Illegale Anbolika-Geschäfte: Zwei Angeklagte erhielten Freiheitsstrafen

Göttingen. Das Amtsgericht Göttingen hat am Dienstag eine 25-jährige pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in 117 Fällen zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Diese Strafe erhielt auch ein Mitangeklagter.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte an ihrem früheren Arbeitsplatz in einer Apotheke in Göttingen ohne Wissen ihres damaligen Arbeitgebers große Mengen an Anabolika und Wachstumshormonen bestellt und gestohlen hatte. Der Apotheke sei dadurch ein Schaden von über 130 000 Euro entstanden. Die Präparate habe sie ihrem mitangeklagten Freund überlassen, der diese dann in der Bodybuilder-Szene verkauft habe. Der 25-Jährige erhielt wegen Anstiftung zu den Diebstählen sowie Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ebenfalls eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren.

Das Gericht ging mit seinem Urteil über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die für die frühere Apothekenangestellte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren gefordert hatte. Da sie im Gegensatz zu ihrem Mitangeklagten bislang nicht straffällig geworden sei, sollte die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch, weil nicht nachgewiesen sei, dass die Angeklagten diese Taten begangen hätten.

Das Gericht hatte daran jedoch keinerlei Zweifel. Aus den Dienstplänen der Apotheke ergebe sich, dass nur die Angeklagte bei allen Bestellungen und Lieferungen Dienst gehabt habe. Die 25-Jährige sei mit hoher krimineller Energie vorgegangen und habe das Vertrauen ihres Arbeitgebers „massivst missbraucht“, sagte Richter Oliver Jitschin. Sie habe „wenig bis gar keine Skrupel“ gehabt, ihren Arbeitgeber zu schädigen. Der angerichtete Schaden sei so hoch gewesen, dass die Apotheke in eine finanzielle Schieflage geraten sei.

Chatprotokolle 

Aus von der Polizei ausgewerteten Chatprotokollen ergebe sich, dass der Mitangeklagte die Diebstähle veranlasst und die Mittel dann weiterverkauft habe. In den Chats sei es fast ausschließlich um Autos und Medikamente gegangen, die verkauft werden sollten. Die Angeklagten hätten gewerbsmäßig gehandelt, um sich einen gehobenen Lebensstandard zu finanzieren. Die Verteidiger wollen gegen das Urteil Berufung einlegen.

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