Interview zum Lokführer-Streik: Reservierungen werden knapp

Begehrtes Gut: Wer mit Fernzügen während des Streiks unterwegs sein will, sollte auf eine Reservierung zusätzlich zur Fahrkarte nicht verzichten. Foto: dpa

Göttingen. Der Streik der Lokführer im Personenverkehr hat am Mittwoch begonnen. Wir sprachen mit Gerd Aschoff, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, über die Folgen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein? 

Gerd Aschoff: Die Bahn bietet wieder einen Ersatzfahrplan, der auch zuverlässig eingehalten wird. Aber es sind viel zu wenig Züge unterwegs.

Wie wirkt sich das konkret aus? 

Aschoff: Schon jetzt sind die wenigen Fernzüge zum Teil brechend voll. Entsprechende Meldungen gibt es bereits aus dem gesamten Bundesgebiet.

Wann kann das zu Problemen führen? 

Aschoff: Wir gehen davon aus, dass es insbesondere an den Hauptreisetagen Freitag und Montag zu Riesenproblemen kommen wird. Schon beim letzten Streik wurden in Göttingen Fahrgäste aufgefordert, Züge wegen Überfüllung zu verlassen.

Was raten Sie den Fahrgästen? 

Aschoff: Wer es irgendwie einrichten kann, sollte die beiden Hauptreisetage meiden. In jedem Fall sollte man sich am Vorabend einer Fahrt telefonisch unter 08000/996633 oder im Internet unter www.bahn.de informieren.

Wie sieht es mit Reservierungen? 

Aschoff: Man sollte in jedem Fall versuchen, eine Reservierung zu bekommen. Nur dann ist gewährleistet, dass man auch mitgenommen wird. Allerdings werden die Platzreservierungen schon knapp. Man muss sich beeilen.

Wie sieht die Situation in Südniedersachsen aus? 

Aschoff: Bei uns ist die Lage ziemlich entspannt, weil die privaten Anbieter Cantus, Metronom und Nord-West-Bahn nach Plan fahren.

Wie ist mit dem Nahverkehr der Bahn in der Region? 

Aschoff: Auf den meisten Strecken gibt es einen Notverkehr. Problemkind ist wieder Strecke zwischen Northeim und Bodenfelde. Dort fahren Busse statt Bahnen, aber das ist im Internet nicht zu finden. Außerdem fällt wieder die Verbindung zwischen Göttingen und Gera/Glauchau über Erfurt aus. Das ist bitter, weil man das nur schwierig umfahren kann.

Welche langfristigen Folgen wird der Streik der Lokführer haben? 

Aschoff: Im Güterverkehr ist es eindeutig. Die großen Verlader wandern auf die Straße oder zu alternativen Bahndienstleistern ab. Und das kann nicht im Sinne der guten Tarifverträge für Lokführer sein. Im Personenverkehr werden die Nebenstrecken ausgehungert. Und viele, die einmal mit dem Fernbus gefahren sind, kommen vielleicht nicht zur Bahn zurück.

Was machen Sie am Pfingstwochenende? 

Aschoff: Ich wollte eigentlich zur 25. Meisterfeier von Bayern München in die bayerische Landeshauptstadt fahren. Aber das muss ich mir noch überlegen.

Zur Person

Gerd Aschoff ist seit zwei Jahren Pressesprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Der 59-Jährige ist freier Journalist und lebt in Göttingen.

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