KWP-Open-Air am Wochenende

Interview mit Rainer Schacht: Die Feisten sind zurück im Wald

Enge Verbindungen zu Göttingen: Mathias Zeh und Rainer Schacht sind die Feisten, spielten oft in und um Göttingen, hier bei einem Konzert 2020. Sie gastieren am Samstag beim KWP-Open-Air im Wald – wie immer mit intelligent-witzigen Texten, mehrstimmigem Gesang und sparsamer Multi-Instrumentalbeteiligung.
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Enge Verbindungen zu Göttingen: Mathias Zeh und Rainer Schacht sind die Feisten, spielten oft in und um Göttingen, hier bei einem Konzert 2020. Sie gastieren am Samstag beim KWP-Open-Air im Wald – wie immer mit intelligent-witzigen Texten, mehrstimmigem Gesang und sparsamer Multi-Instrumentalbeteiligung.

Die Feisten und Göttingen – das ist ja eine ganz besondere Beziehung. Am Wochenende sind sie zurück – im Wald, beim Open-Air im Kaiser-Wilhelm-Park (KWP). Darüber und die Situation von Künstlern in und nach der Corona-Krise sprachen wir mit Rainer Schacht.

Göttingen – Er ist ein Teil des bundesweit bekannten Duos, das Mathias Zeh („C“ komplementiert.

Wie steht es heute um Eure einst so innige Beziehung zu Göttingen?
In GÖ hat alles angefangen: Erste Auftritte im Nörgelbuff und in Clubs, die es heute nicht mehr gibt. Es gibt viele ganz alte Freundschaften, die bis jetzt halten. Wir produzieren unsere CDs bei Thomas Körber in Göttingen, das ist die stärkste Verbindung.
Ihr kommt zurück nach Göttingen – in den Wald. Was verbindet ihr mit dem KWP an Erlebnissen – und wie oft seid Ihr bislang dabei gewesen?
Wie oft wir auch mit GanzSchönFeist im KWP gespielt haben, ist fast eine Frage an die Historiker. Schon in ganz frühen Jahren waren wir mit GanzSchönFeist dabei.
Und wie steht es um die Erinnerungen daran?
Mir fällt gerade eine absolute Regenschlacht ein: Es goss wie aus Eimern, auch in die Konzertmuschel. Die Leute sind trotzdem geblieben – also quasi nur beste Erinnerungen. Wir können nun ein neues Kapitel hinzufügen, denn die Feisten im Duo waren mit einem ganzen Konzert noch nie beim KWP-Open-Air. Wir freuen uns also auf ein Debüt.
Wie seid Ihr über Corona gekommen, Auftritte (?), Aktivitäten im Netz? Wie ging das wirtschaftlich?
Aus unserer Sicht als Künstler sind wir ganz gut durchgekommen. Die Studioproduktion des Albums „Radio Uwe &Claus“ hat uns gut beschäftigt, im normalen Tourbetrieb hätten wir etliche Songs nicht geschrieben und das Album nicht hergestellt, weil wir das rein zeitlich nicht geschafft hätten.
Und live?
Wir spielten zwei Live-Streams, auch das hat das ganze Team zusammengehalten und die Produktion dieses für uns neuen audiovisuellen Formates hat uns gut beschäftigt. Wirtschaftlich betrachtet hat das geholfen, aus eigener Kraft eine existenzielle Bedrohung abzuwenden.
Wird die Musikszene nach Corona dünner sein? Oder wird es ein Comeback geben – mit mehr Qualität als vorher?
Schwer zu sagen. Fakt ist, dass es in der Branche Zerfallserscheinungen gibt: Künstler, Agenturen, Theater, Veranstaltungstechniker werfen schweren Herzens das Handtuch. Ob und wann sie zurückkehren können oder wollen, wird sich zeigen. Bestimmend ist die Entwicklung der Pandemie und die „Ich geh mal aufs Konzert“- Bereitschaft des Publikums. Die Menschen sind verunsichert oder gar verängstigt.
Wo und wie spielt sich das Leben der Feisten momentan ab?
Zum Glück gibt es etliche Open-Air-Gigs, die wir spielen können. Wir hatten im Sommer und haben perspektivisch bis in den Herbst wieder Auftritte vor echten Menschen.
Worauf freut Ihr Euch besonders – welche Projekte stehen an – Album/Tour?
Normalität, das wäre schön für die nahe Zukunft! Das Album „Radio Uwe & Claus“ wird aktuell immer noch von uns und Anderen promotet. Es läuft ganz gut im Radio, wir haben etliche Livetalks und Interviews und feiste Features. Wir haben uns in diesem Zuge um TV-Termine gekümmert und haben zum Teil offene Türen eingerannt. Sind aus Versehen in die Albumcharts eingestiegen.
Wäre das ohne Corona auch so gelaufen?
Auch das ist Ergebnis einer Ausweichbewegung. Wir hätten das alles sonst nie gemacht. (Thomas Kopietz)

Die Band „Die Feisten“

Die Feisten gibt es seit 2013 als Duo mit Mathias Zeh („C“) und Rainer Schacht. Das entstand aus dem Trio GanzSchönFeist, dem noch der Göttinger Christoph Jess von 2004 bis 2013 angehörte. Kurzzeitig dabei vor Jess war auch Beo Brockhausen bis 2004. Die drei Bandmitglieder bezeichneten ihren Stil als „PopAcappellaComedy“. Ganz Schön Feist hatten Mitte der 90er-Jahre zahlreiche Fernsehauftritte, so beim Deutschen Satirefest unter der Leitung von Volker Pispers und der RTL Comedy-Gala an der Seite von Dieter Nuhr. Dann nahm Label Roof Music und Sony Music/ Universal als Vertrieb sie unter Vertrag. 1997 erschien das Album „Gänseblümchen“ mit dem Hit „Du willst immer nur ficken“. Das Trio und Nachfolger „Die Feisten“ holten einige Kleinkunst-, Musik-, und Kabarettpreise. Ihr letztes Konzert gaben GanzSchönFeist am 13. Januar 2013 in ihrer Heimatstadt Göttingen. 2014 ihre erste CD „Versuchslabor“. Es folgten „Nussschüsselblues“, „Adam & Eva“ (live) und „Radio Uwe & Claus“. Zeh lebt in Kassel, Schacht in Mannheim. (tko)

Infos: „Musik im Wald“ am Freitag und Samstag, 3. und 4. September, jeweils ab 19.30 Uhr u.a. mit „Die Feisten“, Ian Paice (Ex-Deep-Purple), Michael Schulte und Flooot ist ausverkauft. Eventuell werden am Haupteingang noch einige Restkarten verkauft.

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