Immobilienunternehmer vor Gericht: 76-Jähriger soll Vermögen verschwiegen haben

Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen: Hier wurde am Donnerstag gegen den Immobilienunternehmer verhandelt. Archivfoto: bsc

Göttingen. Knapp 20 Jahre nach dem spektakulären Zusammenbruch seines Firmenimperiums hat sich ein bekannter Göttinger Immobilienunternehmer am Donnerstag erneut vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den heute 76 Jahre alten Kaufmann wegen Bankrotts in drei Fällen angeklagt. Laut Anklage soll er in den Jahren 2005 bis 2008 Vermögenswerte in Höhe von knapp 240.000 Euro nicht an den Insolvenzverwalter abgeführt, sondern für sich selbst verbraucht und so dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben.

Da die Verfahrensbeteiligten gleich zu Beginn eine Verständigung erzielten, wurde es ein kurzer Prozess. Das Gericht stellte das Verfahren gegen eine Geldauflage vorläufig ein. Als Auflage muss der Angeklagte insgesamt 50.000 Euro an die Landeskasse sowie zwei Einrichtungen der Sozialarbeit zahlen.

Hintergrund der Anklage ist ein Insolvenzverfahren, das im Juni 2002 über das Vermögen des Immobilienunternehmers eröffnet worden war und bis heute nicht abgeschlossen ist. Laut Anklage soll der 76-Jährige, der in den 1990-er Jahren ein bundesweites Wohnungsimperium im Wert von fast 100 Millionen Mark hatte, dem Insolvenzverwalter erhebliche Vermögenswerte verschwiegen haben. Unter anderem seien zu seinen Gunsten Einzahlungen in Höhe von etwa 136.000 Euro auf einem zu einer Kreditkarte gehörenden Konto eingegangen. Der Angeklagte habe eigenmächtig über dieses Geld verfügt, obwohl er das Guthaben an den Insolvenzverwalter hätte abführen müssen.

Außerdem soll er ohne Kenntnis des Insolvenzverwalters als kaufmännischer Mitarbeiter bei einer Göttinger Hausverwaltung sowie bei seiner Ehefrau beschäftigt gewesen sei. Für diese Tätigkeiten habe er eine Nettovergütung von mehr als 100.000 Euro erhalten, die er für sich selbst verbraucht habe. Auch dieses Geld hätte nach Ansicht der Strafverfolger in die Insolvenzmasse einfließen müssen.

Zu Beginn des Prozesses regte Verteidiger Professor Steffen Stern eine Verständigung an. Das Verfahren sei bereits seit mehr als vier Jahren beim Gericht anhängig, diese Belastung sei seinem Mandanten nicht länger zumutbar. Das Gericht begründete die vorläufige Einstellung des Verfahrens unter anderem damit, dass der Angeklagte den Schaden inzwischen zurückgezahlt habe.

Die von ihm zu zahlende Geldauflage in Höhe von 50.000 Euro diene auch der Gewinnabschöpfung. (pid)

Mehrere Verfahren gegen den Göttinger Unternehmer

Gegen den Immobilienunternehmer hat es bereits mehrere Ermittlungsverfahren gegeben.

2005 verurteilte ihn das Landgericht Göttingen wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu einer Geldstrafe von rund 10.000 Euro. Der Kaufmann hatte bei einer Anhörung vor dem Konkursrichter unvollständige Angaben gemacht und verschwiegen, dass von den Kautionskonten der Mieter 1,5 Millionen Mark abgezweigt worden waren. Das Gericht hatte sich damals bei der Festsetzung der Höhe der Geldstrafe hauptsächlich an seiner monatlichen Rente orientiert. Es könne sein, dass der Angeklagte noch mehr Einkünfte habe, sagte der Vorsitzende Richter damals.

Das Gericht dürfe seinen Entscheidungen aber keine Ahnungen, sondern nur konkrete Anhaltspunkte zugrunde legen. Einige Zeit später fand die Staatsanwaltschaft dann konkrete Hinweise auf weitere Einkünfte. (pid)

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