuerkerode als Träger mit. Die zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Altstadt ist derzeit aufgrund der Wassermassen für den Verkehr gesperrt. Der Landkreis Goslar hatte am Mittag Katastrophenalarm ausgerufen.

Der evangelische Propst Thomas Gunkel sagte, in der gesamten Stadt herrsche "absoluter Ausnahmezustand". Wie viele Bürger aufgrund der Überflutungen Hilfe benötigten, sei derzeit noch unklar. Die Kirchengebäude seien hingegen bisher unversehrt und würden nur umspült. "Sie stammen aus Zeiten, wo man sich mit Hochwasser auskannte."

In der renommierten Marktkirchen-Bibliothek habe man die historisch bedeutsamen Bücher allerdings vorsichtshalber etwas höher gelagert, sagte Gunkel. Die Goslarsche Bibliothek beherbergt etwa 5.000 historische Bände. Unter anderem lagert dort das weltweit älteste evangelische Gemeindegesangbuch, das sogenannte Erfurter Färbefaß-Enchiridion, das 1524 gedruckt wurde.

Auch in der vom Dauerregen betroffenen Region Hannover sind bisher keine Kirchengebäude geschädigt. Kirchen könnten Starkregen gut aushalten, sagte ein Sprecher der hannoverschen Landeskirche. Gefährlicher seien Stürme.

Rekord-Pegelstände

Die Pegelstände der Innerste in Heinde (Landkreis Hildesheim) und der Nette in Groß Rhüden (Kreis Goslar) erreichten nach Angaben der niedersächsischen Hochwasservorhersagezentrale (HWVZ) neue Rekordwasserstände. Bereits am Vormittag lag der Wasserstand am Pegel Heinde 40 Zentimeter über dem Höchststand von 2007. Die Wasserstände seien an diesen Pegeln immer noch steigend, bis zum Abend würden aber die Scheitelpunkte voraussichtlich erreicht sein.

Schutzwall: Feuerwehrmänner laden in Holzminden Sandsäcke von einem Radlader ab.

Landesregierung reagierte

Nach dem Dauerregen hat die Landesregierung reagiert: „Das Kompetenzzentrum Großschadenslagen wurde heute morgen mit einer mittleren Besetzung hochgefahren“, sagte Mirko Temmler vom Referat für Brand- und Katastrophenschutz des Innenministeriums. Es ist zuständig für die Entsendung zusätzlicher Kräfte und hat beratende Funktion. Bisher sei aber kein Katastrophenfall festgestellt worden. Trotz nachlassenden Regens betonte er: „Wir können sicherlich noch nicht ganz Entwarnung geben.“

Bahn- und Bus-Verkehr durch Hochwasser beeinträchtigt

Dauerregen und Hochwasser haben am Mittwoch im Süden Niedersachsens auch Tausende Bahn- und Buspendler in die Bredouille gebracht. Einige Regionalverbindungen mussten gesperrt werden. Im Busverkehr kam es wegen Erdrutschen und Straßensperrungen zu Ausfällen und Verspätungen. Zum Glück sei Urlaubs- und Ferienzeit und der Schulverkehr falle weg, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Dennoch seien tausende Fahrgäste betroffen.

Wassergärten: In Bovenden bei Göttingen sind in der Leineaue zahlreiche Gärten überflutet worden.  

Nach Bahn-Angaben waren Streckenabschnitte zwischen Vienenburg und Bad Harzburg sowie Groß Düngen und Derneburg gesperrt. Auf weiteren Verbindungen konnten Bahnen teils nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Auch das private Bahnunternehmen Erixx meldete wegen Hochwassers Streckensperrungen. Betroffen waren die Abschnitte zwischen Bad Harzburg und Goslar sowie Salzgitter-Ringelheim und Groß Düngen, wo ein Busnotverkehr eingerichtet wurde. Fahrgäste wurden gebeten, deutlich mehr Fahrzeit einzuplanen.

Hochwasser in Hildesheim

Im Bereich Hildesheim hatte die Innerste – ein Nebenfluss der Leine – am Pegel Heinde mit 7,14 Meter rund 40 Zentimeter über dem höchsten Hochwasser aus 2007 gelegen. Seit acht Uhr gebe es aber einen um 15 Zentimeter fallenden Pegel. „Aber das Wasser ist natürlich noch da, es braucht eine Weile, bis es abläuft.“

Hilfe für Kommunen nach Unwetter

Die Kommunen tragen ihre Kosten selbst, könnten im Katastrophenfall aber auch Unterstützung beantragen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der am Dienstag mehrere Hochwasserregionen besucht hat, hatte sich vorsorglich für Besuche den Tag frei gehalten. „Das ist aber nicht erforderlich: nach allem was wir gehört haben, entspannt sich die Lage wieder“, so ein Regierungssprecher. (tko, dpa,epd)

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