100 Impfberechtigte

Impfteam kommt in Flüchtlingsunterkünfte: Stadt Göttingen macht ein direktes Angebot zur Immunisierung vor Ort

Ein Männer mit Masken und in Einsatzkleidung sitzen an einem Tisch und klären einen weiteren Mann auf, der ebenfalls eine Maske trägt.
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Aufklärungsgespräch: Das mobilie Impfteam des Deutschen Roten Kreuzes kam mit zwei Ärzten in die Flüchtlingsunterkunft auf den Zietenterrassen.

Ein mobiles Impfteam der Stadt Göttingen fährt Flüchtlingsunterkünfte an, um die Impfberechtigten vor Ort dort zu impfen. Rund 50 Menschen bekamen nun ihre erste Impfung.

Göttingen – Ein Impfangebot hat die Stadt Göttingen Geflüchteten in den vier Gemeinschaftsunterkünften gemacht. Am 12. Mai spritzten Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes rund 50 Menschen auf den Zietenterrassen den Biontech-Wirkstoff.

„Ich bin ein wenig unsicher“, räumte Maxim Lapunka aus Kasachstan vor Verabreichung der Spritze ein. In seiner Heimat heiße es, dass nur der russische Impfstoff Sputnik gut und sicher sei. Er habe sich aus Angst vor einer Ansteckung trotzdem für die Impfung entschieden.

„Ich will geimpft werden, mit was ist mir egal“, erklärte dagegen Walter Marin aus Kolumbien. Seit Wochen frage er bei der Leitung der Gemeinschaftseinrichtung an, wann er an der Reihe sei.

Impfen in Gemeinschaftsunterkunft: „Stellen seit März Liste mit Impfwilligen zusammen“

„Wir stellen seit März die Liste mit den Namen der Impfwilligen zusammen“, sagte Bettina Briesemeister, die die Einrichtung leitet. Viele wollten, wie Marin, möglichst schnell ihre Dosis erhalten.

Bei den Muslimen habe es anfangs Bedenken gegeben, ob sie während des Fastenmonats Ramadan tagsüber ein Medikament zu sich nehmen dürften. Das sei von den islamischen Rechtsgelehrten bejaht worden.

Eine Geflüchtete habe das Impfangebot mit der Begründung abgelehnt, dass sie nicht erkranken werde – sie habe bereits so viele Probleme. Andere Zögernde hätten am Ende mitgemacht, um nicht bei einem Positiv-Test drei Wochen lang mit den vier anderen Bewohnern ihres 63 Quadratmeter großen Appartements in Quarantäne sitzen zu müssen.

Impfen in Gemeinschaftsunterkunft: 100 Impfberechtigte, 47 Anmeldungen

Bekam von Rettungsassistentin Ricarda Jung seine erste Dosis mit dem Biontech-Wirkstoff: Maxim Lapunka aus Kasachstan.

„Von den knapp 100 Impfberechtigten der Unterkunft haben sich 47 angemeldet“, sagte Briesemeister. Insgesamt seien derzeit 125 von 180 Plätzen belegt. Einige Bewohner wurden bereits vom Hausarzt geimpft. Einzelne hätten in den vergangenen sechs Monaten eine Covid-19-Infektion überstanden.

Das mobile Impfteam war mit zwei Ärzten vor Ort. Aufgrund der Sprachbarriere dauerten die Aufklärungsgespräche länger. „Wir decken mit unseren Mitarbeitern die Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch sowie Arabisch, Farsi und Paschtu ab“, sagte Einrichtungsleiterin Briesemeister.

Bei einer Vietnamesin, die nur ihre Muttersprache beherrscht, zog sich das Aufklärungsgepräch – unter Nutzung von Telefon und Tablet – mehrere Stunden hin. Das Impfen selbst dauerte keine Minute.

Impfen in Gemeinschaftsunterkunft: Impfung auch im Impfzentrum möglich

Rettungsassistentin Ricarda Jung, die sonst im DRK-Rettungswagen unterwegs ist, setzte die Spritzen routiniert. „Sollte jemand den Wirkstoff nicht vertragen, haben wir den Notfallkoffer, Sauerstoff und Defibrillator griffbereit“, erklärte sie.

Lob zollte Dr. Michael Bonder, der Geschäftsführer von Bonveno, dem Träger der Einrichtung, den Geflüchteten. Diese hielten sich diszipliniert an die Hygieneauflagen. Die Geflüchteten können sich auch im Impfzentrum der Stadt auf der Siekhöhe impfen lassen, stellte Dominik Kimyon, der städtische Pressesprecher, klar. (Michael Caspar)

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