Konzern entwickelt sich erfolgreich

Interview mit Dr. Joachim Kreuzburg: Sartorius hat hervorragende Perspektiven

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Hat etwas zu sagen: Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG.

Göttingen. Sartorius boom – nicht nur baulich am Sartorius-Campus im Göttinger Industriegebiet. Wir haben mit Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg über die Entwicklung des Unternehmens und Zukunftsperspektiven gesprochen.

Herr Kreuzburg, beschreiben Sie in bitte zwei Sätzen, warum Sartorius so erfolgreich ist, bleiben wird und ich die Aktie kaufen sollte.

Dr. Joachim Kreuzburg:Was Sie mit Ihrem Geld machen, möchte ich lieber Ihnen überlassen. Zu uns: Sartorius ist ein hoch profitables und sehr gut aufgestelltes Unternehmen mit innovativen Produkten, dynamischem Wachstum und hervorragenden Zukunftsperspektiven.

Klingt nach einer Werbebotschaft. Sie sind seit mehr als 14 Jahren in der Kommandozentrale von Sartorius. Was war in dieser Zeit das Wichtigste?

Kreuzburg:Es ist eine Menge passiert. Wir haben eine ganz andere Konzernstruktur, die AG ist heute eine Holding mit zwei Sparten, die weitgehend neu aufgestellt wurden. Beide Sparten sind nicht mehr technologie-, sondern markt- und kundenorientiert aufgestellt.

Früher waren Filtration und Wägetechnik die Hauptschwerpunkte, jetzt ist das Produktportfolio – besonders in der BioProcess-Sparte – um ein vielfaches breiter und innovativer. Und wir haben ein ganz anderes Profitabilitätsniveau erreicht. Das hört sich vielleicht trivial an, ist aber ein ganz zentraler Baustein dafür, was für uns in Zukunft möglich ist, in Bezug auf Investitionen in Göttingen und international, aber auch im Hinblick auf gezielte Zukäufe und Innovationen.

Steht das nicht im Gegensatz zur Familienunternehmen-Denke?

Kreuzburg: Nein. Natürlich haben wir uns auch von unserer Unternehmenskultur her weiterentwickelt. Aber wir konnten uns einen großen Teil unserer kulturellen Gene erhalten – die eines über Jahrzehnte gewachsenen Familienunternehmen mit Zusammenhalt und Anpackerkultur. Gleichzeitig ist mehr Dynamik, eine höhere Geschwindigkeit hineingekommen, sind viele neue Köpfe und frische Ideen an Bord, ist eine große Lust an Veränderung zu spüren. Und natürlich sind wir noch viel internationaler unterwegs.

Was bedarf es, um ein Großunternehmen so umzustellen?

Kreuzburg: Eine klare Zielvorstellung, die richtigen Leute und Durchhaltevermögen.

Welche Rolle spielen die Zukäufe von Unternehmen?

Kreuzburg: Sie sind sowohl Ergebnis als auch weiterer Motor dieser Entwicklung. Die von uns zugekauften Unternehmen sind in Bereichen unterwegs, die Sartorius vorher gar nicht bespielte. Alle diese Unternehmen sind für uns eine kräftige Spritze Innovationskraft, technologisch und personell. Dabei ist ganz wichtig: Wir schlucken diese Firmen nicht, sondern integrieren sie behutsam und schrittweise, damit deren Dynamik und Innovationskraft nicht abgewürgt wird.

Die Sartorius-Philosophie heißt also: Kein Kauf von Marktanteilen?

Kreuzburg: Genau. Wir haben noch nie einen Wettbewerber und damit Marktanteile gekauft, weil wir das für eine Strategie halten, bei der oft eins plus eins nicht drei, sondern nur eineinhalb ist. Dann beschäftigt man sich nur mit Kosten- und Personalreduktion statt mit Innovation und Wachstum. Unser strategischer Ansatz ist: Mit wem können wir zusammen noch innovativer werden, noch schneller wachsen, noch mehr Arbeitsplätze schaffen? Wir haben stetig eine Handvoll Firmen im Auge. Die Frage ist dabei stets: Macht uns eine Ergänzung interessanter, attraktiver für die Kunden, vor allem in der Biopharma-Branche?

Wie haben sich die Märkte in dem Zeitraum entwickelt?

