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Immer mehr Vergiftungen durch Schwimmbad-Desinfektionsmittel

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Von: Christoph Papenheim

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Doppelspitze: Privatdozent Dr. Andreas Schaper (links) und Dr. Martin Ebbecke leiten das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen. Foto: nh
Doppelspitze: Privatdozent Dr. Andreas Schaper (links) und Dr. Martin Ebbecke leiten das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen. Foto: nh

Göttingen. Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen (GIZ-Nord) ist 2014 so oft wie nie zuvor in Anspruch genommen: 37.643 Anfragen zu Vergiftungen beantworteten die ärztlichen Berater, wie aus dem Jahresbericht des Zentrums hervorgeht, das zur Universitätsmedizin Göttingen gehört.

Der 24-Stunden-Service in Zusammenarbeit mit den Giftinformationszentren Erfurt und Freiburg wurde zu 58 Prozent von Bürgern und zu 42 Prozent von medizinischem Fachpersonal genutzt. Eine Beobachtung führt jetzt zu einem verbessertem Verbraucherschutz: Weil die Göttinger Berater über Jahre hinweg registrierten, dass die Zahl ernsthafter Vergiftungen mit Schwimmbad-Desinfektionsmitteln durch Einatmen zunimmt, schlug das Giftinformationszentrum bei den zuständigen Bundesbehörden Alarm. Jetzt sind verbesserte Verpackungen dieser Produkte in Planung.

Hauptaufgabe des GIZ-Nord ist die Beratung im akuten Vergiftungsfall. Mit seinem toxikologischen Labor bietet es umfassende Analytik im akuten Vergiftungsfall rund um die Uhr an. Der Jahresbericht analysiert detailliert die Vergiftungsursachen, die Altersgruppen der Betroffenen und die Schwere der Vergiftungen. Oft sind es Dinge aus dem täglichen Umfeld, die besonders für Kinder gefährlich werden können. Die größte Vergiftungsgefahr für Kinder geht von chemischen Produkten, Arzneimitteln und Pflanzen aus. Bei Erwachsenen überwiegen eindeutig Vergiftungen mit Arzneimitteln.

Das Fachwissen der Giftexperten ist national und international gefragt. In mehreren von der Europäischen Kommission geförderten Projekten befasst sich der Giftnotruf Göttingen mit der Gefahr, die von einer Chemikalienausbringung mit potentiell kriminellem oder terroristischem Hintergrund ausgeht.

Doppelspitze

Da der bisherige Leiter Dr. Herbert Desel Anfang 2015 zum renommierten Bundesinstitut für Risikobewertung nach Berlin wechselte, wo er für die nationalen Aspekte von Vergiftungen verantwortlich ist, hat das Giftinformationszentrum-Nord jetzt eine Doppelspitze, die von den langjährigen Stellvertretern Desels gebildet wird: Dr. Martin Ebbecke ist Internist und vertritt die Toxikologie national und international. Privatdozent Dr. Andreas Schaper ist Chirurg, Intensivmediziner und Klinischer Toxikologe. Er stärkt als neu berufenes Mitglied der Habilitationskommission an der UMG die wissenschaftliche Expertise des GIZ-Nord, das sich 2014 mit 51 Publikationen und 69 Vorträgen an der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Vergiftungen beteiligte. (p)

Giftinformationszentrum Nord Göttingen: Notruf 0551/19240, vorsorgliche Anfragen per Mail an anfragen@giz-nord.de, aktuelle Warnmeldungen auf www.giz-nord.de

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