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Neue Göttinger Fach- und Beratungsstelle Horizont hilft bei religiöser Radikalisierung

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Von: Michael Caspar

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Porträt von Horizont-Koordinatorin Hacer Toprakoglu.
Möchte religiöse Vielfalt fördern und Demokratie leben: Horizont-Koordinatorin Hacer Toprakoglu. © Michael Caspar

Neue Fach- und Beratungsstelle Horizont in Göttingen zeigt die Vielfalt muslimischer Identitäten. Und hilft bei religiöser Radikalisierung.

Göttingen – Über die Vielfalt muslimischer Identitäten will Horizont informieren, eine neue Göttinger Fach- und Beratungsstelle. Sie hilft, Fälle möglicher religiöser Radikalisierung zu klären und setzt sich gegen antimuslimischem Rassismus ein.

„Viele Menschen in Deutschland sehen Muslime als einheitliche Gruppe, die auf sie rückschrittlich, bedrohlich und undemokratisch wirkt“, erklärt Projektkoordinatorin Hacer Toprakoglu. Sie ist zugleich Geschäftsführerin der gemeinnützigen GmbH Bildung und Soziale Innovation in Kassel, der Trägerin des Göttinger Projekts.

Die Vielfältigkeit der muslimischen Gesellschaft steht im Mittelpunkt

In der Beratung, aber auch mit einer Veranstaltungsreihe zu Deutsch-muslimischen Identitäten will die Einrichtung zeigen, wie vielfältig die muslimische Gemeinschaft ist.

So steht der Horizont-Kooperationspartner, der Liberal-Islamische Bund, feministischen Auslegungen des Islams, aber auch sexuellen Minderheiten und queeren Identitäten offen gegenüber. Das berichtete deren zweite Vorsitzende, die Göttingerin Frederike Steiner, im Eröffnungsvortrag der Veranstaltungsreihe.

Die großen Moscheeverbände in Deutschland sind da weit weniger offen. Von einem „offenen, zähen Prozess“ im Ringen um Toleranz innerhalb der muslimischen Gemeinschaft, spricht Toprakoglu.

Die Fach- und Beratungsstelle sieht sich zudem als Anlaufstelle für Privatpersonen sowie Mitarbeitende von Verwaltungen und Bildungseinrichtungen, die die religiöse Entwicklung eines Menschen als potenziell demokratiegefährend einschätzen. „Wir hören beide Seiten an, schauen, ob es sich nicht vielleicht eher um das Ringen um die eigene Identität oder auch um Missverständnisse handelt“, führt Toprakoglu aus.

Ein drittes Thema der Beratungsstelle ist der der antimuslimische Rassismus, bei dem sich Vorurteile gegen den Islam mit einer Abwertung von Menschen aus dem Nahen Osten überlagern. Opfer des antimuslimischen Rassismus können auch Personen sein, die keine Muslime sind, wie etwa Angehörige der kurdischen Glaubensgemeinschaft der Jesiden oder orientalische Christen.

Andererseits erleben Deutsche nach ihrem Übertritt zum Islam, dass die Mehrheitsgesellschaft sie nun als „Fremde“ wahrnimmt. Horizont will Betroffene stärken, mit ihnen Handlungsstrategien erarbeiten und sie gegebenenfalls an andere Beratungsstellen verweisen.

Im Horizont-Büro am Rosdorfer Weg 14 beschäftigt die Sozialarbeiterin Toprakoglu zwei Islam- und Religionswissenschaftlerinnen. Beide haben Migrationshintergrund und sehen sich als deutsche Musliminnen.

Ihre Namen werden aufgrund des Sicherheitskonzepts der Einrichtung vertraulich behandelt. Das soll sie vor Übergriffen von Rechtsextremen oder Islamisten schützen. Finanziert wird das Projekt, das zunächst auf ein Jahr beschränkt ist, mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Bewilligt wurden die Gelder von Landespräventionsrat Niedersachsen. (Michael Caspar)

Weitere Informationen unter bisi-horizont.de

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