24 Meter über der Ostsee

In luftiger Höhe: Göttinger Mageba-Monteure tauschten Lager auf der Fehmarnsundbrücke aus

Zu sehen ist eine Aufnahme von einem Ponton der Fehmarnsundbrücke in 24 Meter Höhe.
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Obermonteur Swen Fischer bei Arbeiten an der Fehmarnsundbrücke: Ein Teleskopstapler hob die zwei Tonnen schweren Lager von einem Ponton in 24 Meter Höhe.

Zwei tonnenschwere Lager der 1963 fertiggestellten Fehmarnsundbrücke, die Hamburg mit Kopenhagen verbindet, haben Mitarbeiter der Göttinger Firma Mageba ausgetauscht.

Göttingen – Bauingenieure hatten bei der Hauptprüfung, der Brücken alle sechs Jahre unterzogen werden, Mängel entdeckt. „Solche Lager befinden sich zwischen den Brückenpfeilern und der Fahrbahn“, erläutert Stefan Adam, der das Unternehmen gemeinsam mit Michael Schmidberger führt.

Die Lager nehmen Längsbewegungen der bis zu 2500 Tonnen schweren Fahrbahn auf. Zu ihnen kommt es aufgrund von Temperaturschwankungen oder durch das Beschleunigen und Bremsen der Fahrzeuge. Die Lager gleichen zudem die Kippbewegungen aus, wenn eine Seite der Brücke stärker belastet wird als die andere.

„Der Kautschuk der ausgetauschten Lager war nach Jahrzehnten der Nutzung ermüdet“, erläutert Adam. Bei den neuen, in Ungarn gefertigten Lagern erfolgen die Gleitbewegungen auf gefettetem Edelstahl, was die Haltbarkeit deutlich verlängert.

Zeigt ein kleines Edelstahl-Lager: Mageba-Deutschland-Geschäftsführer Stefan Adam vor dem Firmensitz Im Rinschenrott 3a.

Die Lager müssen jedoch nach außen hin dicht verschlossen sein, anderenfalls würde eindringender Dreck die glatten Oberflächen in Schmirgelpapier verwandeln. Die Funktionsfähigkeit ließe nach. „Der Austausch ist aufwändig und viel teurer als die Lager selbst“, führt Mageba-Mitarbeiter Peter Piebrock aus.

Die beiden neuen Lager der Fehmarnsundbrücke, die die Mageba im Auftrag des Eigentümers, der Deutschen Bahn, ersetzte, kosteten zusammen 50.000 Euro. Die ganze Operation schlug mit 750.000 Euro zu Buche. Allein das Einschiffen des 20 mal 30 Meter großen Pontons unterhalb der Brücke kostete 200.000 Euro. Ein Schleppkahn transportierte die Ponton-Teile vom Hamburger Hafen die Elbe hinauf bis zur Ostssee.

Arbeiter bauten sie vor Ort zu einer Plattform zusammen. Sie befestigten sie mit Stelzen in 20 Meter Tiefe am Meeresgrund, sodass der Wellengang sowie der Tidenbub von einem guten halben Meter keine Schäden verursachten.

Auf dem Ponton wurden alle nötigen Dinge deponiert, darunter ein Teleskopstapler. Er hob die beiden Lager 24 Meter in die Höhe. Vier Hydraulikpressen hoben die Fahrbahn zehn Zentimeter in die Höhe. Stahlkäfige nahmen das Gewicht auf. So konnten die drei Mageba-Obermonteure unter Leitung von Bauingenieur Rene Solf die alten Lager aus- und die neuen Lager einbauen.

„Arbeiten wie bei der Fehmarnsundbrücke stehen überall in Deutschland an“, sagt der Geschäftsführer. Ein Achtel der 40.000 deutschen Fernstraßenbrücken seien aufgrund des gestiegenen Schwerlastverkehrs, aber auch wegen unterbliebener Instandhaltungsmaßnahmen, in einem nicht ausreichenden oder gar ungenügenden Zustand.

Deshalb gebe es auf Brücken so häufig Fahrbahn-Sperrungen, Tempobeschränkungen und Auflagen für Lkw. (Michael Caspar)

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