Göttinger Noch-SPD-Fraktionschef im Interview

Interview: Thomas Oppermann im Zwiespalt der Gefühle

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Bisheriger Fraktionschef: Thomas Oppermann im Saal der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag.

Göttingen. Der bisherige SPD-Fraktionschef im Bundestag Thomas Oppermann steht für eine Neuausrichtung der SPD ein.

Hier das Glücksgefühl den hart umkämpften Wahlkreis 53 erneut gewonnen zu haben. Dort die depressive Stimmung, als Erster das schlechteste SPD-Ergebnis bei Bundestagswahlen der Bundesrepublik zu verkünden. Thomas Oppermann (SPD) war ein gefragter Gesprächspartner am Wahlabend und am Morgen danach. Auch wir haben in TV-Interviews zugehört und mit dem Noch-Fraktionsvorsitzenden gesprochen.

Herr Oppermann, wie bewerten Sie das Wahlergebnis?

Thomas Oppermann: Es ist eine bittere Niederlage für die SPD. Und es ist ein klarer Auftrag der Wählerinnen und Wähler. Sie haben uns den Platz in der Opposition zugewiesen. Nach diesem historisch schlechten Ergebnis kann es so nicht weitergehen. 

Wer steht hinter der Neuausrichtung der SPD?

Oppermann: Das ist Konsens in der gesamten SPD. Wir haben die Verantwortung eine starke Opposition zu bilden und diese Rolle nicht der AfD zu überlassen. Ich glaube auch, dass Martin Schulz der richtige Parteivorsitzende ist, der auf diesem Weg der Erneuerung vorangehen kann. Er hat viele Menschen im Wahlkampf begeistert. 23.000 überwiegend junge Leute sind in die SPD eingetreten. Und die wollen mit uns die soziale Demokratie in Deutschland gestalten. Wir nehmen die Verantwortung an, eine gute Opposition zu stellen.

Worum geht es denn zunächst?

Oppermann: Wir müssen analysieren, was falsch gelaufen ist, was wir besser machen können und wie wir uns insgesamt aufstellen. Uns ist es über die Jahre nicht gelungen, dem Wähler zu verdeutlichen, dass wir als SPD die treibende Kraft in der Regierungskoalition waren, viele Dinge bewirkt und durchgebracht haben. Diese Regierung hatte in der Sache eine sozialdemokratische Handschrift. Aber wir mussten im Wahlkampf auf der einen Seite die Erfolge der Regierung als sozialdemokratische herausstellen, andererseits den Anspruch vermitteln, die bessere Alternative zu sein. Das ist die Quadratur des Kreises. Es ist uns nicht gelungen. Und wir konnten auch nicht verhindern, dass 500.000 Wähler von der SPD zur AfD gegangen sind. Das ist ganz bitter. Wir werden uns um diese Wähler kümmern. Ich werde diese Wähler wieder zur SPD zurückholen.

Wie steht es um Ihre Position als Fraktionsvorsitzender?

Oppermann: Ich war Vorsitzender einer Regierungsfraktion, ich habe das gerne gemacht. Jetzt geht es darum, eine Person zu finden, die eine Oppositionsfraktion im Bundestag anführt. Ich bin sicher: Wir werden den Vorschlag einvernehmlich mittragen.

Zu Erfreulicherem für Sie: Thomas Oppermann hat den Wahlkreis 53 gewonnen...

Oppermann: Worüber ich mich sehr freue. Das Ergebnis macht mich glücklich, weil ich bei diesem schlechten SPD-Resultat den Wahlkreis gegen einen hart und fair kämpfenden, sehr fleißigen Fritz Güntzler gewonnen habe. Es war knapp wie vor vier Jahren. Dafür zolle ich ihm Respekt. Ich würde mich auch freuen, wenn Güntzler weiter im Bundestag sitzen würde. Wir haben im Sinne der Menschen im Wahlkreis gut zusammengearbeitet.

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