Raucherentwöhnungsambulanz der UMG

Interview zur Raucherentwöhnung: Zigarettenmenge ist egal

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Erfolgreich in der Raucherentwöhnung: Priv. Doz. Dr. Tobias Raupach und Dipl. Päd. Anna Ludwig von der Raucherentwöhnungsambulanz des Herzzentrums der UMG. 

Göttingen. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) beteiligt sich mit einem Aktionstag am Mittwoch, 31. Mai, von 11 bis 14 Uhr im Haupteingang des Universitätsklinikums am Weltnichtrauchertag.

Die Raucherentwöhnungsambulanz des Herzzentrums berät und begleitet alle, die es alleine nicht schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Wir haben mit Prof. Tobias Raupach, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und wissenschaftlicher Leiter der Raucherentwöhnungsambulanz gesprochen:

Prof. Raupach, in der Pressemitteilung der UMG steht, dass nach Ende des Raucherentwöhnungskurses 50 Prozent mindestens sechs Monate rauchfrei bleiben. Was ist danach? Stehen die Patienten weiter in Kontakt mit Ihnen?

Prof. Tobias Raupach:Jeder Kursteilnehmer hat die Möglichkeit weiter beraten und betreut zu werden. Dieses Angebot wird auch genutzt. Außerdem befragen wir die Teilnehmer routinemäßig nach einem Jahr noch einmal. Da sich die meisten Rückfälle innerhalb weniger Tage und Wochen ereignen, weist eine 50-prozentige Abstinenzquote nach sechs Monaten schon auf gute langfristige Erfolge hin.

Ist die Raucherentwöhnung eine Kopf- oder eine Körperentscheidung?

Raupach: Kopf und Körper sind ja nicht wirklich getrennt, deshalb geht es für uns immer darum, beide Aspekte der Sucht - die körperliche Abhängigkeit und die erlernten Verhaltensmuster - bewusst zu erkennen und zu verändern. