Neues Konzept der Uni Göttingen

Institut für Demokratieforschung: Studierende sehen tollen Lehrort in Gefahr

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Repräsentatives Gebäude: In der ehemaligen „Villa Stich“ am zentralen Uni Campus hat das Institut für Demokratieforschung seinen Sitz.

Göttingen. Das Institut für Demokratieforschung (IfD) soll weitergeführt, die vakante Professur neu besetzt werden, aber das Institut eine Neuausrichtung erhalten. Die IfD-Beschäftigten sind beunruhigt.

Sie waren nun zu einem Gespräch geladen mit Uni-Präsidium und Sozialwissenschaften-Dekanin. Darin ging es eben auch um die Neuausrichtung, über die wir bereits berichteten. Die Uni betont, dass in dem Berufungsverfahren für die Nachfolgeprofessur des bereits im September 2017 ausgeschiedenen, Politikwissenschaftlers Prof. Franz Walter darauf geachtet wird, „dass das jetzige Profil des Instituts grundsätzlich erhalten bleibt“.

Neues Konzept kommt

Von der Einrichtung einer Humboldt-Professur ist in der Pressemitteilung keine Rede mehr. Wohl aber davon, dass ein neues Konzept für die Arbeit des IfD entwickelt wird – dafür sollen der neue Professor, die kommissarische Leitung Dr. Stine Marg, die Sozialwissenschaften-Dekanin Prof. Karin Kurz und die Uni-Präsidentin Prof. Ulrike Beisiegel verantwortlich zeichnen. Letztere möchte das kreative Chaos im IfD geordnet sehen, wie zu hören ist.

Beschäftige beunruhigt

Die Beschäftigten aber sind nach dieser Information durch die Uni-Leitung weiter beunruhigt. Eine Neuausrichtung würde weiterhin die an Themen gebundene Tätigkeiten und Stellen bedrohen, war aus Mitarbeiterkreisen zu hören. Das bestehende Verbot seitens der Uni-Leitung, neue Forschungsprojekte anzunehmen und zu beantragen führe dazu, dass Kontakte wegbrechen. Die Befürchtung: Die Zuwender werden sich neue Partner suchen.

Studenten: Lehrort gefährdet

Zudem sei dann ein einzigartiger Lehr- und Lernort in Gefahr, wie Studierende des Schwerpunktes „Demokratie und gesellschaftliche Konflikte“ schreiben. Sie betonen, dass dort – im Gegensatz zu anderen Studienschwerpunkten – die Seminare vorwiegend aktuelle, realpolitische Themen behandeln, was wiederum dazu führt, dass die Absolventen oft gute Berufschancen hätten, nicht nur im wissenschaftlichen, sondern auch im publizistischen Bereich.

Der von den Studierendenvertretern als „toll“ bezeichnete Schwerpunkt sei so beliebt, dass während des Studiums viele Studierende in diesen wechseln, vor allem um ihre Masterarbeiten zu schreiben. All das müsse die Uni beachten. Eine Neuausrichtung des IfD, so ist auch zu hören, gefährde auch die über Aufträge eingenommen Drittmittel.

Ausrichtung beibehalten

Die Mitarbeiter, von denen viele weiter ein inhaltliches und personelles Ausbluten des IfD befürchten, erhalten Unterstützung aus der Politik. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler hat beim Wissenschaftsminister Björn Thümler in Hannover für die Förderung und den Fortbestand des Institutes in seiner jetzigen Ausrichtung geworben.

Für die SPD spannt sich Stadtverbandsvorsitzender Christoph Lehmann vor den Karren. Das Institut habe sich einen „hervorragenden Ruf“ erarbeitet. „In einer Zeit der Umbrüche in der Parteienlandschaft und Demokratie brauchen wir dringend Forschung, die hilft, die sich uns hier stellenden dringenden Fragen zu beantworten.“

SPD: Mitarbeiter behalten

Lehmann: Vorherige Landesregierungen hätten die Kompetenz erkannt und mit hohen finanziellem Zuschuss unterstützt. Stellvertreter Cornelius Schley ergänzt: „Die Koalitionsregierung aus SPD und CDU sollte sich daran erinnern und die Uni-Leitung bewegen, die Ausrichtung des Institutes nicht zu verändern“. Die aktuelle Forschung müsse fortgeführt, die Mitarbeiter müssten weiterbeschäftigt werden.

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