Änderungen im Fern- und Nahverkehr

ICE-Strecke Göttingen-Kassel wird ab sofort saniert: Verspätungen und Zug-Ausfälle bis Juli

Ein InterCity auf der Werratalbrücke
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Ein InterCity auf der Werratalbrücke zwischen dem Rauheberg-Tunnel und dem Mündener Tunnel. Im Hintergrund ist die Autobahn 7 zu erkennen. Dieser Abschnitt der Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Kassel wird 2021 saniert.

Zwischen Göttingen und Kassel wird die ICE-Strecke saniert. Deshalb kommt es hier ab sofort bis Juli zu Beeinträchtigungen im Zug-Verkehr.

  • Vom 24. April bis 16. Juli 2021 wird die ICE-Neubaustrecke zwischen Göttingen und Kassel saniert.
  • Das hat Auswirkungen auf den Nah- und Fernverkehr auf der Schiene.
  • Fahrgäste in Nordhessen und Südniedersachsen müssen mit erheblichen Behinderungen rechnen.

Göttingen/Kassel – Seit fast 30 Jahren fahren Züge mit Höchsttempo über die Neubaustrecke zwischen Göttingen und Kassel. Das hat Spuren hinterlassen. Deshalb wird dieser Abschnitt vom 24. April bis 16. Juli 2021 komplett saniert – mit erheblichen Auswirkungen auf den Fern- und Nahverkehr auf der Schiene.

Der zentrale Abschnitt der Neubaustrecke zwischen Hannover und Würzburg wurde am 2. Juni 1991 offiziell für den Verkehr freigegeben. Damals begann der ICE-Verkehr in Deutschland. Seither nutzen 15,5 Millionen Fahrgäste jährlich diese wichtige Nord-Süd-Achse, auf der zusätzlich jedes Jahr fast 14 Millionen Tonnen Güter transportiert werden.

ICE-Strecke Kassel - Göttingen: Dreimonatige Bauzeit führt zu Verspätungen

Während der dreimonatigen Bauzeit tauscht die Deutsche Bahn auf der 40 Kilometer lange Strecke zwischen Göttingen und Kassel insgesamt 75 Kilometer Gleis, 72.000 Schwellen, 95.000 Tonnen Schotter und 48 Weichen aus.

Das Unternehmen investiert insgesamt 114 Millionen Euro und macht damit die Strecke wieder fit für die Zukunft. Die Sanierung der Strecke ist wegen der vorhandenen vier Brücken und sieben Tunnel anspruchsvoll. Mit dem Mündener Tunnel (10.525 Meter) und dem Rauheberg-Tunnel (5210 Meter) sind auch zwei besonders lange Tunnelabschnitte dabei. Um die Einschränkungen für die Reisenden auf ein Minimum zu reduzieren, bündelt der Bahnkonzern die Arbeiten gezielt und setzt moderne Bauverfahren ein.

Sanierung: ICE-Strecke zwischen Göttingen und Kassel wird komplett gesperrt

Für das riesige Pensum wird die Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Kassel komplett gesperrt. Täglich werden etwa 100 Züge über Hann. Münden, Witzenhausen und Eichenberg umgeleitet. Die Fahrzeit verlängert sich dadurch um etwa 40 Minuten auf eine Stunde zwischen beiden Oberzentren.

Das Projekt ist Teil einer Rundum-Sanierung von Neubaustrecken in Deutschland. Im vergangenen Jahr war der Abschnitt zwischen Göttingen und Hannover an der Reihe, in diesem Jahr läuft die Sanierung der Strecke zwischen Mannheim und Stuttgart. 2022 kommt der Abschnitt zwischen Fulda und Würzburg dran. 2023 folgt schließlich der Bereich zwischen Kassel und Fulda.

Video: Führerstandsmitfahrt von Kassel über Göttingen nach Kassel

Fernverkehr: Leicht gekürztes Angebot

Trotz der Großbaustelle zwischen Göttingen und Kassel will die Bahn das Fernverkehrsangebot vom 24. April bis 16. Juli 2021 weitgehend aufrecht erhalten.

Die Züge kommen durch die Fahrzeitverlängerung wegen der Umleitung über die alte Eisenbahnstrecke bei Fahrten in Richtung Norden ab Göttingen etwa 40 Minuten später an ihren Zielbahnhöfen an. Richtung Süden starten die Züge an ihren Ausgangsbahnhöfen (Hamburg/Berlin) etwa 40 Minuten früher und sind so in Kassel wieder in ihrer normalen Fahrplanlage. So werden insbesondere in Frankfurt wichtige Anschlüsse erreicht.

Alle Änderungen sind in die Auskunfts- und Informationssysteme eingearbeitet und online abrufbar.

