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Feuerwehr baut Betten auf – Siekhöhe in Göttingen wird Zufluchtsort für Geflüchtete

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Von: Stefan Rampfel

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Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren bauen in einem Raum Betten auf.
Die Vorbereitungen haben begonnen: Im ehemaligen Impfzentrum auf der Siekhöhe sollen künftig Geflüchtete aus der Ukraine einen vorübergehenden Zufluchtsort finden. Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren bauten Betten auf. © Stefan Rampfel

Am Donnerstagabend (10.03.2022) haben Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren eine dreistellige Zahl an Betten im Impfzentrum auf der Siekhöhe aufgebaut.

Göttingen – Die rund 70 Einsatzkräfte kamen aus den Ortsfeuerwehren Grone, Weende, Geismar, Stadtmitte, Herberhausen und Holtensen. Die Betten sind für aus der Ukraine kommende Geflüchtete.

„Wir werden eine zentrale Erstunterkunft einrichten, in der die Menschen nach der anstrengenden Flucht aus der Ukraine zur Ruhe kommen, sich sortieren und dann in regulären Wohnraum wechseln können“, sagt Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt.

Dafür werde jetzt die Immobilie auf der Siekhöhe, die bislang als Impfstützpunkt genutzt wurde, als Einrichtung vorbereitet. „Wir rechnen damit, dass weitere Hallen ins Auge gefasst werden müssen.“

Entsprechende Vorbereitungen laufen auf der Siekhöhe bereits: Zunächst wird der Impfstützpunkt ausziehen und in das Gebäude der ehemaligen Post am Bahnhof einziehen. Parallel wird die Infrastruktur auf der Siekhöhe hochgefahren. Neben dem Aufstellen der Betten durch die Freiwilligen Feuerwehren werde alles für die Schutzsuchenden vorbereitet, damit die ersten Geflüchteten bald aufgenommen werden könne, so Broistedt.

Zwei Männer tragen eine Matratze.
Die Einsatzkräfte bauten eine dreistellige Anzahl an Betten im Impfzentrum auf der Siekhöhe auf. © Stefan Rampfel

Stadtbrandmeister Holger Lehrum sagt: „Wir wollen vorbereitet sein, wenn schlagartig viele Flüchtlinge aus der Ukraine auch nach Göttingen kommen.“ Oberbürgermeisterin Petra Broistedt hat zudem einen Einsatzstab „Göttingen hilft“ gebildet, der sich um Geflüchtete aus der Ukraine kümmert, der am Mittwoch erstmals getagt hat.

Mitglieder sind Fachleute der Stadtverwaltung aus verschiedenen städtischen Einheiten wie den Fachbereichen Soziales und Ordnung, dem Gesundheitsamt, der Schulverwaltung, der Berufsfeuerwehr, dem Jugendamt und der Bauverwaltung.

Zu den vorrangigen Aufgaben des Stabs gehört es, die Geflüchteten mit Unterkünften zu versorgen, das Engagement der Bevölkerung zu stärken und zu koordinieren und das Ankommen in der Stadt und in der Stadtgesellschaft bestmöglich zu gestalten. „Wir erwarten einen deutlichen Zustrom von Ukrainerinnen und Ukrainern, die in Göttingen Zuflucht suchen“, sagte Oberbürgermeisterin Petra Broistedt.

Der Einsatzstab unter Federführung des Sozialdezernats soll dabei fortwährend die Lage beobachten, frühzeitig notwendige Handlungsbedarfe erkennen und Empfehlungen für deren Umsetzung erarbeiten. „Die Göttingerinnen und Göttinger öffnen ihre Herzen und Türen für Menschen in Not. Das ist wirklich berührend und ich bin stolz, Oberbürgermeisterin dieser Stadt sein zu dürfen“, betont Broistedt. Dennoch berge die aktuelle Situation viele Herausforderungen, die es in kurzer Zeit anzugehen gelte.

Die Frage der Unterbringung von Geflüchteten ist in Göttingen von ganz elementarer Bedeutung. Dies auch deshalb, weil es im Vergleich zur Situation in 2015/2016 bislang keine zentrale Zuweisung der Menschen auf die einzelnen Kommunen gibt. Die meisten Geflüchteten erreichen Göttingen bislang durch privat organisierte Transporte.

Sie müssen dann, wenn sie nicht bei Familienangehörigen oder Freunden unterkommen, kurzfristig mit dem Nötigsten ausgestattet werden. „Bislang haben wir 162 Angebote erhalten und konnten für einige Geflüchtete bereits Wohnraum vermitteln.

Weitere Angebote sind sehr willkommen.“ Auch Hotels in Göttingen bieten ein, zwei Nächte an, bis eine adäquate Unterkunft gefunden wird. An alle, die über freien Wohnraum verfügen, appelliert die Oberbürgermeisterin, sich bei der Stadt zu melden und diesen Wohnraum anzubieten.

Dennoch: Die Zahl der in Göttingen ankommenden Menschen wird in den nächsten Tagen und Wochen stark steigen. Andere Städte in Niedersachsen machen diese Erfahrung bereits. Je länger der Krieg in der Ukraine andauere, desto länger werden die Geflüchteten in Göttingen bleiben.

Broistedt: „Sie werden hier leben und arbeiten, ihre Kinder werden hier zur Schule gehen. Je eher wir dafür die notwendigen Weichen stellen, desto besser wird ihre Integration in die Gesellschaft gelingen.“ Deshalb gehöre es auch zu den vorrangigen Zielen, die Integration in Sprache, Schule und Arbeit von Beginn an zu fördern. „Vor allem für die Phase des Ankommens suchen wir aktuell Patinnen und Paten, ebenso Übersetzerinnen und Übersetzer.

Für die nächsten Tage besteht im Jugendamt rund um die Uhr und auch am Wochenende eine Rufbereitschaft, etwa, wenn unbegleitete Minderjährige in Göttingen ankommen. Wer ihnen einen Platz anbieten möchte, findet auf der Webseite der Jugendhilfe Südniedersachsen die passenden Informationen.

Die Ausländerbehörde und die Sozialverwaltung haben im Foyer des Neuen Rathauses einen Service für die Erstberatung aufgebaut, um über Leistungsanträge zu beraten und sie entgegenzunehmen. Kurzfristig sollen auch Meldeangelegenheiten direkt bei der Erstberatung vorgenommen werden können.

Die Stadt bietet auf ihrer Webseite unter goe.de/ukraine alle relevanten Informationen für Geflüchtete, Helfer und andere Institutionen, etwa zu Leistungsoptionen, zu Spenden und Hilfsangeboten, zu Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen oder zur Corona-Lage. (Stefan Rampfel)

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