Händel-Festspiele

Interview mit der Sopranistin Mireille Asselin

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Singt an den großen Häusern dieser Welt: Sopranistin Mireille Asselin freut sich auf den Auftritt bei den Händel-Festspielen in Göttingen. 

Göttingen. Die Händel-Festspiele laufen und locken wieder Stars der alten Musik nach Göttingen. 

Ein Star ist die 31 Jahre junge Mireille Asselin, die quasi von der Metropolitan Opera in New York nach Göttingen kommt, am Samstag dort die Oper Berenice singt. Thomas Kopietz sprach mit der gebürtigen Kanadierin über Händel und die Kunst des Singens.

Mrs. Asselin, Sie haben in großen Häusern und Mega-Städten gesungen, wie der Metropolitan in New York. Was bedeutet der Auftritt in der kleinen Stadt Göttingen für Sie?

Mireille Asselin: Göttingen mag eine kleine Stadt sein, aber die Händel-Festspiele in Göttingen sind wirklich ein großes Ding. Einige der besten Musiker und Sänger der alten Musik treten hier auf. Und so ist es für mich eine große Ehre, hier die Berenice zu singen. Außerdem kann ich es kaum erwarten, die schöne Stadt zu entdecken.

Händels Musik ist speziell. Welche Werke Händels mögen Sie besonders?

Asselin: Ich habe Händel schon immer geliebt. Er hat einige der unvergesslichen Melodien überhaupt geschrieben. Seine Musik kann das Herz brechen, kann erbaulich, herausfordernd, elegant, spielerisch und wagemutig sein! Ich mag die Struktur seines Komponierens. Und ich mag die wunderbare Freiheit, die man als Darsteller bei der Interpretation hat. Es ist wie ein Puzzle-Spiel, das Du auf unterschiedliche Weise vervollständigen kannst. Manchmal komme ich so in meiner Entwicklung als Sängerin zurück zu Teilen, die ich vor einigen Jahren gesungen habe - und entdecke sie wieder - dank Händel.

Was ist die Herausforderung für Sie, Händel-Stücke zu singen?

Asselin: Es ist gewiss eine beeindruckende Aufgabe, so eine große Rolle bei einem Festival zu singen, das Händel und seiner Musik gewidmet ist. Ich fühle eine besondere Verantwortung, Berenice gerecht zu werden, weil es ein viel weniger gespieltes Werk, als seine populäreren Opern ist. Ich möchte die Qualität des Stückes dem Publikum demonstrieren. Und ich möchte, dass die Zuschauer sich verlieben, so wie ich mich verliebt habe.

Haben Sie denn Berenice, wo es um Widersprüche geht, zwischen Politik und Liebe - Kopf und Herz, schon einmal gesungen?

Asselin: Berenice ist einen neue Rolle für mich. Aber ich habe bereits oft Händel gesungen, und ich habe das zu einem Fokus gemacht, weil ich seine Musik einfach liebe. Sie hat mich wachsen lassen, stärker gemacht - stimmlich und schauspielerisch. Einige meiner Lieblingsrollen waren Theodora, Smele und Galatea - und ich denke Berenice kommt auf diese, meine Hit-Liste.

Wie haben Sie sich denn auf Berenice vorbereitet? Hatten Sie „Trainingszeiten“, wie findet eine Sängerin die Bestform für eine Rolle?

Asselin: Jedes Ergebnis hat seine eigenen Besonderheiten. Und eine gute Vorbereitung ist ganz einfach eine Frage des intensiven Übens und der Vervollständigen eines Puzzle-Spieles. Zum Beispiel, herauszufinden, wann und wo ich atme, wo ich die Energie einbringe und welche technischen Passagen meine spezielle Aufmerksamkeit benötigen. Jeder Sänger hat dafür eigene Strategien, die über Jahre gewachsen sind - aus dem Versuchen und Fehlern. Und jeder lernt und übt unterschiedlich. Der Schlüssel liegt darin, den Text zu verstehen und der Musik die Zeit zu geben, dass sie in den Kopf einsickern kann. Viele meiner Übungen sind mental, so dass ich beim Auftritt der Vorbereitung trauen und das Musikmachen mit meinen Kollegen genießen kann.

Sie sind jetzt 31 Jahre jung, was sind Ihre Pläne beruflich wie privat?

Asselin: Ich werde schon bald 32, am 15. Mai. Ich war und bin extrem glücklich mit meinem privaten und beruflichen Leben. Mehr kann ich gar nicht verlangen! Ich habe eine fantastische Familie und Freunde, einen wunderbaren Partner, eine Karriere mit Herausforderungen - das alles erfüllt mich. Ich hoffe einfach, dass ich viele Jahre mit dem Singen weitermachen kann und weiter neuer Musik erleben kann, in neuen Städten, mit guten Freunden. Und ich hoffe, ich kann viel mehr von Händel singen. Vielleicht auch in Göttingen.

Jetzt singen sie aber erst einmal in Berenice: Wie kam es zu dem Engagement?

Asselin: Ich wurde von unserem fabelhaften Dirigenten David Bates dazu gebracht. Es wird unser erstes gemeinsames Projekt sein, und ich bin sehr dankbar, dass er mich gefragt hat, mit der Gruppe La Nuova Musica Berenice aufzuführen.

Aufführung: Samstag, 7. Mai, 18 Uhr, Stadthalle Göttingen, Dauer: 3 ¼ Stunden, Eintritt: 29 bis 79 Euro, Restkarten sind noch verfügbar.

Weiter Informationen gibt es hier.


Zur Person

Michelle Asselin (31) gilt als Star in der Opern-Szene. Die US-Amerikanerin und Kanadierin studierte Musik in Yale, sammelte vielfältige Erfahrungen, auch außerhalb der Opernmusik, so auch als Filmschauspielerin und Sängerin junger Musik. Die Sopranistin kam früh zu größeren Rollen in Opern. Im vergangenen Jahr sang sie in der Metropolitan Opera in New York in der „Fledermaus“. Sie erhielt - nicht nur dort - herausragende Kritiken. 

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