Für Mitarbeiter von Feuerwehren und Rettungsdiensten

In Göttingen bekommen Einsatzkräfte jetzt Hilfe nach belastenden Situationen

(von links) Kreisrätin Marlies Dornieden, Karsten Beuermann, Jens Borchers und Erster Stadtrat Christian Schmetz. Die lila Weste ist Erkennungszeichen der Helfer.
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Offizieller Start der Unterstützung für Einsatzkräfte: (von links) Kreisrätin Marlies Dornieden, Karsten Beuermann, Jens Borchers und Erster Stadtrat Christian Schmetz. Die lila Weste ist Erkennungszeichen der Helfer.

Die Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) unterstützt Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst in Göttingen bei der Bewältigung besonderer Situationen.

Göttingen – Die Einsatzkräfte sind häufig Ausnahmesituationen ausgesetzt. Was sie sehen und erleben ist mitunter extrem belastend. Um sie bei der Bewältigung dieser besonderen Situationen zu unterstützen, gibt es ab sofort in Stadt und Landkreis Göttingen die sogenannte Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E).

Bereits in den vergangenen sechs Monaten wurde die Hilfe von einzelnen Mitgliedern des aus 14 Kräften bestehenden Teams fünfmal in Anspruch genommen, so beim Kranunfall in Esebeck im Juni, bei dem ein Arbeiter getötet wurde, bei einem schweren Verkehrsunfall in Renshausen, wo ein Autofahrer verstarb, oder bei der Bedrohung eines Rettungsdienstmitarbeiters.

Meist sind es Großschadensereignisse beziehungsweise Einsätze mit getöteten Personen oder mit Kindern, die für die Aktiven belastend sind.

Reaktionen auf Ausnahmesituationen kommen oft erst Tage später

Ist der Einsatz beendet, ist er für einige Feuerwehrkräfte noch lange im Kopf präsent. Es sind die Unvorhersehbarkeit eines solchen Ereignisses sowie die Eindrücke vor Ort, die auch erfahrene und langjährige Einsatzkräfte danach intensiv beschäftigen können.

Und es sind allesamt Ausnahmesituationen, die im Nachhinein, oftmals erst Tage später, zu unterschiedlichen Reaktionen führen können: Während der Aktive eine gereizt ist, klagt der andere über Konzentrations- oder Schlafstörungen mit Albträumen. Nicht selten kommen auch Schuldgefühle und Selbstzweifel auf.

„Oftmals ist den betroffenen Feuerwehrkameraden schon geholfen, wenn man da ist und einfach nur zuhört“, sagt Berufsfeuerwehrmann Jens Borchers, einer der Leiter des neuen Teams. So umfasst das Angebot Einzel- und Gruppengespräche, präventiv werden auch Fortbildungen angeboten. Für die Zukunft sind Begleitungen im Einsatz geplant, als sogenanntes Kriseninterventionsteam.

„Wir bieten keine Psychotherapie, können aber geeignete therapeutische Hilfe vermitteln“, ergänzt Karsten Beuermann, Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Dransfeld und ebenfalls einer der Leiter des neuen PSNV-E-Teams.

Ergänzung zum aktuellen Angebot

Das Angebot sei als Ergänzung zu den bereits bestehenden Strukturen zu sehen, die seit langer Zeit gut laufen, zum Beispiel mit Notfallseelsorgern aus dem kirchlichen Bereich, wie Kreisrätin Marlies Dornieden betont.

Seit vielen Jahren hat sich auch Berufsfeuerwehrmann Dirk Behrens-Dostal als „Einzelkämpfer“ um das Thema PSNV-E gekümmert. Er ist jedoch nun in den Ruhestand gegangen. (Stefan Rampfel)

Neues Notfallteam in der Region Göttingen hat 14 Mitglieder

Das Team der Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) besteht aus 14 Mitgliedern der Berufs- sowie der Freiwilligen Feuerwehren aus Stadt und Landkreis Göttingen. Es steht rund um die Uhr für Betroffene von Feuerwehren und Rettungsdiensten zur Verfügung.

Die erfahrenen Feuerwehrleute begegnen ihren hilfesuchenden Kollegen dabei auf Augenhöhe. Die Teammitglieder haben zuvor mehrere Module eines Lehrgangs besucht, um sich für diese spezielle Aufgabe vorzubereiten.

In Stadt und Landkreis Göttingen gibt es mehr als 160 Feuerwehren mit rund 5500 Einsatzkräften, die meisten davon ehrenamtlich. Bei der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) wird den Rettern im Bereich der Be- und Verarbeitung von Notfällen geholfen.

Für andere Personen mit akuten psychosozialen Problemen, also Patienten, Angehörige, Hinterbliebene, Augenzeugen und Ersthelfer, stehen weiterhin die Notfallseelsorger zur Verfügung.

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