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Interview: Intendant George Petrou über die Oper „Giulio Cesare in Egitto“ der Händel-Festspiele

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Von: Eva Krämer

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George-Petrou, Intendant und künstlerischer Leiter der Internationalen Händel-Festspiele
George-Petrou, Intendant und künstlerischer Leiter der Internationalen Händel-Festspiele © Ilias-Sakala/Händel-Festspiele

„Am Ende ist es am wichtigsten, dass das Publikum und die Händel-Liebhaber zufrieden sind“ sagt, George Petrou, Intendant und künstlerischer Leiter der Händel-Festspiele. Am 13. Mai feiert die Oper „Giulio Cesare in Egitto“ Premiere bei den diesjährigen Festspielen.

Göttingen – Er zählt größten Händel- und Barock-Spezialisten und ist in Opernhäusern in ganz Europa zu Gast – seit diesem Jahr ist George Petrou der Dirigent und künstlerischer Leiter der Internationalen Händel-Festspiele. Er inszeniert „Giulio Cesare in Egitto“, das zentrale Stück der Festspiele. „Die Oper ist bunt und aufregend“, sagt Petrou.

Eine Szene aus „Giulio Cesare in Egitto“ der Internationalen Händel-Festspiele.
Die Händel-Oper „Giulio Cesare in Egitto“ ist das zentrale Stück der diesjährigen Händel-Festspiele. © Marco Borggreve

Nach zwei Jahren Pandemie können die Festspiele endlich wieder vor einem großen Publikum stattfinden. Was ist das Besondere an den diesjährigen Festspielen?

Wir kehren zurück zur Normalität - 100 Prozent der Sitze sind wieder verfügbar. Nach 10 Jahre unter Laurence Cummings hatten wir eine große Veränderung bei uns im Team. Ein neues Team bringt immer neue Ideen und eine neue Ästhetik. Die Spiele werden ganz anders werden, als die Jahre zuvor. Ich bin sehr gespannt, wie die Festspiele vom Publikum und den Händel-Liebhabern wahrgenommen werden.

„Neue Horizonte“ ist der Titel der Festspiele. Was bedeutet er?

Der Titel ist etwas, was auf mich, Jochen Schäfsmeier, den Geschäftsführer und das neue Team zutrifft. „Neue Horizonte“ beschreibt unsere Reise für die nächsten fünf Jahre um mehr wundervolle Händel-Produktionen nach Göttingen zu bringen.

Seit 100 Jahren finden die Händel-Festspiele in Göttingen statt. Was ist hier anders, als in anderen Städten?

Göttingen ist wirklich eine schöne Stadt. Es ist ein herrlicher Ort, um solch ein Festival auszurichten, dort wo alles angefangen hat. Als Oskar Hagen die Oper „Rodelinda“ inszenierte, war die Musik von Händel eigentlich schon fast vergessen. Das war eine Art Wiedergeburt von Händels-Musik. Heute gehört er zu den größten Komponisten der Welt, wie Vivaldi, Mozart oder Verdi.

„Giulio Cesare in Egitto“ ist ein Wanderstück und wurde bereits in den Niederlanden aufgeführt. Was ist nun anders?

Das gleiche Team wie in den Niederlanden kommt jetzt auch nach Göttingen. In den Niederlanden wurde die Oper sehr gut angenommen. Wir haben das Bühnenbild etwas verändert und ein paar Details angepasst. Es gibt ein bisschen mehr Musik. Die Produktion ist sehr bunt und aufregend. Wie ein Indiana Jones Film. Ich hoffe, dass es dem Publikum in Göttingen genau so gut gefällt wie in den Niederlanden. Ich würde sagen, dass die Oper sich nun um einiges weiter entwickelt hat.

Warum sind solche Kooperationen wichtig?

Damit machen wir unseren Namen weltweit bekannt. Wir teilen unser Wissen und die Kreativität mit anderen Theatern. Ich denke, dass macht solch eine Produktion um einiges besser. Die Zuschauer, die die Oper schon in den Niederlanden gesehen haben, kommen vielleicht auch zu den Händel-Festspielen. Wir versuchen damit, einen internationalen Ruf und ein weltweites Publikum aufzubauen.

Zu den Händelfestspielen kommen jedes Jahr Barock-Spezialisten aus der ganzen Welt zusammen...

Ja, wir haben das Vergnügen mit vielen Barock-Musikern zusammenzuarbeiten, die auf einem sehr hohen Niveau spielen. Die Musiker spielen auf historischen Instrumenten. Das macht das ganze ein Stück historischer, so wie Händel sie auch geschrieben hat.

Warum sind die Händel-Opern immer noch aktuell?

Händels Musik ist eine großartige Kombination. Er kennt das Theater, die Musik und große Geschichten. Fantastische Musik macht gar nichts ohne gute Libretti. Händel war sehr genau mit seinen Libretti. Das zeichnet seine Opern aus. Händels Opern sind immer noch beliebt und waren so erfolgreich, weil sie auch eine gute Geschichten erzählen. Leute hören klassische und barocke Musik aus den gleichen Gründen warum sie Homer oder Faust lesen. Große Kunst hat kein Ablaufdatum und ist nicht temporär. Sie ist da, um zu bleiben. Wahrscheinlich hätte Händel nicht gedacht, dass seine Musik so lange bestehen bleibt. Aber heute kann man sagen, dass er zu den größten Opern-Komponisten aller Zeiten gehört.

Was ist für Sie die größte Herausforderung bei den Händel-Festspielen?

Es gibt einige. Über die Pandemie will ich eigentlich gar nicht reden, auch wenn es eine Herausforderung ist. Wir neigen dazu, Ausreden zu suchen und sagen „Oh das geht nicht wegen der Pandemie“. Wir wollen etwas Neues machen und eine neue Richtung für die Festspiele finden. Am Ende ist es am wichtigsten, dass das Publikum und die Händel-Liebhaber zufrieden sind.

Was bedeutet es für Sie der künstlerische Leiter und Dirigent der Händelfestspiele zu sein?

Für mich ist es eine große Ehre, der Dirigent der Festspiele zu sein. Vor vier Jahren wurde ich angefragt. Das hört sich lang an, aber die Zeit verfliegt. Ich hatte Glück, dass ich dieses Jahr angefangen hab. Sonst hätten wir wegen der Pandemie nur Probleme gehabt. Aber jetzt funktioniert alles wieder und wir können Tickets verkaufen. Wir haben wirklich große Stars und echte Spezialisten dabei. Ich werde mein Bestes tun, um eine Top-Qualität zu bieten. (Eva Krämer)

Zur Person

George Petrou ist seit diesem Jahr der Dirigent und Künstlerische Leiter und Dirigent der Internationalen Händel-Festspiele. Der gebürte Grieche studierete Klavier am Athener Konservatorium, am Royal College sowie an der Royal Academy of Music in London.

Nach einer Karriere als Konzertpianist wandte er sich dem Dirigieren zu. Als Dirigent erlangte er schnell internationale Aufmerksamkeit. Heute gilt Petrou als einen der führdenen Barockspezialisten. In seiner Arbeit beschränkt er sich nicht nur auf die Barockmusik, sonder schließt auch spätere Epochen mit ein

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