Impfen und eigene Antikörper hemmen P.1 und B.1.351 weniger

Deutsches Primatenzentrum (DPZ): Corona-Mutanten trotzen den Antikörpern stärker

Grafik einer Tabelle, die mehrere Abbildungen von Variationen eines Virus zeigt, sogenannten Mutationen.
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Die Ergebnisse der Studie im Überblick: Die nach einer durchgemachten Infektion oder einer Impfung im Körper vorhandenen Antikörper schützen weniger gut gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2-Varianten. (Grafik)

Antikörper genesener oder geimpfter Covid-19-Erkrankter hemmen mutierte Viren schlechter. Diese Entdeckung hat das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) mit dem Uni-Klinikum Ulm gemacht.

Göttingen – Konkret wies ein Wissenschaftler-Team um Markus Hoffmann und Stefan Pöhlmann vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen und Jan Münch vom Uni-Klinikum Ulm nach, dass SARS-CoV-2 Varianten B.1.351 und P.1 nicht mehr durch einen Antikörper gehemmt werden, der für die Covid-19-Therapie eingesetzt wird.

Virus-Ausbreitung soweit wie möglich einschränken

Außerdem werden die Varianten weniger effektiv durch Antikörper von genesenen Patienten sowie von geimpften Personen gehemmt. Eine durchgemachte Erkrankung sowie eine Impfung könnten daher gegen diese Virus-Mutanten nur unvollständig schützen.

Zentale Forderung der Forscher ist deshalb: „Unsere Befunde machen deutlich, dass es wichtig ist, die Virus-Ausbreitung soweit wie möglich einzuschränken bis flächendeckend geimpft werden kann. Anderenfalls riskieren wir die Entstehung von neuen Varianten, die durch die gegenwärtig verfügbaren Impfstoffe nicht mehr wirksam bekämpft werden können“, sagt Studien-Erstautor Markus Hoffmann.

Dr. Markus Hoffmann, Infektionsbiologe.

Die Zeit, in der Impf- und Teststrategien nicht effektiv laufen, laufe für das Virus das inzwischen mehrfach mutiert ist – die Varianten B.1.1.7 aus Großbritannien, B.1.351 aus Südafrika und P.1 aus Brasilien breiten sich weiter weltweit rasch aus.

So werden Mutationen im Spike-Protein auf der Virusoberfläche gebildet. Das Spike-Protein ist auch die Andockstelle für die körpereigene Immunantwort. Antikörper, die als Antwort auf eine SARS-CoV-2-Infektion oder eine Impfung gebildet wurden, blockieren somit das Virus.

Britische Variante wird durch Antikörper wirksam gehemmt

„Dies macht uns Sorgen, da die schnelle Verbreitung von Virus-Varianten, die möglicherweise nicht mehr gut durch Antikörper erkannt werden, unsere aktuelle Impfstrategie untergraben könnte“, sagt der DPZ-Infektionsbiologe Stefan Pöhlmann.

Prof. Dr. Stefan Pöhlmann, Infektionsbiologe.

Zunächst das Positive der Studie über die Effektivität von Impfstoffen und Antikörpern: Hemmstoffe, die sich teilweise schon in klinischer Erprobung befinden, blockieren – wie beim Ursprungvirus – auch bei bestimmten mutierten Viren den Eintritt des Virus in die Zelle.

Die Variante B.1.1.7, die sich gegenwärtig rasant in Deutschland ausbreitet, wurde auch durch verschiedene Antikörper wirksam gehemmt, auch durch solche, die nach Impfung gebildet wurden.

Münch mahnt weiter zu den Corona-Impfungen

Aber: Im Gegensatz dazu war ein Antikörper, der für die Covid-19-Therapie eingesetzt wird, bei den Varianten B.1.351 und P.1 komplett wirkungslos. „Zudem wurden diese Varianten durch Antikörper von genesenen oder geimpften Personen weniger gut gehemmt“, so Münch.

Er mahnt wie alle Beteiligten zum Impfen: „Der Einsatz der verfügbaren Impfstoffe ist sinnvoll, eine zeitnahe Ausweitung der Impfungen in Deutschland wünschenswert. Es ist aber möglich, dass eine Impfung oder eine überstandene Covid-19-Infektion weniger gut vor den Varianten B.1.351 und P.1 schützt als vor dem Ursprungsvirus.“

Die Daten von klinischen Studien müssen zeigen, ob diese Befürchtung zutrifft. (Thomas Kopietz)

Corona-Viren: Schlüsselstelle Spike-Protein

SARS-CoV-2-Viren dringen in Lungenzellen ein, um sich dort vermehren. Damit das Virus in die Zellen gelangen kann, muss es sich zunächst an die Zelloberfläche anheften.

Dazu benötigt es das sogenannte Spike-Protein, das sich auf der Virushülle befindet. Gleichzeitig ist dieses Spike-Protein Angriffspunkt für Therapien und Impfstoffe, die darauf abzielen zu verhindern, dass sich das Virus im Körper vermehren kann.

Es ist also eine Schlüsselstelle zum Verhindern der Infektion und der Covid-19-Krankheitsysmptome. Eine beschränkte Wirkung von Wirkstoffen aus Impfungen und Antikörpern könnte also die Verbreitung der Viren weiter verstärken.

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