Lesung aus "Der kleine Prinz" im Alten Rathaus

Interview mit August Zirner: "Musik ist wie Sprache"

Der Schauspieler und Musiker spielt auf seiner Querflöte: August Zirner liest am Sonntagabend im Alten Rathaus in Göttingen den Klassiker „Der kleine Prinz“. Foto: dpa

Göttingen. Er ist ein gefragter Schauspieler und leidenschaftlicher Musiker. Mit seiner musikalischen Lesung „Der kleine Prinz“, der berühmte Klassiker von Antoine de Saint-Exupéry, tritt August Zirner am Sonntag, 9. August, ab 20 Uhr im Alten Rathaus in Göttingen auf.

Begleitet wird er vom Bassist Kai Struwe.

Die HNA führte mit dem Schauspieler in einer Drehpause der ZDF-Verfilmung „Obendrüber die Sonne“ ein Interview und fragte ihn, was sich hinter der musikalischen Inszenierung verbirgt.

Herr Zirner, Sie sind ein begehrter Schauspieler und haben schon in vielen Filmen mitgespielt. Wieso zieht es sie auf die kleinere Bühne, wo sie zum Erzähler und Musiker werden? 

August Zirner: Als Schauspieler stehe ich öfters auf verschiedenen Bühnen. Ich mag den Wechsel - weg von den Kameras und direkt vors Publikum. Es fordert mich und entspricht meinem etwas komplizierten, nach Vielfalt strebenden Wesen.

Das Märchen „Der kleine Prinz“ kennen viele noch aus ihrer Kindheit. Wieso haben sie sich für einen solchen Klassiker entschieden?

Zirner: Vor einem Jahr habe ich das Hörbuch aufgenommen und der Verlag fragte nach Zwischenmusik. Kleine Musikstücke, die zu den einzelnen Passagen überleiten, vielleicht etwas Renaissancehaftes. Ich hatte die Idee, Musik mit Flöte und Kontrabass zu machen, und sagte dem Verlag, „Ich kenne einen wunderbaren Kontrabassisten namens Kai Struwe“ und zusammen begannen wir die Musik zu komponieren.

Ließ sich der Text gut mit der Musik verbinden? 

Zirner: Wir haben die komponierten Musikstücke ausgedehnt und haben die Musik aus dem Text heraus geschrieben. In der Lesung ist der Text verkürzt und die moralisch, schwer wirkenden Stellen fallen weg. Nun überlassen wir es der Musik, die moralischen Botschaften dem Zuhörer zu überbringen.

Wieso ist Musik so wichtig? 

Zirner: Musik ist wie Sprache und Sprache ist wie Musik. Musik ist die Sprache des Herzens und auf diese Weise kann das Märchen besser wirken. Es wird verständlicher. Musik und Sprache verbinden sich miteinander, werden eine Einheit und können direkt zum Herzen der Zuhörer vordringen. Text und Musik werden zu einem Paar, so wie Mann und Frau. Sie ergänzen sich gegenseitig und machen vieles einfach viel deutlicher und verständlicher.

Haben Sie eine Lieblingsstelle in dem Märchen? 

Zirner: Die Stelle mit dem Fuchs gefällt mir sehr gut. Wenn der Fuchs fleht „Bitte ... zähme mich“ - und durch das Zähmen macht man sich miteinander vertraut. Ich finde, dass die Bedeutung des Wortes Zähmen in Vergessenheit geraten ist. Zu viele denken sofort daran, sich jemanden gefügig zu machen, dabei bedeutet es doch sich vertraut machen. Man kann Vertrauen zu etwas fassen, völlig egal ob es ein Tier, Gegenstand oder eine Gegend ist. Sich mit etwas oder jemanden vertraut machen, kann im besten Fall zu Liebe werden.

Karten für die Lesung gibt es in der Tourist-Information im Alten Rathaus in Göttingen. Die Abendkasse öffnet am Sonntag um 19.30 Uhr. Der Eintritt beträgt 17 Euro (ermäßigt 14).

Zur Person

August Zirner (59) kam als Kind österreichischer Emigranten im amerikanischen Bundesstaat Illinois zur Welt. Er wollte Schauspieler werden und seine Eltern schickten ihn zum Studium nach Österreich. Seit 1975 spielt er in über 130 Kino- und Fernsehfilmen. Zirner, der auch Querflöte und Saxophon spielt, arbeitet regelmäßig mit dem Jazztrio „Das Spardosen-Terzett“ zusammen. Im Februar erscheint das Hörbuch „Der kleine Prinz“, bei dem er zusammen mit Kai Struwe die Musik komponiert und aufgenommen hat. Im Herbst steht er für den Kinofilm „Was uns nicht umbringt“ unter der Regie von Sandra Nettelbeck vor der Kamera und reist für die Arte-Produktion „Travels with Charlie“ durch Amerika.

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