Göttingen: Innovation bei schnellen Tests

Ministerium unterstützt Verbund in Göttingen mit 200.000 Euro

Erstellen in den kommenden sieben Monaten ein Konzept für den Schnelltest-Verbund: (von links) Dimitrios Theodoridis, Stephan Sander und Hainer Wackerbarth.
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Erstellen in den kommenden sieben Monaten ein Konzept für den Schnelltest-Verbund: (von links) Dimitrios Theodoridis, Stephan Sander und Hainer Wackerbarth.

Bei Schnelltests, vor allem für Drogen, will die Region Südniedersachsen Innovationsführer werden. Das hat sich der Verbund Südniedersachsen Point of Care Cluster (SniPoCC) als Ziel gesetzt.

  • 200.000 Euro bekommt SniPoCC vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
  • Bis zu zehn Millionen Euro könnten von Berlin nach Südniedersachsen fließen
  • Verpackungsstoffe aus Bambus oder Hanf könnten Kunststoffe ersetzen und den Schnelltest umweltfreundlicher machen

Göttingen – Unter den 13 beteiligten Firmen und wissenschaftlichen Einrichtungen ist auch die Hahnemühle aus Relligehausen.

Drogentest in Göttingen: 200.000 Euro bekommt SniPoCC vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung

200.000 Euro erhält SniPoCC von September an vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Die Südniedersachsen haben sich unter 53 Verbünden durchgesetzt, die sich um Mittel aus dem Förderprogramm Regionale unternehmerische Bündnisse für Innovation (Rubin) beworben haben.

In den kommenden sieben Monate erstellen die Partner aus Human-, Veterinär- und Gerichtsmedizin sowie aus der Umwelt- und Gefahrstoffanalytik ein Konzept mit konkreten Projekten.

Drogentest in Göttingen: Bis zu zehn Millionen Euro könnten von Berlin nach Südniedersachsen fließen

Die Koordination liegt bei Dr. Dimitrios Theodoridis. Dem Mitarbeiter der Firma nal von minden, einem Spezialisten unter anderem für Drogenschnelltests, stehen der Initiator des Projekts, Dr. Hainer Wackerbarth vom Laser-Laboratorium Göttingen (LLG), sowie Stephan Sander, der Geschäftsführerder Firma Fassisi, zur Seite.

Sollten die Südniedersachsen zu den zehn besten Bewerbern gehören, bekommen sie Geld für die Umsetzung der Projekte. Bis zu zehn Millionen Euro könnten dann in den folgenden drei Jahren aus Berlin nach Südniedersachsen fließen.

Drogentest in Göttingen: Schnelltests für Tatorte vertreibt die Firma Seratec

„In Göttingen gibt es eine Reihe von Firmen, die Schnelltests entwickeln“, berichtet Theodoridis. „Fassisi ist ein Spezialist für Schnelltests, mit denen sich Tierkrankheiten feststellen lassen“, sagt Geschäftsführer Sander. Schnelltests, die an Tatorten zum Einsatz kommen, vertreibt die Firma Seratec. Das Unternehmen Miprolab hat Schnelltests zum Nachweis biologischer Kampfstoffe auf den Markt gebracht.

„Wir wollen unser technologisches Know-how bündeln und durch Zusammenarbeit mit Zulieferern und wissenschaftlichen Einrichtungen verbessern“, erläutert Leiter Theodoridis den Ansatz. Alleine könnten sie die damit verbundenen technischen und finanziellen Risiken nicht stemmen.

Drogentest in Göttingen: Hahnemühle bringt ihr Wissen zur Herstellung hochreiner, saugfähiger Papiere mit konstanter Leistung ein

„Durch die Zusammenarbeit verbessern wir jeweils auf unserem Feld die Wettbewerbsfähigkeit“, hofft Sander. Das sichere Arbeitsplätze, helfe, neue zu schaffen, und erleichtere durch die Aufwertung der Region das Anwerben von Fachkräften.

Die Hahnemühle bringt ihr Fachwissen zur Herstellung hochreiner, saugfähiger Papiere mit konstanter Leistung ein. „Aus ihm werden die Teststreifen gefertigt“, berichtet der für die Lebenswissenschaften zuständige Produktmanager, Horst Rosenbauer.

Drogentest in Göttingen: Verpackungsstoffe aus Bambus oder Hanf könnten Kunststoffe ersetzen und den Schnelltest umweltfreundlicher machen

Das Unternehmen, das 140 seiner weltweit 190 Mitarbeiter in Relliehausen beschäftigt, ist zudem auf Tintenstrahldruck spezialisiert, mit dem sich Nachweischemikalien auf Teststreifen aufbringen lassen.

Außerdem befasst sich die Firma mit Verpackungsstoffen etwa aus Bambus oder Hanf. Sie könnten Kunststoffe ersetzen und so den Schnelltest umweltfreundlicher machen. (Michael Caspar)

Verbundprojekt: Verbesserungen bei Methodik, Produktion und Nachhaltigkeit

Die Verbundpartner des Südniedersachsen Point of Care Clusters (SniPoCC) haben verschiedene Felder benannt, auf denen sie besser werden wollen.

Im Bereich der Methodik ist mit Hilfe des Laser-Laboratoriums die verstärkte Nutzung photonischen Verfahren und der Nanotechnologie geplant. Der Göttinger Zulieferer Abberior soll sein Fachwissen über Fluoresenzfarbstoffe einbringen, die Göttinger Firma IBA ihr Wissen über Nachweis-Proteine. Das LLG und die Kaufunger IT-Firma Castalytics wollen die Digitalisierung vorantreiben. So lässt sich die Datenerfassung automatisieren. Bei der Auswertung gilt es, verstärkt Künstliche Intelligenz zu nutzen.

Um Automatisierung geht es in der Produktion. „Wir wollen mehr in Deutschland fertigen als bisher, um unsere Abhängigkeit von Asien zu verringern“, erläutert Theodoridis. Mit dem Göttinger Zulieferer Sartorius wollen die Partner nach besseren Membranen suchen. Der Verbund setzt auf mehr Nachhaltigkeit. So sollen die Indikatoren künftig zugleich als Tinte dienen. Das LLG und die Braunschweiger Firma FiSens helfen, die Ausleseverfahren durch Reader zu verbessern.

Die Universitätsmedizin und die Veterinärmediziner der Universität Göttingen testen die neuen Produkte am Ende in der Praxis. Um das Management des Bündnisses kümmert sich die Göttinger Netzwerkspezialist innos.

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