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Immobilienunternehmen plant Modernisierung: Angst vor höheren Mieten

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Von: Bernd Schlegel

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Das Wohngebiet rund um die St.-Heinrich-Straße im Göttinger Ortsteil Grone: In diesem Bereich hat die Adler Real Estate AG zahlreiche Wohnungen. © Schlegel

Göttingen. Bei Mietern eines Wohnungsunternehmens im Göttinger Stadtteil Grone geht die Angst vor steigenden Mieten um. Das wurde bei einem Diskussionsabend deutlich.

Dazu hatte der Verein IN-Grone, Verein für Interkulturelle Nachbarschaft in Grone, in das Nachbarschaftszentrum eingeladen. Der Grund: Die Adler Real Estate AG, der etwa 1050 Wohnungen in dem Stadtteil gehören, will in die Modernisierung investieren.

Bislang liegen die Kaltmieten in den Mehrfamilienhäusern in der Regel noch bei etwa 5,50 Euro pro Quadratmeter. Doch das könnte sich deutlich erhöhen, wenn die Kosten für die Modernisierung umgelegt werden. Wie stark die Mieten am Ende steigen, das steht bislang noch nicht fest. Aber ein Vertreter des Unternehmens nannte eine Erhöhung um etwa zwei Euro als möglich. Auf eine 70-Quadratmeter-Wohnung bezogen würde dies eine Mehrbelastung von 140 Euro im Monat bedeuten. Bei einer Ortsratssitzung sagte kürzlich ein Adler-Vertreter, dass die Mieten auf alle Fälle bezahlbar bleiben sollen. Die Adler Real Estate will die Wohnungen aufwerten, zum Beispiel durch großzügigere Balkone, und energetisch sanieren.

„Wir möchten zu unseren Mieten wohnen bleiben“, sagte Bärbel Safieh von der Groner Bürgerinitiative Antifaschismus, die selbst Betroffene ist.

In den vergangenen Monaten bekamen viele Mieter schon eine erste Mieterhöhung. Auf Unverständnis stießen dabei die Angaben zu Vergleichsmieten. So tauchten darin Wohnungen auf, für die die Stadt Belegungsrechte erworben hatte. Außerdem hatte die Stadt sich an den Sanierungskosten beteiligt. „Die Wohnungen sind von der Qualität her nicht vergleichbar“, sagte Rechtsanwalt Cornelius Blessin vom Mieterverein Göttingen. Die nächste Geschichte, die negativ auffiel: Durch eine Berechnung der Miete pro Person bekommt Adler für eine mit fünf Personen belegte Wohnung 10,38 Euro pro Quadratmeter, heißt es.

Thomas Oesterreich vom Verein IN-Grone forderte, den sozialen Wohnungsbau in Göttingen zu stärken. Außerdem ist er der Meinung: „Wohnungen gehören nicht in Investorenhand.“ 

Mietpreise in dem Göttinger Stadtteil sind stark angestiegen

Die Entwicklung des Wohnungsmarktes in Grone nahm Dr. Michael Miessner, Geograph an der Uni Göttingen, genauer unter die Lupe. 

Die Ergebnisse seiner Untersuchungen: In diesem Stadtteil sind die Mieten in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Stadtteilen besonders stark gestiegen. Dazu hat er die Angebote, die zum Beispiel im Internet verfügbar sind, ausgewertet. Lag die Kaltmiete pro Quadratmeter 2013 in Grone noch bei etwa sechs Euro, so werden inzwischen fast neun Euro verlangt. Damit gleicht sich das ehemals günstige Grone immer mehr den anderen Stadtteilen an. 

Außerdem hat Dr. Miessner ein Geschäftsmodell bei der Vermietung an sozial Schwache, zum Beispiel Hartz-IV-Empfänger, ausgemacht. Dabei werden kleine Wohnungen vergleichsweise teuer vermietet. Dadurch ergeben sich inzwischen Quadratmeter-Kaltmieten von teilweise deutlich mehr als zehn Euro.

Northeimer Unternehmen wirbt um Mieter in Grone

Die Northeimer Wohnungsgesellschaft sucht mit Flyern, die zum Beispiel im Göttinger Stadtteil Grone ausliegen, gezielt nach neuen Mietern.

„Frisch saniert und sofort bezugsfertig“, wirbt das Unternehmen auf den Schreiben und verweist auf „hochwertige Ausstattungen zum kleinen Preis“ in den angebotenen Wohnungen. 

Prämien

Und: Wer sich bis zum 30. November für den Abschluss eines Mietvertrags entscheidet, darf auch noch auf eine Prämie hoffen. Der künftige Mieter der Northeimer Wohnungsgesellschaft darf zwischen einem 500-Euro-Gutschein von Amazon, einem Laptop im Wert von 500 Euro oder einem Reisegutschein über 500 Euro entscheiden. Für die Prämie muss der Mietvertrag abgeschlossen sein. Außerdem müssen die Kaution und die erste Miete eingegangen sein. 

Zudem wirbt das Unternehmen gezielt um Studenten als Mieter. „Nutzen Sie die optimalen Verkehrsanbindungen nach Göttingen: binnen 20 Minuten Autofahrtszeit erreichen Sie die Georg-August-Universität“, heißt es in dem Flyer. Außerdem verweist die Wohnungsgesellschaft auf die regelmäßigen Zug- und Busverbindungen.

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