Jugendliche machen Oper

Internationale Händelfestspiele in Göttingen: Barock trifft Arabisch

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Action auf der Bühne des Jungen Theaters: Der Musikalischer Leiter Hans Kaul (links), die Jugendlichen auf der Bühne und Choreografin Birgit Götz (rechts im Stehen) proben für „Beyond Doubt: Lotario“. Das Jugendopernprojekt mit Musik von Händel hat bei den Internationalen Händelfestspiele Premiere.

Göttingen. Jedes Jahr wird Göttingen und die Umgebung Spielstätte für die Internationalen Händelfestspiele – und jedes Jahr steht eine Händel-Oper im Zentrum, dieses Mal „Lotario“.

Ende zweiter Akt. „Die anderen Matildes kommen hinzu“, ruft die Regisseurin auf die Bühne und winkt vier Mädchen nach vorne. Am Klavier spielt Hans Kaul die Musik von Georg Friedrich Händel. Plötzlich arabischer Gesang zur Klaviermusik. Einer der jungen Darsteller sitzt an der Rampe und singt. In seiner Heimatsprache.

Die Truppe ist Mitten in den Endproben zu „Beyond Doubt: Lotario“. Das ist nicht nur eine Oper von Händel, sondern auch das Jugendopernprojekt der Internationalen Händelfestspiele, die im Mai Händels Barockmusik nach Göttingen bringen. Es gehört zum Jugendprogramm Händel 4 Kids.

Für das Projekt arbeitet Regisseurin Nina de la Chevallerie nicht mit professionellen Darstellern, sondern mit 40 Jugendlichen – von der IGS Bovenden, dem Hainberg-Gymnasium in Göttingen und einem Interkulturellen Orchester der Musa. Mit dabei sind auch geflüchtete Jugendliche vom boat people projekt, das seit 2009 Theaterproduktionen mit Geflüchteten macht.

Einer von ihnen ist Arif Ullah. Er singt ein Solo auf Paschtu, seiner Muttersprache. „Ich singe zum ersten Mal hier“, sagt er in gebrochenem Deutsch.

80 Prozent der jungen Geflüchteten, die Nina de la Chevallerie in ihrem Team hat, droht die Abschiebung, sagt sie auf der Pressekonferenz vor den Proben. „Das ist auch etwas, was uns sehr beschäftigt“. Weltpolitik im Microkosmos.

Für das Stück holen Regisseurin und Musikalischer Leiter den Inhalt in die heutige Welt, Händels barocke Musik kreuzen sie mit Liedern aus den Heimatländern der ausländischen Jugendlichen, zum Beispiel aus Syrien oder Kurdistan. Allerdings ohne, dass dadurch Brüche entstehen. „Es war schwer, das in einen Guss zu bekommen“, sagt Hans Kaul, „wir haben ganz schön getüftelt“.

In dem Lied auf der Bühne singt Arif Ullah übersetzt: „Ich will in meinem Heimatland Blumen pflanzen.“ Es ist ein sehr altes Lied, sagt er. Und: „Ich liebe mein Heimatland, aber dort muss ich kämpfen.“

Gekämpft wird auch in dem fast 300 Jahre alten Stück von Händel. Nachdem der König gestorben ist, will Berengario die Krone Italiens an sich reisen. Deshalb soll sein Sohn die verwitwete Königin Adelaide heiraten. Doch die ruft den deutschen König Lotario zu Hilfe und der Machtkampf beginnt.

Eine der mehrfach besetzten Königin Adelaide ist Schülerin Carla Becker. Auch für sie geht es in dem Stück um Kämpfe und wie man damit umgeht. „Es wird thematisiert, wie unnötig Krieg ist“, sagt sie. Einen Bezug zu Konzerten und Oper hatte sie vorher schon. „Ich singe sehr gern und finde die Mischung aus allen Ländern sehr schön.“

Auch die Regisseurin erzählt begeistert von Proben, in denen deutsche Jugendliche ausländischen Begriffe wie Ehrbarkeit oder Rache erklären.

Das Projekt wird gefördert von der Klosterkammer Hannover, der AKB Stiftung und dem Deutschen Bühnenverein.

Infos: 
  • Händelfestspiele vom 11. bis 28. Mai in verschiedenen Spielstätten in Göttingen und Region
  • Händel 4 Kids! : Kinder- und Jugendprogramm mit Kinder-Uni und Familientag
  • „Beyond Doubt: Lotario“: Jugendopernprojekt, Premiere 6. Mai, 18 Uhr, Junges Theater

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