Hoffnung für Ruquayah: Unimedizin behandelt Mädchen mit Darm-Fehlbildung

Operation in der Universitätsmedizin Göttingen: Ruquayah mit Schwester Christine Weimer.

Göttingen. Die vierjährige Ruquayah aus dem Irak kann jetzt normal aufwachsen. Sie litt seit ihrer Geburt an einer so genannten Analatresie, einer Fehlbildung des Darms. Mit Hilfe zweier Operationen im Operativen Kinderzentrum (OPKiZ) der Universitätsmedizin Göttingen haben die Kinderchirurgen die Fehlbildung bei dem Mädchen korrigiert.

Die Kinderhilfe-Irak der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung hat die Behandlung vermittelt. Der Vorstand der Universitätsmedizin Göttingen unterstützte die Operation durch die Übernahme der medizinischen Versorgung. Solche Fehlbildungen wie bei Ruquayah sind bei Kindern keine Seltenheit. „In Deutschland werden sie entweder gleich nach der Geburt oder nach acht bis zwölf Wochen operiert. In einigen Ländern fehlen jedoch das medizinische Wissen oder die technischen Voraussetzungen dafür.“, sagt Dr. Fritz Kahl, Leiter des Schwerpunktbereichs Kinderchirurgie und Kinderurologie im Operativen Kinderzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.

Bei einer so genannten „Analatresie“ erreicht der Enddarm den muskulären Beckenboden nicht an der richtigen Stelle. Ruquayah kam ohne „echte“ anale Öffnung zur Welt. Im Alter von acht Monaten wurde ihr im Irak deshalb ein künstlicher Darmausgang, auch Stoma genannt, gelegt. Er entsteht, indem man den Dickdarm durchtrennt und die zwei Darmenden durch die Bauchdecke nach außen führt. Auf diese Weise ist es möglich, den Darm zu entleeren.

Die komplexe Fehlbildung bei Ruquayah erforderte eine umfassendere Behandlung, als sie im Irak geleistet werden konnte. So kam sie über die Kinderhilfe-Irak in die Obhut der Kinderchirurgen des neuen OPKiZ an der Universitätsmedizin Göttingen.

Dreistündige Operation

In einer dreistündigen Operation haben die Kinderchirurgen dem Mädchen eine anale Öffnung gebildet und um diese herum den Schließmuskel rekonstruiert. In einer zweiten Operation wurde der künstliche Darmausgang zurückverlagert.

Jetzt muss Ruquayah mit Hilfe von Beckenbodenübungen lernen, ihren Schließmuskel zu trainieren. „Nach dieser abschließenden Operation stehen die Chancen sehr gut, dass kein weiterer medizinischer Eingriff nötig ist und Ruquayah ein ganz normales Leben führen kann“, sagt Dr. Kahl.

Ruquayahs Tante Hamdiyah Lateef Hashim hat sie nach Deutschland begleitet. Sie betreut ihre Nichte rund um die Uhr, bis sie beide Ende August wieder in ihre Heimatstadt Basrah zurückkehren können. (bsc)

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