Interview mit Landrat Reuter zur Kreishochzeit: Digitale Verwaltung wächst

Bernhard Reuter: Der Landrat des neuen Landkreises Göttingen ist mit der Zusammenführung der Verwaltungen zufrieden. Foto: nh

Göttingen. Zentrales Element der Hochzeit der Landkreise Göttingen und Osterode ist die Zusammenführung der beiden Verwaltungen. Wir sprachen dazu mit Landrat Bernhard Reuter (SPD).

Wird der Betrieb in der Kreisverwaltung nach der Umstellungsphase problemlos wieder anlaufen?

Bernhard Reuter: Die Umstellung läuft seit mehr als drei Jahren. Unmittelbar nach dem Beschluss der Kreistage zur Fusion haben die Planungen für die neue Kreisverwaltung begonnen. Wir haben den Ist-Zustand ermittelt, mit dem Besten aus beiden Welten die Struktur der neuen Verwaltung - die sogenannte Soll-Konzeption - erstellt und diese mit Leben gefüllt. Wir haben Standards festgelegt, Verfahren angepasst, Führungspositionen besetzt und das Personaleinsatzkonzept entwickelt.

Wie lief der Prozess konkret ab?

Reuter: Das war ein langer, ein schwieriger, letztlich aber gewinnbringender Prozess. Zuletzt haben wir die neue Kreisverwaltung dann auch physisch umgesetzt: Rund 600 Mitarbeiter sind umgezogen, um ihren Arbeitsplatz in der neuen Verwaltung einzunehmen. Das war noch einmal ein Kraftakt. Noch ist nicht alles komplett, letzte Umzüge stehen an, die EDV-Umstellung erfolgt sukzessive. Manches kann erst vollzogen werden, wenn Beschlüsse des neuen Kreistages vorliegen. Und ja, es wird an der einen oder anderen Stelle auch noch haken. Diese freiwillige Kreisfusion ist einmalig, es gab keine Blaupause. Manches trifft uns unerwartet, aber das werden wir lösen. Mein Dank gilt den Beschäftigten der Kreisverwaltungen, die mit großem Engagement den Prozess gestaltet haben.

Wird es für Ratsuchende weitere Verbesserungen beim Service geben?

Reuter: Zunächst das Wichtigste: Alle bürgernahen Dienstleistungen werden weiter dezentral angeboten - in Göttingen, Osterode, aber wie bisher auch in Hann. Münden, Duderstadt und den weiteren Standorten der Kreisverwaltung. Hier wird sich nichts verschlechtern, sondern langfristig die Qualität durch leistungsfähigere Strukturen steigen. Dies wird insbesondere dort spürbar sein, wo hohes Fachwissen gefordert ist. Professionalisierung durch Spezialisierung ist das Konzept - das gilt im Baubereich, im Gebäudemanagement, aber auch bei den sozialen Aufgaben.

Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern der Verwaltung?

Reuter: Der Fusionsprozess war und ist anstrengend. Die Beschäftigten sind stark gefordert, die Stimmung ist trotzdem positiv. Es ist eine Herausforderung mit Perspektive, die Beschäftigten bauen mit an der Kreisverwaltung der Zukunft, ihrem Arbeitsplatz und einem leistungsfähigen Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger. Das gilt für beide Kreisverwaltungen.

Wie läuft das Zusammenwachsen?

Reuter: Die Beschäftigten haben sich in zahlreichen Projektgruppensitzungen, bei Führungskräftetreffen und einem immer engeren Austausch kennengelernt. Die gemeinsame Herausforderung schweißt zusammen. Das Zusammenwachsen ist noch nicht abgeschlossen und wird noch eine Weile dauern, aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Welche Dienstleistungen des Kreises kann man schon über das Internet bekommen?

Reuter: Die digitale Verwaltung wächst. Das ist ein Prozess, der - unabhängig von der Fusion - vorangetrieben wird. Wir informieren mit großer Transparenz über die Verwaltung und ihre Dienstleistungen. Wir veröffentlichen Ansprechpersonen und die entsprechenden Online-Anträge.

Haben Sie konkrete Beispiele dafür?

Reuter: So kann man beispielsweise sein Wunsch-Kennzeichen für das Auto oder die Abholung von Sperrmüll online beantragen. Wir sind über das Internet ansprechbar, auch über das sichere De-Mail-Verfahren. Wir bieten eine Vielzahl von Informationen, beispielsweise mit dem Kreistagsinformationssystem oder - mit der Abfall-App - auf einer interaktiven Karte über die Standorte von Altglascontainern. Mit der Katwarn-App warnen und informieren wir in Großschadenslagen. Damit ist die Verwaltung bereits in vielen Bereichen sieben Tage die Woche und rund um die Uhr erreichbar.

Sind weitere Angebote dieser Art über das Internet geplant?

Reuter: Wir sind momentan dabei, die Webseiten der beiden Landkreise zusammen zu führen. Es wird angesichts der Vielzahl von Aufgabenbereichen der Kreisverwaltung aber noch eine Weile dauern, bevor wir das volle Leistungsspektrum anbieten können. Das hat Priorität.

Was steht im kommenden Jahr an?

Reuter: Für das kommende Jahr haben wir uns dennoch vorgenommen, das mobile Angebotes für Smartphones und Tablets zu optimieren, den Einsatz von Antragsassistenten zu forcieren und das Geoinformationssystem voranzubringen. Für das Internetangebot gilt das gleiche, wie für den neuen Landkreis: Die Struktur steht, nun muss sie wachsen.

Zur Person

Bernhard Reuter, 1955 in Kassel geboren, studierte nach dem Abitur Jura, Sozialwissenschaften und Lehramt an der Uni in Göttingen. Nach bestandenen Lehramtsprüfungen arbeitete er als Pädagoge, zuletzt bis 1999 als Schulleiter der Orientierungsstufe Leinebergschule in Göttingen. Der 61-jährige Sozialdemokrat wurde im September Landkreis des neuen Landkreises Göttingen gewählt. Seit September 2011 ist er bereits Chef im Göttinger Kreishaus, zuvor war er zwölf Jahre Landrat in Osterode. Reuter ist seit 2010 Vizepräsident des Deutschen Landkreistags. (kri/bsc)

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