Interview mit Olaf Schubert: Das Wunder im Pullunder kommt nach Göttingen

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Göttingen. Er ist nach dem Papst der zweitwichtigste Bewahrer der Wahrheit, das „Wunder im Pullunder“ und ein Weltverbesserer: Olaf Schubert.

Zumindest eigenen Angaben zufolge. Sprachliche Spasmen, logisches Verheddern, bissiger Humor und ein feinstes „Oxford-Sächsisch“ hat der Kabarettist zur Kunstform erhoben. Jetzt ist er mit seinem neuen Programm „SO!“ auf Tour und wird am 11. Juni, ab 20 Uhr in der Göttinger Stadthalle zu erleben sein.

Herr Schubert, Sie bezeichnen sich als Betroffenheitslyriker und Bewahrer der Wahrheit. Was heißt das genau? 

Olaf Schubert: Es gibt so viele Probleme, da hab’ ich mir gesagt, ich löse die auf der Bühne. Als Mittler zwischen Kunst und Sozialabbau, als Mahner und Erinnerer und auch als Betroffenheitslyriker. Es gibt so viele Berufsbezeichnungen, dass ich manchmal schon selbst vergesse, was ich eigentlich mache.

Sie haben mal gesagt Ihretwegen kann die Welt rund bleiben, doch abgesehen davon herrsche Handlungsbedarf. Wie sieht der aus? 

Schubert: Ich erkläre den Menschen, wie sie die Welt verbessern sollen und wenn sie dann umsetzten, was ich vorschlage, wäre viel gewonnen.

Setzen Sie es denn selbst auch um? 

Schubert: Ich versuche es. Aber ich komme zeitlich nicht dazu.

Sie werden als untergewichtig aber dafür überbegabt bezeichnet. Was sagen Sie dazu? 

Schubert: Das klingt nicht nur einleuchtend, das ist sogar so. Ich bin sehr musikalisch, sehr intelligent und natürlich auch sehr bescheiden. Meine Bescheidenheit verbietet mir, jetzt noch weitere Talente aufzuzählen.

Dafür weist Ihre Vita viele weitere Talente auf. Dort steht zum Beispiel, Sie haben Musik und Architektur studiert? 

Schubert: Ich habe viel versucht, ganz viel angefangen und noch mehr abgebrochen. Weshalb ich ein umfangreiches, fast vollständiges Halbwissen habe.

Aber die Lehre als Wirtschaftskaufmann haben Sie abgeschlossen? 

Schubert: Ja, sonst hätten meine Eltern mich nicht nur enterbt, sondern wahrscheinlich auch entmannt. Da hab ich dann gesagt: Na gut.

Wie kommt man denn von der Wirtschaft über die Musik zum Kabarett? 

Schubert: Naja, ich hab halt gemerkt, ich hab was zu sagen.

Das zeigen Sie auch in ihrer neuen Show. Wie lange dauert es eigentlich, so ein Programm auszuarbeiten? 

Schubert: Ich würde sagen mindestens zehn Minuten. Nein im Ernst: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Man sammelt Ideen, schreibt die auf und fügt sie zusammen. Das ist ein fließender Prozess. Es ist immer was los und das fließt mit ein.

Also wird das Programm immer abgeändert und die Show in Göttingen bietet zum Beispiel ein anderes Programm als die in Lohfelden Wochen später? 

Schubert: Im optimalen Fall ja. Wenn was passiert auf der Welt. Ich bin ja schließlich da, um die Erdenprobleme zu lösen. Aber während ich die einen löse, hoffe ich natürlich immer parallel, dass neue entstehen, damit ich nicht plötzlich arbeitslos werde.

Waren Sie eigentlich schon einmal in Göttingen? 

Schubert: Ich glaube schon. Denn wenn ich an Göttingen denke, fällt mir sofort die Stadthalle ein. Die sieht etwas skurril aus mit vielen Punkten und Kacheln. Man könnte sagen, die Göttinger Stadthalle sieht von außen aus wie ein Schwimmbad von innen. (lacht)

Und abschließend die Frage: Ist das immer der gleiche Pullunder oder wie viele davon hängen in Ihrem Schrank?

Schubert: Nicht im Schrank, - im Tresor. Pullunder sollten ausschließlich im Tresor aufbewahrt werden. Ich hab mittlerweile drei davon: Einen für den Winter, einen für den Sommer und einen für den Übergang. Handgestrickt im Erzgebirge, bei Vollmond von rothaarigen Jungfrauen.

Zur Person

Olaf Schubert ist der Künstlername des in Dresden lebenden Kabarettisten und Musikers. Der am 7. November 1967 in Plauen geborene Künstler beschäftigte sich schon als Kind mit Musik, Menschen und Malerei. Vor seiner Fernseh- und Bühnenkarriere arbeitete er laut der nicht ganz ernst gemeinten Vita als Fußpfleger, Kameramann und Essenträger und studierte anschließend Architektur und Musik in Berlin und Minsk. Olaf Schubert ist verheiratet und Vater.

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