Angebot Richtung Hamburg

In Richtung Norden verspricht die Bahn ein weiterhin dichtes Fernverkehrsangebot. Allerdings gibt es einige Umstellungen: Unter anderem fährt die Linie 25 Hamburg-Würzburg-München nur noch alle zwei Stunden und ohne Halt in Kassel. Die Linie 26 (Hamburg-Marburg-Frankfurt-Karlsruhe) fährt mit neuen Zeiten nicht mehr über Hamburg hinaus und hält nicht mehr in Celle, Uelzen und Lüneburg.

Angebot Richtung Berlin

Berlin wird alle zwei Stunden direkt angefahren durch die Linie 12 Berlin-Braunschweig-Frankfurt-Interlaken, sonst muss umgestiegen werden. Die Linie 13 Berlin-Braunschweig-Frankfurt Flughafen entfällt bis auf einige Einzelfahrten. Der Frühsprinter – ein Expresszug mit wenig Halten – um 6 Uhr von Frankfurt nonstop nach Berlin fährt nicht.

Angebot Richtung Bayern

Nach Würzburg fährt die Bahn weiter stündlich, nach Nürnberg und München verlängern sich durch andere Baustellen die Fahrzeiten und Umstiege sind erforderlich. So ist die Linie 25.1 Hamburg-Würzburg-München via Augsburg statt Nürnberg und Ingolstadt 25 Minuten länger unterwegs. Die Linie 25.2 Hamburg nach Würzburg-Nürnberg ist 30 Minuten länger unterwegs und fährt nicht weiter nach München.

Angebot Richtung Frankfurt

Nach Frankfurt am Main ist das Angebot reduziert, ab Göttingen und Kassel fahren die Züge aber weiterhin häufiger als nur jede Stunde. Unter anderem fahren die Linie 12 Berlin-Braunschweig-Frankfurt-Interlaken, die Linien 20/22 Hamburg-Frankfurt-Zürich beziehungsweise Stuttgart und die Linie 26 Hamburg-Marburg-Frankfurt-Karlsruhe mit Zusatzhalt in Eichenberg. Die Linie 13 Berlin-Braunschweig-Frankfurt Flughafen entfällt. Ab Fulda fährt weiterhin stündlich der ICE aus Erfurt von und nach Frankfurt.

Nahverkehr: Regionalzüge müssen für schnelle Verbindungen Platz machen

Da die Fernverkehrszüge auf alten Strecken fahren, müssen die Regionalzüge Platz für den schnellen Verkehr machen. Das führt vom 24. April bis 16. Juli 2021 auch zu Veränderungen im Nahverkehr.

Änderungen in Nordhessen

Relativ groß sind die Auswirkungen auf den Schienenverkehr in Nordhessen. Viele Züge, die normalerweise in Kassel-Wilhelmshöhe* starten oder enden werden nach Kassel-Hauptbahnhof geführt.

RE 2/9 Erfurt/Halle-Kassel, RE 11/17 Düsseldorf/Hagen-Kassel, RB 4 Korbach-Kassel: Alle Züge dieser Linien werden von Kassel-Wilhelmshöhe nach Kassel-Hauptbahnhof umgeleitet; zwischen Hauptbahnhof und Wilhelmshöhe gibt es eine Anbindung durch Nahverkehrszüge.

RT 1 Hofgeismar-Kassel: Ausfall eines Zuges im Schulverkehr morgens, geringe Fahrzeitänderungen unter fünf Minuten;

RT 4 Wolfhagen-Kassel: Fahrzeitänderungen unter fünf Minuten;

RB 38/39 Treysa/Bad Wildungen-Kassel: Fahrzeitänderungen zum Teil mehr als 20 Minuten, Zusatzhalte;

RE 30/98 Frankfurt-Kassel: geringe Fahrzeitänderungen unter fünf Minuten;

RB/RE 5 Fulda/Bad Hersfeld-Kassel, RT 5 Melsungen-Kassel: geringe Fahrzeitveränderungen unter fünf Minuten.

Änderungen in Südniedersachsen

RB 83 (bisher RB 8) Göttingen-Kassel: zahlreiche Fahrzeitänderungen, zum Teil mehr als fünf Minuten;

RB 87 (bisher RB 7) Göttingen-Eschwege-Bad Hersfeld: zahlreiche Fahrzeitänderungen, zum Teil mehr als fünf Minuten;

RE 1 Göttingen-Erfurt: Zug beginnt beziehungsweise endet in Eichenberg. Dort Anschluss (zum Teil mit ICE) von/nach Göttingen. Weitere Infos gibt es unter anderem hier.

Weitere Informationen für Kunden

Alle Änderungen sind unter bahn.de beziehungsweise nvv.de sowie in der NVV-App hinterlegt. NVV-Servicetelefon: 0800/9 39 08 00 (kostenlos). Weitere Infos gibt es hier.

(Bernd Schlegel)*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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