Immer mehr Mini-Jobs im Landkreis

Politiker aus der Region diskutieren über die Zukunft der Arbeit in Südniedersachsen

Gesprächsrunde: Unter der Leitung des Politikwissenschaftlers Dr. Fritz Erich Anhelm (Mitte) diskutierten (von links) Dr. Gabriele Andretta (SPD), Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen), Fritz Güntzler (CDU), Dr. Lutz Knopek (FDP), Nils-Arne München (Piratenpartei) und Gerd Nier (Die Linke). Foto: Niesen
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Gesprächsrunde: Unter der Leitung des Politikwissenschaftlers Dr. Fritz Erich Anhelm (Mitte) diskutierten (von links) Dr. Gabriele Andretta (SPD), Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen), Fritz Güntzler (CDU), Dr. Lutz Knopek (FDP), Nils-Arne München (Piratenpartei) und Gerd Nier (Die Linke).

Göttingen. Wirtschaftsverbände beklagen den Mangel an Fachkräften, aber gleichwohl gibt es einen Sockel von 900.000 Langzeitarbeitslosen in Deutschland, davon knapp 5400 (Stand 2013) im Landkreis Göttingen.

15.000 Menschen allein im Landkreis Göttingen arbeiten in Minijobs und der Anteil der prekären Arbeitsverhältnissen mit Niedriglöhnen wächst, beklagten Pastorin Christiane Scheller und Joachim Kirchhelle in der St. Johanniskirche in Göttingen und verwiesen auf die schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen und ihre Angehörigen.

Anlass war eine Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl am 22. September mit sechs Politikern und Bundestagskandidaten der Region unter Leitung des Politikwissenschaftlers Dr. Fritz Erich Anhelm. Zu ihr hatte der Ausschuss für Wirtschaft und Soziales des Kirchenkreistages Göttingen unter der Überschrift „Die Zukunft der Arbeit“ eingeladen. Rund 150 Zuhörer waren dabei.

Fritz Güntzler (CDU) meinte, grundsätzlich würden genügend Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zur Verfügung gestellt, aber das System kranke an zu viel Bürokratie. Er forderte, dass ausländische Berufsabschlüsse anerkannt werden müssten.

Förderung nicht genutzt

Dass der Landkreis, die 1,3 Millionen der Arbeitsagentur für Fördermaßnahmen nicht genutzt habe, wie ein Vorwurf in der Diskussion lautete, bezeichnete er als Skandal. Er kündigte an, dem Fall über die Kreistagsfraktion seiner Partei nachzugehen.

Dr. Gabriele Andretta (SPD) forderte die Schaffung eines „sozialen Arbeitsmarktes“ als Antwort auf die Langzeitarbeitslosigkeit. „Der Markt wird es nicht richten, deshalb müssen Menschen in gemeinnützigen, sozialen Unternehmen beschäftigt werden.“

Dr. Lutz Knopek (FDP) warnte vor der „Illusion eines zweiten Arbeitsmarkts“. Er könnte zur Konkurrenz von kleinen und mittelständischen Unternehmen werden. Wegen des Fachkräftemangels müssten Unternehmen verstärkt auf ältere Arbeitnehmer zugehen.

Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen) warb für das dänische Modell mit einer intensiven Förderung bis hin zur Einzelbetreuung von Langzeitarbeitlosen, allerdings mit Grenzen. So müsse bei Jugendlichen ab 25 Schluss sein.

Gerd Nier (Die Linke) forderte eine andere Verteilung von Arbeit und den Rückgriff auf Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) sowie eine Umverteilung der Vermögen von oben nach unten.

Nils-Arne Münch (Piratenpartei) hält einen Perspektivwechsel hin zu einem staatlichen Grundeinkommen für notwendig.

Bei der Einführung eines Mindestlohns schieden sich die Geister vor allem am „Wie“. Die Bandbreite reichte dabei vom kompletten Raushalten des Staats (Knopek) bis zu einem staatlichen Grundeinkommen (Münch). (zhp)

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