Zuhören, Fragen, Ausprobieren

Höhepunkte der vierten Nacht des Wissens in Göttingen

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Publikumsmagnet bei der Nacht des Wissens: Das beeindruckende Foyer im Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) am Nordcampus, wo es natürlich auch um Kometen und Planeten ging.

Die Nacht des Wissens lädt zum Zuschauen und Zuhören ein – vor allem aber zum Mitmachen. So können die Besucherinnen und Besucher im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) die Forscher nicht nur mit Fragen löchern, sondern auch viel ausprobieren.

Groß ist der Andrang im Obergeschoss beim Deutschen Primatenzentrum (DPZ). Bei Mitmachaktionen zur Hirnforschung geht es darum, mit einer Brille, die oben und unten verkehrt, Figuren zu zeichnen oder Greifbewegungen mit einer Neuroprothese auszuprobieren.

„Wir haben pro Stunde etwa 1000 Besucherinnen und Besucher gezählt“, begeistert sich Primatenforscherin Julia Fischer, die als Professorin „unbedingt dabei sein wollte“. Sie belohnt Quiz-Teilnehmer für deren Antworten mit einem Stempel am Laufzettel. Ist alles richtig, winkt ein tolles Foto für die Teilnehmer. „Für uns ist das eine tolle Möglichkeit, über unsere wichtige Arbeit zu informieren und um Akzeptanz dafür zu werben“, sagt Fischer.

Modell: Gastroenterologin Dr. Eirini Mavropoulou erklärt im Klinikum die Anatomie. 

Um gesundes Obst und Gemüse geht es bei den Nutzpflanzenwissenschaftlern. Im Versuch finden Kinder heraus, dass Paprika den höchsten Vitamin-C-Gehalt hat und damit noch besser abschneidet als Orangen.

Gelächter gibt es bei der Data Science-Aktion „Finde deinen Zwilling“. Wer wollte, kann sein Gesicht mit Bildern aus Datenbanken abgleichen. Dort finden sich auch viele prominente Gesichter wie das von Miley Cyrus oder Tom Cruise mit teilweise verblüffender Ähnlichkeit.

Faszination Operationsroboter: Mit dem DaVinci versuchten sich viele Besucher in der Uni-Klinik.

Selbst spezielle Themen wie die Runische Schrift haben ihr Publikum. Stündlich erklären zwei Wissenschaftlerinnen im Kulturwissenschaftlichen Zentrum, wie sich die geheimnisumwitterten Zeichen deuten lassen und etliche Zuhörer müssen wegen Platzmangel stehen. Riesengroß ist das Interessen an den enorm vielen Angeboten im Uni-Klinikum, wo eine große Bandbreite geboten wird – vom Querschnittmodell eines Riesenohrs, über Vorträge von Spitzenforschern, Mal- und Bastelaktionen bis zu Ausbildungsinfos und der „Bar des Wissens“.

Die längsten Warteschlangen aber bilden sich – natürlich bei Mitmachaktionen: Geduldig warten viele, um einmal mit dem OP-Roboter „DaVinci“ Feinarbeit zu leisten, eine Ultraschalluntersuchung zu machen oder sich von Dr. Eirini Mavropoulou über die Anatomie des Darms erzählen zu lassen. „Es macht großen Spaß ganz einfache oder auch schwierige Fachfragen zu beantworten, freut sich die junge Medizinerin aus der Gastroenterologie. Und ein Professor sagt: Hier beantworte ich Fragen, die ich sonst im Alltag nie höre!“

Bus-Shuttle: Ein Schlüssel für NDW-Erfolg

Ein Schlüssel für den Erfolg der Nacht des Wissens sind die kostenlosen Bus-Shuttle. Stefan Fenner ist einer der Fahrer, die unermüdlich ihre Runden drehen und mit seinem Bus der Linie 2 bei der „NDW“ die HAWK auf den Zietenterrassen und Sartorius in Grone verbindet. „Die Nacht des Wissens ist eine fantastische Idee“, sagt der busfahrende promovierte Agrarwissenschaftler. Würde er nicht arbeiten, wäre er selbst Besucher. 

An der HAWK sammelten sich schon vor Eröffnung die ersten Wissbegierigen vor den Türen, um sich die besten Plätze zu sichern. Besonders beliebt ist der Vortrag „Laserschwert und Plasmablitz“ von Prof. Wolfgang Viöl. Er stellt die medizinische Anwendung von Plasmatechnik vor. Danach fragen viele nach den Verwendungsmöglichkeiten: von Fußpilzbehandlung bis Schimmelpilz-Beseitigung in den Badezimmerfugen –– die Zuhörer sind begeistert und hätten gerne sofort ein Gerät gekauft. Doch das ist noch nicht möglich. 

