Experte im Interview, Veranstaltung am Donnerstag

Warum sich alle mit Cybermobbing beschäftigen sollten

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Verzweiflung: Kinder und Jugendliche werden auch in sozialen Netzwerken beleidigt, bloßgestellt und schlimmstenfalls zum Selbstmord getrieben.

Göttingen. Cybermobbing ist das Thema einer öffentlichen Veranstaltung von Literarischem Zentrum und Hainberg-Gymnasium am Donnerstag ab 19 Uhr.

Zu Gast ist dann auch Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender vom Bündnis gegen Cybermobbing. Wir haben mit ihm gesprochen.

Warum sollten sich Schüler, Eltern und Lehrer mit dem Thema Cybermobbing beschäftigen?

Uwe Leest: Nachdem sich in jüngster Zeit die Selbstmorde aufgrund von Cybermobbing sowohl im europäischen als auch im internationalen Raum gehäuft haben, ist die Wichtigkeit des Themas auf auf der politischen und journalistischen Agenda angekommen. Die Studie des Bündnisses für Cybermobbing zeigt aber, dass viele Lehrer, aber auch Eltern sich immer noch unzureichend informiert fühlen, wenn es um neue Medien allgemein oder Cybermobbing speziell geht.

Ist das Bloßstellen anderer in der Öffentlichkeit ein jüngeres Phänomen, und welche Formen gibt es?

Leest: Früher und auch heute wurden und werden Kinder wie Jugendliche in der Schule gehänselt und ausgegrenzt. Schulmaterialien werden geklaut, versteckt oder beschädigt. Eine neue Tragweite hat das Mobbing durch das Verwenden neuer Medien erfahren. Heutige Formen sind auch: Handy-Mobbing, Ausschluss aus sozialen Netzwerken und Internet-Mobbing. Cybermobbing ist folglich Mobbing mittels elektronischer Kommunikationsmedien in Form von Beleidigungen, Bedrohungen, Bloßstellen oder Belästigen. Kennzeichnend ist, dass eine gezielte Schädigungsabsicht besteht und dass das Opfer über einen längeren Zeitraum angegriffen, in eine unterlegene Position gedrängt wird. Das bestehende Machtungleichgewicht zwischen Täter und Opfer ist symptomatisch für das Cyber-Mobbing.

Was macht Cyber-Mobbing so gefährlich? 

Leest: Das Mobbing im Internet ist viel skurriler. Dort werden Bilder ins Netz gestellt, sie zeigen Jugendliche in peinlichen Situationen. So werden auch Nacktfotos von Jugendlichen beim Umziehen gemacht und anschließend in sozialen Netzwerken verbreitet. Dazu kommt, dass Beschimpfungen und Beleidigungen im Internet viel, viel krasser sind als im normalen Leben. Im Netz sind die Jugendlichen meist anonym unterwegs. Da kann man sagen, was man sonst nie sagen würde. Die Menschen sind enthemmter.

Wie kann man sich vor Cybermobbing schützen? 

Leest: Grundsätzlich gilt, sich vorsichtig im Internet zu bewegen, so wenig Daten wie möglich preisgeben. Dazu so wenig Fotos und Filme wie möglich verbreiten, sich vorsichtig äußern. Grundsätzlich sollte man auch die Sicherheitseinstellungen beachten. Kinder und Jugendliche sollten auf keinen Fall auf Mobbing-Mails antworten, immer Rat einholen, Beweise sichern und gegebenenfalls die Polizei einschalten. Vor allem gilt aber: Andere mit Respekt behandeln, so, wie man selbst behandelt werden möchte.

Von Thomas Kopietz

Zur Person

Der Diplom-Ingenieur Uwe Leest ist Vorstandsvorsitzender des Vereins Bündnis gegen Cybermobbing mit Sitz in Karsruhe (Baden-Würtemberg). Das „Bündnis gegen Cybermobbing“wurde im Juli 2011 gegründet. Es setzt sich aus Menschen zusammen, die persönlich von der Thematik betroffen sind, sei es beruflich oder privat und die gegen Cybermobbing und Gewalt im Netz angehen wollen. Das Bündnis ist ein Netzwerk von engagierten Eltern, Pädagogen, Juristen, Medizinern, Forschern und vielen mehr. Unterstützt wird es von Prominenten aus Politik, Sport und Medien aus dem In- und Ausland. (tko)

• Reihe „Literatur macht Schule“, Diskussion zum Cybermobbing: Donnerstag, 15. Januar, 19 Uhr, Hainberg-Gymnasium. Mit dabei: Uwe Leest, Vorsitzender des „Bündnis gegen Cybermobbing“, Agnes Hammer, Autorin („Ich blogg dich weg“) sowie die Schülerin Johanna Eckes und die Polizeioberkommissarin und Beauftragte für Jugendsachen Jacqueline Emmermann. Moderation: Carolin Hoffrogge; Eintritt: 5 und 9 Euro.

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