Waffen, Motorräder und Drogen beschlagnahmt

Innenministerium verbietet Göttinger Hells Angels - Durchsuchungen in Adelebsen

Göttingen/Adelebsen. Aus für die Hells Angels in der Gemeinde Adelebsen bei Göttingen: Das niedersächsische Innenministerium hat am Freitag die Göttinger Gruppe der Rocker mit sofortiger Wirkung verboten. Das bestätigte eine Sprecherin des Innenministeriums am Freitag auf HNA-Anfrage.

Erstmals ist damit in Niedersachsen ein Rockerclub verboten worden. Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der versuchten Erpressung, unter anderem gegen den Anführer des Clubs, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt. Die Polizei hat laut Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius aber auch Erkenntnisse über Straftaten anderer Hells-Angels-Mitglieder.

Die Göttinger Rocker-Gruppierung, die ihren Vereinssitz in der Gemeinde Adelebsen hat, erhielt am Freitag einen entsprechenden Entscheid. Die Verfügung ging an die Vertreter der Hells Angels.

Am Freitagvormittag hat die Polizei  Clubräume in Adelebsen und Wohnungen von Mitgliedern der Hells Angels im Raum Göttingen durchsucht. Etwa 330 Polizisten durchsuchten die 16 Objekte. Im Adelebser Ortsteil Güntersen hatten sich mehrmals führende Mitglieder der Gruppierung getroffen.

Aktualisiert um 14.50 Uhr.

Bei den Durchsuchungen hat die Polizei umfangreiches Material beschlagnahmt. Darunter sind fünf Harley-Davidson-Maschinen, Messer, Schlagringe, Dekowaffen und Kutten, aber auch Drogen, Computer, Handys, Laptops und USB-Sticks. Das sagte Landespolizeipräsident Uwe Binias am Freitagmittag in Hannover. Binias sagte, erstmals sei es gelungen, Straftaten nicht nur einzelnen Mitgliedern, sondern konkret einem Verein der Hells Angels nachzuweisen. Festnahmen gab es bei den Durchsuchungen im Raum Göttingen, Braunschweig und Hannover nicht.

Fotos von der Razzia

Razzia bei den Hells Angels

Am Freitagmittag kam eine Reaktion von der Adelebser Gemeindeverwaltung zu der Razzia bei den Hells Angels im Ort: Die Gemeinde Adelebsen hat vorab nichts von der Polizeiaktion gewusst. „Nachdem wir davon erfahren haben, hat sich unsere Ordnungsamtsleiterin ein Bild von der Situation machen wollen. Aber auch wir haben keine näheren Informationen erhalten“, sagt Gerald Wucherpfennig, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Grundsätzlich begrüßt die Gemeinde das Verbot der Hells Angels. „Das bringt Ruhe in den Dörfern. Die Präsenz der Hells Angels hat bei uns für Verunsicherung gesorgt.“

Ein Adelebser, der seit zehn Jahren in dem Ort wohnt, begrüßte das Verbot der Hells Angels. Man müsse darüber im Klaren sein, dass die Gruppierung mit schweren Straftaten in Verbindung steht. Deshalb zählt aus seiner Sicht auch nicht das Argument, dass die Hells Angels „nette Nachbarn“ sind, sagte der Mann, der ungenannt bleiben will. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Hells Angels in Adelebsen weitgehend unter sich bleiben und in der Öffentlichkeit so gut wie nicht präsent sind.

Hier sehen Sie die Pressemitteilung des Niedersächsischen Innenministeriums über den Verbot der Göttinger Hells Angels im Original.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt das Verbot der Hells Angels: „Rockerbanden darf keinerlei Spielraum für ihre Aktivitäten gelassen werden. Das Verbot ist die richtige Entscheidung auch für die Menschen, die dort leben“, sagt Landesvorsitzende Dietmar Schilff. Nachdem im Sommer bereits das Tragen von Kennzeichen der meisten großen Rockerklubs untersagt worden war, sei dies ein weiterer wichtiger Schritt. „Die Linie gegen die organisierte Kriminalität von Rockergruppierungen wird damit konsequent fortgesetzt, weil es sich eben nicht um harmlose Motorradfreunde handelt“, sagte Schilff weiter, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP ist.

Der Landkreis Göttingen begrüßt das Verbot der Hells Angels in Göttingen. „Das ist eine gute Nachricht für Adelebsen, Güntersen und den ganzen Landkreis Göttingen“, macht Landrat Bernhard Reuter deutlich. Er freut sich über das entschlossene Handeln des Innenministers und der Polizei. „Das ist die Unterstützung, die wir brauchen, um den Güntersern und den Adelebsern den Rücken zu stärken“, so Reuter.

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Zustimmende Reaktionen kommen auch von den Göttinger Grünen sowie vom Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin.

Innenminister Pistorius berichtete am Freitagvormittag in einer Ansprache im Landtag über die Entwicklung. Für ihn ist klar: Die Hells Angels sind eine von sieben „Outlaw Motorcycle Gangs“ (OMCG), die mit organisierter Kriminalität oder anderer schwerer Verbrechen in Verbindung gebracht werden. Das sagte er bereits Anfang des Monats.

Vor einigen Wochen war der Polizei ein Schlag gegen die Hells Angels gelungen. Mehrere Mitglieder des Rockerclubs wurden Ende September von Spezialkräften des Polizeipräsidiums Nordhessen im Landkreis Kassel und Südniedersachsen festgenommen. Ein Mann aus Lippoldsberg soll Opfer der Rocker gewesen sein.

Bisher hatte es in Niedersachsen noch kein Verbot eines Rockerclubs gegeben. Die Hells Angels in Hannover mit ihrem derzeit in Spanien in Untersuchungshaft einsitzenden früheren Chef Frank Hanebuth hatten sich 2012 selbst aufgelöst - auch unter dem Eindruck einer Polizei-Razzia in Hanebuths Anwesen bei Hannover, bei der sich GSG9-Spezialkräfte von einem Hubschrauber abgeseilt hatten.(bsc/dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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