Kreuzburg: Unsere zunehmende Fokussierung auf den biopharmazeutischen Markt ist hat gute Gründe: Der Biopharmamarkt wächst dynamisch und unabhängig von der Konjunktur. Laufend kommen neue Medikamente auf den Markt, gleichzeitig werden immer mehr Patente für Bio-Medikamente frei, so dass ein weiteres Marktsegment entsteht. Die Menschen werden weltweit älter, was den Medikamentenbedarf steigen lässt, und immer mehr Menschen können sich diese Medizin auch leisten, etwa in den großen asiatischen Märkten. Insgesamt ist der Markt im Durchschnitt der vergangenen Jahre um fünf bis zehn Prozent gewachsen.

Die Sartorius-Wachstumszahlen der Bioprozess-Sparte waren teilweise höher...

Kreuzburg: Richtig. Wir sind noch schneller gewachsen als der Markt. Wobei das nicht kein Zufall ist, sondern Ergebnis unserer bewussten Fokussierung auf diesen Markt und unseres Produktportfolios.

Sartorius schielt nicht nur nach Asien, warum?

Kreuzburg:Wir sind eigentlich überall, wo die Musik spielt. Dabei wird der technologische Takt immer noch in der westlichen Welt vorgegeben, in Europa und in Amerika. Aber Wachstum sehen wir auch zunehmend in bestimmten asiatischen Märkten. China hatte sehr viel Dynamik in den vergangenen rund sieben Jahren; Korea, was oft übersehen wird, entwickelt sich ebenfalls stark, auch Indien.

Können die hohen Zuwachsziele in Amerika, trotz Trump und protektionistischen Aktionen, gehalten werden?

Kreuzburg: Noch ist dort nichts Negatives passiert. Generell kommt es immer auf den konkreten Markt an. Auch Herr Trump hat ein Interesse daran, dass neue Medikamente schnell in die Anwendung gebracht werden. In Nordamerika sehen wir deshalb weiterhin großes Wachstumspotenzial, sind nun auch zusätzlich in Boston vertreten, einem Hotspot der Biopharmaka-Entwicklung. In den USA bestehen noch die größten Möglichkeiten für uns, weitere Marktanteile hinzuzugewinnen, weil wir dort noch niedrigere Marktanteile haben als in Europa und in Asien. Das liegt daran, dass unsere Hauptwettbewerber amerikanische Firmen sind, die dort einen Startvorteil hatten.

Wie schätzen Sie die Stimmung bei den Aktionären ein?

Kreuzburg: Mein Eindruck ist, dass sie weitgehend zufrieden sind und die Strategie und Unternehmensführung des Vorstands unterstützen.

Dennoch, bei der Vorstellung der weiß Gott nicht schlechten, vorläufigen Jahreszahlen Ende Januar, sackte der Kurs ab. Sind die Aktionäre verwöhnt?

Kreuzburg: In einer Studie der Boston Consulting Group wurde Sartorius kürzlich als beste deutsche Aktie der vergangenen fünf Jahre bewertet. Kurzfristige Kursbewegungen hängen aber auch immer von Faktoren ab, die wir nicht beeinflussen können.

Stimmt denn die Stimmung im Vorstandsteam?

Kreuzburg: Absolut. Dabei diskutieren wir intensiv und manchmal auch kontrovers, und das ist auch gut so. Bisher – und das ist keine Floskel – sind wir aber immer zu einer gemeinsamen Entscheidung gekommen, die wir anschließend mit Schwung umgesetzt haben. Alles andere kann man auch vergessen: Das ist in der Familie so und auch beim Teamsport: Man kann lange über Taktik diskutieren und abwägen – am Ende musst Du aber gemeinsam voll durchziehen und das Spiel zusammen gewinnen.

Von Thomas Kopietz

Zur Person

Dr. Joachim Kreuzburg (52), Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG, wurde in Höxter geboren, wo er auch sein Abitur machte. Danach Studium in Hannover, Abschluss als Diplom-Maschinenbau-Ingenieur, Schwerpunkt Thermodynamik, Fahrzeugbau. von 1992 bis 1995 Wissenschaftlicher Angestellter des Niedersächsischen Instituts für Solarenergieforschung in Hameln. 1995 Wechsel zur Uni Hannover, Arbeit im Bereich Umweltökonomik und Ordnungspolitik.

1999 Promotion zum Dr. rer. pol., seit 1999 bei Sartorius im Controlling, Geschäftsführer der Tochter GWT in Hamburg, Leiter Finanzierung, Investor-Relations Sartorius. Seit 2002 Mitglied im Vorstand, 2005 wurde Kreuzburg Vorstandsvorsitzender, zuständig für Operations, Recht, Revision, Kommunikarion und Personal. Kreuzburg wohnt in Göttingen. Seine Hobbies sind Laufen, Bergwandern, Musik (Konzerte).

www.sartorius.de

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