In der HAWK konnten Kinder und Erwachsene im E-Rennwagen Blue Flash Platz nehmen. 

Literaturbegeisterte aller Altersklassen besuchen danach Timo Rauchhaus Vortrag „Harry Potter –– Und das Geheimnis der Panorama App.“ Mithilfe von Zaubersprüchen aus der Bestseller reihe erklärt der junge Forscher anschaulich, wie ein Algorithmus funktioniert und wie ein Computer anhand mehrerer Fotos ein Panorama erstellt. Ruhiger geht es bei Christopher Frey und Christof Germershausen zu. Im Computerraum zeigen sie, wie man eine Kaffeetasse mit einem 3D-Programm konstruiert. 

Kinder zieht es zum Blue Flash, dem E-Rennauto des HAWK-Studierenden-Teams. Sie stellen ihren selbst gebauten Renner vor, der macht 120 km/h und beschleunigt von Null auf 100 in drei Sekunden. Fahren geht nicht, aber probesitzen. Die Lavalampen der Laser- und Plasmatechnik-Studierenden sind fast noch beliebter als das E-Auto. Denn die Kinder können aus Öl, farbigem Wasser und einer Sprudeltablette Lampen herstellen – und mitnehmen. Dann geht es für viele weiter. 

„Ich fahre nicht zum Nordcampus!“, ruft Stefan Fenner, als er die Bustüren öffnet. Ein Minuspunkt: Die verschiedenen Linien sorgten manchmal für Unmut bei Gästen, die in die falsche Richtung einsteigen oder auf „ihre“ Linie warten müssen. Fenners Linie ist ruhiger als die Linie 1, die vom Zentralcampus zum Uni-Klinikum führt. „Da ist der Bär los“, sagt Fenner. Er öffnet die Tür und ruft: „Ich fahre zu Sartorius, da ist es interessant!“. Die Leute steigen ein.

Besucher sind neugierig auf Wissenschaft

Die Besucher der 4. Nacht des Wissens waren begeistert. 

„Sehr interessant“, meinte Nils Schoemann. Der Göttinger war zum ersten Mal dabei und wollte nach einer Einführung in die chinesische Sprache im Kulturwissenschaftlichen Zentrum (KWZ) noch einen Vortrag über China hören. 

Weil ihr die Veranstaltung vor zwei Jahren so gut gefallen hatte, war Maren Blankenstein mit ihrem Sohn aus Bad Sooden-Allendorf gekommen, um sich ohne großen Plan umzuschauen. Zum Auftakt informierten sich beide über Verbundwerkstoffe, die Forscher aus Popcorngranut herstellen, um Kunststoffe zu ersetzen. „Man kann immer dazu lernen.“ 

Bei Sartorius konnten Besucher die Farbe aus Fanta filtern - wie hier Anja Herdlitschke aus Göttingen. 

Freude an der Aktion hatte auch Reinhard Müller, der als Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung erklärte, warum man ein Sonnenteleskop mit einem Heliumballon in der Polarregion in 37 Kilometer Höhe steigen lässt. „Es ist schön, den Leuten zu erklären, was wir hier machen“. Müller nutzte die Chance, sich bei den Physikern umzuschauen. „Ich habe zum ersten Mal deren Teilchenbeschleuniger gesehen.“ 

Anja Herdlitschke (49) aus Göttingen besuchte naturwissenschaftliche Veranstaltungen. Als Biologisch-Technische-Assistentin interessierte sie auch die Bio-Membran bei Sartorius. An der „Nacht“ gefalle ihr, das Wissen erweitern und Geräte ausprobieren zu können. Sie wünscht sich, dass die NDW in zwei Jahren zwei Tage läuft, damit man noch mehr erleben kann. 

Begeistert über den Zuspruch und die Aktion der „Stem Cell Unit“ im Uni-Klinikum ist Robin Heidmers. Der Doktorand, arbeitet an der Züchtung von Herzmuskelzellen aus Stammzellen der Haut, was er am Bildschirm zeigt und mit Begeisterung erklärt. „Hier herrscht eine Wohnzimmeratmosphäre, das ist total toll, auch, weil sich die Leute wirklich interessieren, einfache und schlaue Fragen stellen. Deshalb mache ich so gerne mit.

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