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„Frauen sind die Vielschichtigeren“: Meyer-Burckhardt im Interview über sein neues Buch, Männer und Frauen

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Von: Thomas Kopietz

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Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt (66)
Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt (66) erzählt im Interview, warum er in seinen Talkshows lieber mit Frauen spricht. © NDR/JumpMedienTv/Markus Wendler

Moderator und Filmproduzent Hubertus Meyer-Burckhardt stellt beim Göttinger Literaturherbst sein neues Buch vor. Im Interview erklärt er, warum Frauen vielschichtiger sind.

Göttingen – Er wird stets gerne ausschließlich als „NDR-Talkshow-Moderator“ bezeichnet. Dabei macht der gebürtige Kasseler Hubertus Meyer-Burckhardt viel mehr: Er produziert Filme, berät in der Film- und Fernsehbranche und macht einen Podcast.

So ist ihm wichtig, zu sagen: „Ich bin nicht hauptberuflich Moderator“, aber wissend, dass er die Berufsbezeichnung NDR-Moderator nie ganz loswird: „Barbara Schöneberger hat gesagt: Wenn Du die NDR-Talkshow moderierst, kannst Du daneben den Physik-Nobelpreis gewinnen, es interessiert keinen. Die fragen Dich immer nach der NDR-Talkshow.“

Interview: Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt über sein neues Buch, Männer und Frauen

Das erzählte Meyer-Burckhardt in einem Gespräch mit der HNA in Göttingen. Er wird am 2. November 2022 beim Göttinger Literaturherbst in Bad Gandersheim lesen. Es gibt noch On-Air-Tickets.

Sie haben für Ihr neues Buch mit „10 Frauen“ gesprochen. Reden Sie nicht so gerne mit Männern?

Für einen Podcast, den der NDR mit mir plante, wollte ich nur mit Frauen sprechen, das habe ich dem damaligen Hörfunk-Programmdirektor Jochen Knuth, der jetzt Intendant ist, vorgeschlagen. So ging das ganze los. Daraus wurde „Meyer-Burckhardts Frauengeschichten“ und die 100 Podcast-Gespräche waren der Fundus für meine Bücher „Frauengeschichten – Was ich von starken Frauen gelernt habe“ und „10 Frauen“, das neu auf dem Markt ist.

Sprechen Sie also generell lieber mit Frauen?

Sie mögen es vielleicht aus Ihrem Freundeskreis auch so empfinden und bestätigen: Mein Eindruck ist, dass Männer sich immer mehr über die Funktion definieren und Frauen sich über die Person. Wenn drei Männer in der Kneipe zusammensitzen, reden sie über Job, Job und Job, vielleicht über Fußball – aber immer über Themen, die funktional sind. Drei Frauen im Café reden über Beziehungen, Beziehungen und Beziehungen. Das meine ich nicht ironisch, sondern das ist eben so. Bei vielen Männern hat man das Gefühl, wenn ich die Funktion durchdrungen habe, dann kommt da eine interessante Person – aber teilweise auch nicht. Nicht jedes stille Wasser ist auch tief. (lacht) Ich unterhalte mich einfach gerne und lieber mit Frauen.

Gibt es dafür noch andere Gründe?

Ich bin mit einer tollen Mutter und Großmutter groß geworden – und mit einem Vater, über den ich nicht bereit bin, zu reden, weil er einfach kein guter Vater war.

Was unterscheidet Gespräche mit Männern noch von Gesprächen mit Frauen?

Spannend ist auch: Ab einem gewissen Alter werden Frauen einfach anarchischer, Männer werden bedeutungsschwanger. Sie erzählen mir ab einem gewissen Alter permanent, wie bekannt, wie bedeutend, wie berühmt sie gewesen sind. Auf so eine Idee kommt eine Frau nie, das ist mein Eindruck. Insofern glaube ich, sind Männer auch die einfacheren, man kann auch sagen, die simpleren Mentalitäten. Frauen sind eben die Vielschichtigeren.

Was natürlich das besondere Interesse des Fragenden weckt.

Richtig. Das ist ein anderer Kosmos, ein anderes Territorium, man kann fast sagen: eine andere Welt. Deswegen finden wir uns ja auch immer wieder einander anziehend. Weil das Andere, das uns Unbekannte, doch faszinierend ist.

Das erste Buch handelt von starken Frauen. Suchen sie diese besonders?

