Foto-Ausstellung

Hollywoods erste Fotografin: Kunsthaus Göttingen zeigt Bilder von Ruth Harriet Louise

Kunstsammler steht vor Stücken der Foto-Ausstellung von Hollywoods Fotografin Ruth Harriet Louise
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Begeistert von Fotografin Ruth Harriet Louise, auf den Bildern im Hintergrund links zusammen mit Schauspielerin Joan Crawford: Sammler Daniel Kothenschulte.

Hollywoods Stars der Stummfilm-Ära hat Fotografin Ruth Harriet Louise abgelichtet. 45 Originalabzüge sind noch bis zum 6. Februar im Kunsthaus Göttingen zu sehen.

Göttingen – DIe Originalabzüge stammen aus der Sammlung des Kölner Filmkritikers Daniel Kothenschulte. Schauspielerin Joan Crawford, die moderne, selbstbewusste Frauen darstellte, stand Louise ebenso Modell wie die geheimnisvolle Schönheit Greta Garbo, der romantische Liebhaber John Gilbert oder der tragisch-komische Buster Keaton.

„100.000 Negative belichtete die aus New York gebürtige Rabbinertochter in den Jahren von 1925 bis 1930“, berichtet Sammler Kothenschulte. Louise arbeitete damals beim Studio Metro-Goldwyn-Mayer, dem „Branchenprimus“ und setzte alle damals dort unter Vertrag stehenden Schauspieler und Regisseure in Szene.

Studiochef Lewis B. Mayer hatte die 22-Jährige eingestellt. Er war begeistert von den Fotos, die die junge Frau von ihrer Cousine Carmel Myers gemacht hatte, die in Filmen verführerische Vamps mimte. „Louise war die erste festangestellte Porträtfotografin eines Studios“, weiß Kothenschulte.

Der Bedarf an Bildern war groß. Die Studios vermarkteten ihre Stars. Bei Metro-Goldwyn-Mayer versorgte eine 20-köpfige Presseabteilung die Medien mit immer neuem Material.

„Die Arbeit in den Studios war ein Knochenjob“, berichtet der Sammler. Für vier, fünf Filme im Jahr standen die Stars vor der Kamera. Die langen Arbeitstage waren durchgetaktet. Oft kamen die Schauspieler erschöpft zu den Foto-Shootings in Louises Lounge, wo sie erst einmal Tee tranken.

Mit Grammophon-Musik stimmte Lousie die Filmgrößen auf die anstehende Bilderstrecke ein. Sie fand schnell einen guten Draht zu den Künstlern, die ín ihrem Alter waren. „Sie selbst sah so gut aus, dass sie am Set als Filmschönheit durchging“, erzählt Kothenschulte.

Der Stil der New Yorkerin war vom Broadway-Fotografen Nickolas Muray geprägt, bei dem sie gelernt hatte. „Louise inszenierte ihre Aufnahmen, versuchte die Persönlichkeit der Stars zu erfassen“, erläutert der Sammler.

Das kam in den folgenden Jahren aus der Mode, als mehr Wert auf eine aufwendige Lichtsetzung gelegt wurde. Louises Vertrag lief aus. Die Fotografin heiratete 1930 einen Regisseur, bekam zwei Kinder, von denen eines an Blutkrebs starb. Bei der Geburt des dritten Kindes starb sie selbst mit gerade einmal 37 Jahren.

„Louise geriet in Vergessenheit“, bedauert der Sammler. Bis in die 1960er Jahre waren nur noch Männer in Hollywoods Proträtfotografie tätig. „Sie setzten sich besser in der hierarchischen, durch harten Wettbewerb geprägten Studiowelt durch, wo es mehr um Menge, als um Qualität oder Originalität ging“, vermutet Kothenschule.

Er besuchte einmal zufällig in Chicago eine Louise-Ausstellung und war begeistert. 140 Originalabzüge hat er in den vergangenen 15 Jahren zusammengetragen. Eine Auswahl holte Kuratorin Ute Eskildsen nun für die erste Schau mit Werken der Fotografin nach Göttingen.

Die Ausstellung „Hollywoods erste Fotografin – Ruth Harriet Louise“ ist im Kunsthaus Göttingen, Düstere Straße 7, donnerstags von 15 bis 20 Uhr sowie freitags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. (Michael Caspar)

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