Göttingen

Ideale Räume für Spitzenkunst: Kuratorin Ute Eskildsen über die Arbeit im neuen Kunsthaus

Eine Frau steht vor einer Wand, an der Fotografien aufgehängt sind
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Gehobene Foto-Kunst: Auf den grauen Wänden des neuen Göttinger Kunsthauses in der Düsteren Straße hat Kuratorin Ute Eskildsen die Werke der internationalen Top-Foto-Künstlern Roni Horn gehängt.

Mit dem neuen Kunsthaus wird Göttingen um eine Kulturattraktion reicher. Wir haben kurz vor der Einweihung mit Kuratorin Ute Eskildsen gesprochen.

Göttingen – Das neue Göttinger Kunsthaus wird am Freitag, 4 Juni, eingeweiht. Die renommierte Fotografin und Kuratorin Ute Eskildsen hat die erste Ausstellung mit Fotografien von Roni Horn vorbereitet. Wir sprachen mit Eskildsen über ihre Arbeit und warum sie gute Chancen für den Erfolg des Kunsthauses sieht.

Warum engagieren Sie sich so als ehrenamtliche Kuratorin für das Kunstquartier und das neue Kunsthaus in Göttingen?
Ich kenne Gerhard Steidl seit Langem. Er und die Organisatoren des Kunsthauses haben mich gefragt, ob ich beratend tätig sein könnte. So habe ich spontan zugesagt.
Was prädestiniert Sie, die national wie international große Ausstellungen kuratiert hat, denn besonders für die Beratung in Göttingen?
Ich habe in der Tat Erfahrungen in der Tätigkeit als Kuratorin – besonders im Folkwang in Essen. Dort konnte ich speziell Erfahrungen auch im Bau von Ausstellungsräumen sammeln. Einmal war ich involviert in die Sanierung und den Umbau des Altbaus als auch in den Neubau des Architekten Chipperfield. Ich war auch in die Planungen involviert.
Das ist in der Tat außergewöhnlich, dass Ausstellungsmacherinnen auch in den Bau von Galerien und Museen direkt einbezogen sind. Aber zurück nach Göttingen: Was reizt sie an diesem Projekt Kunstquartier und neues Kunsthaus?
Hier in Göttingen entsteht etwas Neues, ein neues, kleines, hoch modernes Kunsthaus. Ich kann von Beginn an dabei sein – inklusive Bau und Ausstellungskonzept. Das ist für mich sehr reizvoll.
Welche Rolle spielte der Kontakt zu Gerhard Steidl?
Eine starke. Ich kenne Gerhard Steidl sehr lange und Steidl hat hier in Göttingen viele wunderbare Kataloge für das Museum Folkwang produziert. Aber das hatte direkt ja nichts damit zu tun, ob mich die Stadtverwaltung offiziell fragt, als Kuratorin zu arbeiten – und ich habe auch den Vertrag 2016 von der Stadt Göttingen bekommen.
Wir arbeiten ja schon länger an dem Projekt Kunsthaus. Der Bau hat sich ja verzögert und auch durch die Corona-Pandemie gab es nun immer wieder Verzögerungen, was die Eröffnung anging. Am Freitag ist es nun endlich so weit.
Welche besonderen Möglichkeiten bieten sich aus Ihrer Sicht im und mit dem neugebauten Kunsthaus in Göttingen?
Die Lage im Zentrum der Altstadt angrenzend an das Günter-Grass-Archiv mit dem Innenhof und Jim-Dine-Pavillon ist hervorragend. Die drei fast gleich großen Ausstellungsräume bieten beste Bedingungen für Ausstellungen – es sind ideale architektonische Räume für ein Kunsterlebnis. Hier werden Arbeiten auf Papier und neue Medien präsentiert.
Das Göttinger Kunsthaus soll internationale Spitzenkunst zeigen. Darüber hinaus soll es ein offenes Haus werden, dafür sorgen pädagogische Konzepte, die Kooperation mit der Universität und die enge Zusammenarbeit mit Künstlern.
Frau Eskildsen, wie arbeiten Sie eigentlich als freie Kuratorin?
Zwischenzeitlich habe ich fünf Jahre lang für die Villa Madsen eine Fotoausstellung gemacht – in Rom. Ich bin freiberufliche Kuratorin, habe für die Jeau de Pomme gearbeitet, für das C/O Berlin. Kurzum: Ich habe immer zu tun. Nach Ende meiner Zeit in Folkwang habe ich aber reduziert. 2012 habe ich dort aufgehört.
Warum startet das Kunsthaus mit Roni Horn?
Roni Horns Werk ist prädestiniert für die Programmatik des Kunsthauses „works on paper“, also Arbeiten auf Papier. Wir zeigen Zeichnungen, Fotografien und Bücher.

Kunsthaus Göttingen: Zur Person Ute Eskildsen

Ute Eskildsen (74), ist gebürtig aus Itzehoe in Schleswig-Holstein. Sie studierte Fotografie und Fotografiegeschichte an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen. Sie arbeitet als freie Fotografin und Assistentin von Otto Steinert.

Geballte Kompetenz: Kunsthaus Kuratorin Ute Eskildsen und Kurator Joschua Chang.

Sie gründete 1973 mit Studenten eine Fotogalerie und organisierte Ausstellungen zeitgenössischer Fotografie. Ab 1979 baute Eskildsen als Kuratorin am Museum Folkwang eine fotografische Abteilung auf. 1991 wurde sie dort stellvertretende Direktorin und war es bis 2012.

Ausstellungen von ihr wurden hoch gelobt, wie die Robert-Frank-Retrospektive aus 2000. Sie arbeitet freiberuflich als Kuratorin, auch in Rom und Berlin. Die Bande zu Göttingen besteht über den Verleger, Drucker und ebenfalls als Ausstellungskurator arbeitenden Gerhard Steidl. In dem Verlag war sie auch verantwortlich für eine Reihe von Publikationen. (Thomas Kopietz)

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