Internationales Hallenfußballturnier Göttingen

Schalke-Coach Norbert Elgert: Meine Jungs sollen hier in der Lokhalle Spaß haben

Immer engagiert an der Seitenlinie, wenn es um seine Jungs geht: Schalkes U-19-Trainer Norbert Elgert. Foto: Hubert Jelinek/gsd

Göttingen. Ab Donnerstag kicken regionale, nationale und internationale Teams beim A-Jugend-Sparkassen-VGH-Cup in der Lokhalle. Vor dem Turnierstart sprachen wir mit Schalke-Jugend-Trainer-Legende Norbert Elgert.

Norbert Elgert ist einer der erfolgreichsten Junioren-Trainer im Fußball. Mit der Schalker Knappenschmiede feierte er Deutsche Meisterschaften und Pokalsiege, sein Renommee in der Branche ist immens. Elgert ist Vaterfigur und knallharter Trainer für seine „Jungs“, wie er die Spieler der Schalker U 19 nennt. Gleichwohl stellt er große Anforderungen, auch was den Charakter der Spieler angeht. Sportlich hinterfragt er auch das, was er praktiziert. So sah er weit vor der WM voraus, was dem Deutschen Fußball fehlt und was Joachim Löw in seiner offenen Kritik nach der WM als größtes Manko nannte: Dribbelstarke, schnelle Spieler, die sich im 1:1 durchsetzen können.

Welchen Stellenwert das Turnier Sparkasse/VGH-Cup in der Göttinger Lokhalle für Sie?

Norbert Elgert: Es gibt eine langjährige Verbindung hierhin. Es ist kein Zufall, dass wir an diesem Turnier teilnehmen. Zunächst sind wir sehr dankbar dafür, dass wir immer wieder eingeladen werden. Hier stimmt das Gesamtpaket. Jeden Tag ist die Hütte voll – und vor 3000 Zuschauern zu spielen plus dem hier herrschenden Lokalkolorit, das ist für unsere Jungs schon speziell. In der Meisterschaft treten wir in der Regel vor 300 bis 500 Zuschauern an – was für Jugendteams nicht schlecht ist. In Göttingen ist das also eine besondere Kulisse. Dazu kommt das Organisatorische: Alles ist top, das Hotel Freizeit In ist sensationell – fast eine Nummer zu groß für eine Jugendmannschaft.

Warum?

Wir erklären ihnen, dass das nicht selbstverständlich ist und, dass man sich solche Dinge, in einem solchen Hotel zu wohnen, über viele Jahre erarbeiten muss. Sie verstehen das auch.

Welchen sportlichen Wert hat der Sparkasse-/VGH-Cup?

Eigentlich bin ich kein Freund von permanentem Überzahl-/Unterzahlspiel, aber wenn man das positiv annimmt, dann hat es einen Lerneffekt. Zumal es das Turnier ist, bei dem die meisten Tore fallen. Der Veranstalter will das so und ich kann das verstehen. Wir versuchen, das positiv umzusetzen, weil das Überzahlspiel auch auf dem Großfeld vorkommt. Es ist ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Spiel. Das Team muss sehr geschlossen auftreten, räumlich gut verteidigen. Du musst dort, wo der Ball ist, trotzdem immer Druck aufbauen, sehr schnell die Gegenspieler übergeben und übernehmen. Das geht hier alles viel schneller als auf dem großen Feld. Von daher: All das schult natürlich auch. Die Fehlerrückmeldung ist unmittelbar und brutal.

Welche Rolle spielt der Faktor Spaß? Ist so ein großes Turnier auch eine Abwechslung, Motivation für Ihre Spieler?

Ganz klar! Ich möchte, dass meine Jungs hier Spaß haben. Die Freude muss größer sein als der individuelle Druck. Der Spaß am Fußballspielen, am Team, an der Kulisse – der muss da sein. Noch einmal zum Spiel in der Lokhalle: Du musst unnatürliche Ballverluste unbedingt vermeiden, weil die Wege zum Tor so kurz sind, die Überzahl des Gegners so schnell hergestellt ist, dass du Konter fast gar nicht verteidigen kannst.

Geschwindigkeit und Handlungsschnelligkeit werden also extrem gefordert..

Richtig. Die mentale Geschwindigkeit spielt für mich im heutigen Spitzenfußball die größte Rolle. Die kognitiven Prozesse, die Informationsübertragung, das muss rasend schnell gehen. Insofern ist das schnelle Hallenspiel – offensiv wie defensiv – eine sehr gute Schulung.

Als Fußballprofi brauchst Du eine gehörige Portion Mut, und viel gesundes Selbstbewusstsein – was aber niemals in Arroganz und Überheblichkeit übergehen darf. Wir leben in einer nicht so leichten Welt, in einer schwierigen Phase auf unserem Planeten, dann haben gerade die, die etwas mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, die Pflicht, sich so zu benehmen, wie sich alle Menschen untereinander benehmen sollten. Schließlich sind sie teilweise auch Vorbilder. Jeder sollte wissen, dass du in einer Gemeinschaft allein nichts bist: Keiner schafft irgendetwas allein.

Für manche ist der Trainer Norbert Elgert in der Knappenschmiede auch Vater-Ersatz..

Ich nenne mein Coaching deshalb auch Value-Based-Coaching. Das ist ein wichtiger Faktor im Mosaik. Wir Trainer, Ausbilder – egal in welchem Beruf – haben in unserer Hochgeschwindigkeitszeit stärker die Pflicht mehr zu vermitteln als Technik, Taktik, Athletik, Mentales – nämlich Werte und Demut.

Braucht es nicht auch Eigensinn, um überhaupt als talentierter Spieler im Profibereich Fuß fassen zu können?

Der Profifußball ist schon ein Haifischbecken, in dem du Durchsetzungsvermögen brauchst, auch gegenüber Zuschauern und Medien. Aber: Das musst du mit einer gesunden Teamfähigkeit paaren: Du spielst und bewegst dich in einer Gruppe. Das erwarte ich auch, gerade heute. Wenn du nur Egoisten auf dem Platz hast, dann wirst du auch mit elf Superfußballern nichts erreichen.

Was tun Sie, damit die unterschiedlichen Spieler, also Schüler mit Einser-Abi und Migrant, miteinander klarkommen?

Ein Beispiel: Wenn wir im Hotel sind, achte ich extrem darauf, dass die Jungs alle – ob Manager oder Reinigungsfrau – freundlich behandeln, sie alle grüßen und sich bedanken. Das leben wir im Trainerteam vor – aus Überzeugung. Wenn alle im Boot sitzen und rudern, kann ich nicht auf einer Jacht liegen. (tko)

Zur Person

Norbert Elgert (61) wurde am 13. Januar 1957 in Gelsenkirchen geboren. In der Bundesliga lief Elgert 58 Mal für den FC Schalke 04 auf und erzielte 13 Tore. 1981 stieg er mit den Knappen in die zweite Liga ab. Seit 1996 ist Elgert mit einer kurzen Unterbrechung – von 2002 bis 2003 war er Co-Trainer der ersten Mannschaft unter Frank Neubarth – Coach der Schalker A-Jugend. (tko)

Internationales Hallenfußballturnier in Göttingen - Datum

Los geht es beim Sparkasse-VGH-Cup ist am Donnerstag um 17 Uhr, Freitag um 16 Uhr, Samstag um 10 Uhr und am Finaltag Sonntag um 9 Uhr. Es gibt an der Tageskasse noch Rest-Sitzplatzkarten und Stehplatz-Tickets.

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