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Im Schülerlabor der Universität Göttingen gegen Lernrückstände durch die Pandemie

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Von: Thomas Kopietz

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Lernort: Das Geisteswissenschaftliches Schülerlabor der Universität Göttingen YLAB.
Lernort: Das Geisteswissenschaftliches Schülerlabor der Universität Göttingen YLAB liegt zentral – in der Nähe der Stadthalle in Göttingen. © Thomas Kopietz

Die Pandemie hat auch Lernrückstände bei Schulkindern zu Folge. Die Uni Göttingen bietet zusätzliche Kurse für Schüler an – auch in den Ferien.

Göttingen – Beim Aufarbeiten dieser helfen auch die Schülerlabore YLAB und BLAB der Universität Göttingen – sie bieten spezielle Kurse für Schülerinnen und Schüler an, die einen Rucksack mit Lernrückständen angesammelt haben und diesen erleichtern möchten – also aufholen wollen, in kleinen, effektiven Lerngruppen.

Die Kurse für die Jahrgänge fünf bis acht sollen dazu beitragen, Jugendliche in ihrer sozialen und persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Sie finden nachmittags, an Wochenenden und während der Ferien statt.

Geld für diese Kurse kommt auch aus Berlin: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gibt für die Kurse am geisteswissenschaftlichen Schülerlabor YLAB und am lebenswissenschaftlichen Schülerlabor BLAB insgesamt 180 000 Euro aus dem Programm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“. Im BLAB geht es um das Thema „Wissen sammeln, Nahrungsmittel entdecken, Natur erleben“.

Das YLAB bietet spanischsprachige Theaterprojekte und französische Simulationen an und richtet Leseclubs in Schulen ein. Die Kurse zeichnen sich durch ein intensives Betreuungsverhältnis aus: Kleine Gruppen von bis zu fünf Schülern werden von je ein bis zwei Studierenden betreut.

„Als universitäre Bildungseinrichtungen sehen wir uns in der Verantwortung, einen essentiellen Beitrag zur Bewältigung der pädagogischen Schäden der Pandemie zu leisten“, sagt YLAB-Leiter Dr. Gilbert Heß, der für das Hilfsprogramm der Schülerlabore verantwortlich ist.

„Zugleich ermöglicht uns das Programm, die Studierenden der Biologie, der Spanisch- und Französischdidaktik sowie der Germanistik durch spezielle Coachings für die Arbeit mit sozial- und förderbedürftigen Kindern, die bislang noch kaum zu unserer Klientel zählten, zu qualifizieren.“

Die Corona-Programme werden vom neu errichteten „Lernorte Netzwerk Südniedersachsen (LNSN)“ koordiniert, das in den Räumen des YLAB angesiedelt ist. Neben den Veranstaltungen von BLAB und YLAB koordiniert es auch die Förderprogramme des „Weißen Klassenzimmers Fürstenberg“ im Museum Schloss Fürstenberg.

Neben den Kursangeboten organisiert das Netzwerk LNSN eine Sommer- und eine Herbstschule, in denen die Hilfsprojekte zusammengeführt und schließlich auch präsentiert werden.

Das „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche für die Jahre 2021 und 2022“ des Bundes stellt zwei Milliarden Euro bereit. Mit fünf Millionen Euro werden 96 Schülerlabore und acht Schülerlabornetzwerke unterstützt. (Thomas Kopietz)

Expertin: Schüler sind keine Objekte der Bildung

Durchaus kritisch bewertet die Frankfurter Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen die aktuelle Situation in einer Stellungnahme. Finanzielle Mittel und konkrete Programme wie das Aufholpaket seien zwar wichtig. „Die Rede vom Aufholpaket suggeriert Jugendlichen aber: Ihr habt viel verloren und müsst jetzt viel aufholen, damit ihr später gut funktioniert“, kritisiert die Pädagogin.

„Das sind sehr problematische Botschaften“, sagt Andresen und warnt davor, dass Kinder und Jugendliche nach coronabedingten Schulausfällen und Lernrückständen vor allem als „Objekte der Bildung“ angesehen werden.

„Schülerinnen und Schüler fühlen sich nicht gehört und wünschen sich mehr Beteiligungsmöglichkeiten. Sie möchten, dass ihre Meinung respektiert wird.“ Viele junge Menschen treibe die Sorge um, dass ihr „Corona-Abitur“ weniger wert sein könnte, sagt Sabine Andresen. Lehrkräften gehe es ähnlich.

„Sie wollen, dass ihre Schüler nicht benachteiligt sind und erhöhen den Leistungsdruck.“ Hier sei die Politik in der Verantwortung, etwa indem sie den Unterrichtsstoff entschlacke oder andere Lernformen fördere. Eindeutig sei laut einer Befragung von 6.000 jungen Menschen durch die Uni Frankfurt und Uni Hildesheim, dass 57 Prozent Angst vor der Zukunft hätten. Die Pandemie habe Spuren hinterlassen, sagt Andresen.

Die Studie habe zudem gezeigt, dass die psychische Belastung junger Menschen gestiegen sei. Dies treffe vor allem auf Schüler zu, denen die Schule als Treffpunkt fehle, die weniger Möglichkeiten hätten, ihren Hobbys nachzugehen, oder die unter Geldsorgen litten. (tko mit epd)

Infos über das Göttinger Programm: ylab.uni-goettingen.de.

Infos zur Studie Forschungsverbund „Kindheit - Jugend - Familie in der Corona-Zeit: t1p.de.

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