Interview zur Kritik an Mathe-Abi-Klausur

Niedersächsischer Kultusminister: "Wir prüfen die Aufgaben des Mathematik-Abiturs intensiv" 

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Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht über die Kritik an zu schweren Abi-Aufgaben.

Mit einer Online-Petition beschweren sich Schüler über die Mathe-Abi-Klausur. Wir sprachen darüber mit Kultusminister Grant Hendrik Tonne in Hannover.

Etwa 19.000 Schüler haben kürzlich die Mathematik-Abitur-Klausuren geschrieben – 13.000 von ihnen stellten sich dem erhöhten Anforderungsniveau im Leistungsfach. Jetzt gibt es in einigen Bundesländern – darunter auch Niedersachsen – Ärger über das Mathe-Abi: Eine Online-Petition, gestartet von einer niedersächsischen Schülerin, die die Klausur als zu schwierig kritisiert, findet rasant Zuspruch.

Das Niedersächsische Kultusministerium in Hannover prüft nun – wie auch die Ministerien in einigen anderen Bundesländern – die Aufgaben bezüglich der Vorwürfe. Wir sprachen darüber am Montag mit Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in Hannover.

Herr Tonne, was passiert in Ihrem Haus nach der Kritik an der Mathe-Abitur-Klausur?

Wir nehmen die Hinweise und die Kritik sehr ernst. Wir werden die Aufgabenstellungen und deren mögliche Auswirkungen auf die Prüfungsergebnisse sorgfältig prüfen, vor allem die von uns gestellten Aufgaben. Wir werden uns aber auch die bundeseinheitlichen Aufgaben anschauen. Es gibt ein sehr differenziertes Verfahren zur Erstellung der Abituraufgaben in Niedersachsen.

Wie kann man sich diese Auswahl vorstellen?

Die Aufgabenstellungen beruhen auf den Vorgaben des Bildungsstandards, des niedersächsischen Kerncurriculums und der fachbezogenen Hinweise. Die Aufgaben für das Zentralabitur werden von praxiserfahrenen Fachkommissionen erstellt, dabei gibt es Qualitätskontrollen. Die Aufgaben des Pflichtteils stammen überwiegend aus dem länderübergreifenden Aufgabenpool, die des Wahlteils stammen zum Teil aus dem niedersächsischen Pool. Diese werden erst nach inhaltlicher und formaler Prüfung durch das Ministerium freigegeben.

Sollten also Fehler oder Mängel auftauchen, wäre das Ministerium verantwortlich.

Ob Konsequenzen entstehen, kann erst nach einer intensiven Prüfung unsererseits gesagt werden. Wir werden uns die Aufgaben anschauen und auch die Vor-Noten betrachten. Wir werden schauen: Gibt es signifikante Abweichungen zu den Vor-Noten. Nur das würde zeigen, ob es eine Unwucht zwischen dem gibt, was schulisch gemacht worden ist und was an Prüfungsanforderung tatsächlich vorhanden war.

Einige Schüler sagen aber, die Mathe-Prüfung war zu schwer.

Auch dabei muss man vorsichtig sein: Das kann man nicht auf einer gefühlten Lage kurz nach der Klausur beurteilen. Gefühlsmäßige Äußerungen nach der Prüfung können wir nicht als Maßstab nehmen. Noch einmal: Wir schauen uns das an, objektivieren das Ganze. Dann werden wir erkennen, ob es einen Handlungsbedarf gibt oder nicht.

Viel Zeit bleibt dafür aber nicht.

Wir bewegen uns in einem engen Zeitrahmen. Aber: Wir wollen niemanden unlauter unter Druck setzen, vor allem nicht diejenigen, die die Klausuren korrigieren müssen. Sie sollen das in Ruhe machen dürfen, um eine vernünftige Bewertung vornehmen zu können. Diese werden wir uns zurückspiegeln lassen. Kurzum: Es bleibt ein geordnetes Verfahren, wie sonst auch.

Sind die Schüler nun nicht abgelenkt, verunsichert?

Ich empfehle, überall und allen Schülerinnen und Schülern das Ganze jetzt von dieser Dynamik herunterzuholen. Wir befinden uns mitten im Abiturverfahren, und es werden noch weitere Klausuren geschrieben. Es bringt also nichts, wenn man sich gegenseitig in der Nervosität hochschaukelt. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich auf ihre Klausuren konzentrieren, auf die sie sich sicher gut vorbereitet haben. Es gilt, das Abi 2019 vernünftig zu absolvieren. Im Übrigen: Das niedersächsische Abitur ist und bleibt anspruchsvoll. Auch deshalb müssen wir beim Prüfen der Kritik fachlich sorgfältig vorgehen – und nicht nach Gefühlslage.

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