Das Wort starke Frauen war eine Erfindung des Verlages. Eigentlich kann ich den Begriff starke Frauen nicht mehr hören, weil er suggeriert, dass die meisten Frauen schwach sind. Nein, ich definiere Erfolg so, da sehe ich mich auch eher im Einklang mit Frauen als mit Männern, dass ich das Leben führe, was ich führen möchte, gemäß meiner Begabung und meiner Sehnsüchte – eben nicht, dass ich das Stöckchen zurückbringe, dass ein anderer wirft, wie ein braver Hund. Viele Männer fühlen sich doch sehr wohl in Hierarchien, akzeptieren diese schnell, finden darin ihren Erfolg. Ich war in vielen Unternehmen wie Springer, ProSieben oder Polyphon und hatte immer wieder den Eindruck, die wahrhaft spannenden Impulse kommen von Frauen, weil sie unkonventioneller denken.

Kommt das auch in den Gesprächen mit den berühmten Frauen heraus?

Ja, das würde ich mit Nachdruck sagen. Das sind alles Frauen, die sich durchgesetzt haben, mit ihrer Person. Sie finden keine Frau, die Mitglied eines Vorstandes, eines Aufsichtsrates oder Museumsdirektorin ist. Mich haben ausnahmslos Frauen interessiert, die es ob ihrer Person, nicht über eine Funktion zu etwas gebracht haben.

Haben Sie auch Gespräche mit Frauen gesucht, von denen sie einfach angetan waren – kraft Person, Ausstrahlung und Schönheit?

Im Mittelpunkt der Lesung beim Literaturherbst werden stehen – mit Anekdoten: Elke Heidenreich und Ina Müller sowie Marianne Sägebrecht. Diese drei Frauen, so unterschiedlich sie auch sind, haben mich wirklich fasziniert. Mit Sägebrecht habe ich einen sehr schönen Film fürs ZDF gemacht, ein Fernsehspiel. Die Beziehung zwischen Elke Heidenreich und mir kann man mittlerweile als Freundschaft bezeichnen. Mit Ina Müller habe ich vor zwei Jahren zwei Improvisationsshows im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg gemacht. Die meisten Frauen, die ich zu meinen Gesprächen treffe, kenne ich aus einer beruflichen Beziehung. Eine Ausnahme ist Natalie Amiri, die habe ich vorher nicht gekannt. Manche lerne ich in den Gesprächen auch ganz neu kennen. Auch das ist schön. Toll ist auch diese Bandbreite von der Gehirnforscherin bis zu Helene Fischer.

Auf wen können wir uns demnächst freuen?

Ich habe jetzt Claudia Michaelsen aufgenommen, nächste Woche Niko Kazal. Sie ist die Zarin im Udo-Lindenberg-Panik-Kosmos. Sie hat nun ein Parfüm herausgebracht. Kurz davor sprach ich mit Natalie Amiri, die als Berichterstatterin und Journalistin so viel über Frauen im Iran weiß. Diese Bandbreite ist das Schöne.

Das erweitert stetig Ihren Horizont.

Absolut.

Das ist bei Ihnen zu spüren – ob in den Gesprächen, der NDR-Talk-Show oder auch der wunderbaren DDR-Transit-Doku. Dahinter steckt viel Herzblut, oder?

Na klar!

Die Veranstaltung mit Hubertus Meyer-Burckhardt in Bad Gandersheim ist ausverkauft. Wer online dabei sein möchte, kann das für fast alle Literaturherbst-Lesungen geltende On-Air-Ticket für einmalig 22 Euro kaufen. Programm und Karten für weitere Veranstaltungen finden Sie hier. (Thomas Kopietz)

Zur Person

Hubertus Meyer-Burckhardt (66), geboren in Kassel, machte dort am Friedrichsgymnasium das Abitur, studierte Geschichte und Philosophie in Berlin und Hamburg, war Regieassistent unter anderem am Thalia-Theater, besuchte die Hochschule für Fernsehen und Film in München, arbeitete auch in einer Werbeagentur, gründete eine Filmgesellschaft, war Vorstand der Springer AG, Aufsichtsrat bei ProSieben/Sat1 und produzierte Filme, auch fürs ZDF und den NDR. Er moderiert die N3-Talk-Show, berät Medienschaffende und ist Autor. Meyer-Burckhardt ist verheiratet und hat zwei Kinder. (tko)

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