Untersuchung von Naturschützern

Hotspot Artenvielfalt: Seltene Wildbienen im Landkreis Göttingen im Visier

Eine typische Art, die in der „Ballertasche“ bei Hann. Münden zu finden ist: Die Weißfleckige Wespenbiene (Nomada alboguttata) ist eine für sandige Lebensräume charakteristische Art, die als Kuckucksbiene bei anderen Wildbienenarten lebt.
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Eine typische Art, die in der „Ballertasche“ bei Hann. Münden zu finden ist: Die Weißfleckige Wespenbiene (Nomada alboguttata) ist eine für sandige Lebensräume charakteristische Art, die als Kuckucksbiene bei anderen Wildbienenarten lebt.

Naturschützer der Biologischen Schutzgemeinschaft (BSG) haben seltene Wildbienenarten in Niedersachsen im Visier. Im südlichen Bereich des Landkreises Göttingen wurden sie fündig.

Göttingen/Hann. Münden – Als besonders wertvoll erwies sich das Gebiet „Ballertasche“, ein laut BSG naturschutzfachlich besonders wertvolles Kiesgrubengelände an der Weser. Dort entdeckten die Experten insgesamt 136 Bienenarten, darunter vier Erstnachweise in Niedersachsen.

Damit gehört die Fläche nach Ansicht der Experten zu den artenreichsten in ganz Niedersachsen. Die Erfassung war Teil einer Bachelor-Arbeit an der Abteilung Evolution & Biodiversität der Tiere der Uni Göttingen und gehört zur systematischen Wildbienenkartierung des Arbeitskreis Wildbienen der Biologischen Schutzgemeinschaft (BSG) in Südniedersachsen.

Die Naturschützer begrüßen, dass die Wildbienen-Nachweise nun auch bei der kürzlich beschlossenen Ausweisung zum Naturschutzgebiet (NSG) berücksichtigt wurden.

Christoph Bleidorn, Leiter der Abteilung Evolution & Biodiversität und Betreuer treuer der wissenschaftlichen Arbeit, macht deutlich: „Unter anderem wurden neben einigen in Niedersachsen vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten auch die im Land seit fast 100 Jahre verschollene März-Sandbiene nachgewiesen, eine deutschlandweit gefährdete Wildbiene, die als Charakterart für Sandgebiete mit steilen Abbruchkanten gilt.“

Einen ähnlichen Anspruch an ihren Lebensraum hat auch die in der „Ballertasche“ erstmals in Niedersachsen nachgewiesene Geriefte Steilwand-Schmalbiene (Lasioglossum limbellum), die ebenfalls bundesweit als gefährdet gilt.

Bachelor-Absolvent Adrian Schaper ergänzt: „Wildbienen besitzen sehr diverse, teilweise stark spezialisierte Lebensraumansprüche. Anders als Honigbienen, die zur Nahrungsaufnahme weite Strecken fliegen können, legen Wildbienen meist nur Distanzen von wenigen 100 m zwischen Nist- und Nahrungsplätzen zurück.“

Das Gebiet „Ballertasche“ an der Weser bei Hemeln aus der Luft: In einem Großteil des Gebietes ist der Kies- und Sandabbau mittlerweile eingestellt. Luftbild: Stefan Rampfel/Archiv/nh

Fionn Pape, BSG-Vorstandsmitglied und als Co-Koordinator des Arbeitskreis Wildbienen an der Studie beteiligt, ergänzt: „In keiner Schutzgebietsverordnung in Südniedersachsen wurden bisher Wildbienenarten unseres Wissens explizit als Schutzgüter benannt, dabei haben sie aufgrund ihrer starken ökologischen Spezialisierungen besondere Ansprüche an das Management ihres Lebensraums.“

Dass die Gruppe der Wildbienen nun auf Initiative der Biologischen Schutzgemeinschaft wohl erstmals in einer Naturschutzgebietsverordnung genannt wird, ist aus Sicht von Pape ein wichtiger Schritt für einen effektiven Schutz. Nun gelte es, Naturschutz-Maßnahmen so zu gestalten, dass die bedrohten Wildbienenarten auch in der Praxis profitieren. (Bernd Schlegel)

Das Gebiet „Ballertasche“ ist in einer Flussschleife an der Weser zu finden

Die „Ballertasche“, die an einer Flussschleife an der Weser im Bereich von Hemeln bei Hann. Münden liegt, ist aus Sicht der Biologischen Schutzgemeinschaft (BSG) ein überregional bedeutsamer Hotspot der Biodiversität für gefährdete Amphibien- und Libellenarten sowie für Wildbienen.

Der Bereich ist zurzeit als schützenswert Gebiet gemäß der „Fauna-Flora-Habitat“-Richtlinie ausgewiesen. Nun soll der Bereich zum Naturschutzgebiet werden. In einem Großteil des Gebietes ist der Kies- und Sandabbau mittlerweile eingestellt. In Teilen im Süden der Ballertasche wurden der Kies- und Sandabbau bereits Anfang der 1980er-Jahre eingestellt. Zu den Arten, die in der „Ballertasche“ einen geschützten Lebensraum finden, zählt auch die Röhricht-Maskenbiene (Hylaeus moricei), die bei dieser Untersuchung das erste Mal in Niedersachsen nachgewiesen werden konnte. Auch die deutschlandweit gefährdete Schilfgallen-Maskenbiene (Hylaeus pectoralis) konnte nachgewiesen werden. Beide Arten bauen ihre Nester ausschließlich in Schilfhalmen. Die „Ballertasche“ bietet laut BSG zahlreichen seltenen und gefährdeten Arten einen Rückzugslebensraum im von intensiver Landwirtschaft geprägten Niedersachsen. (bsc)

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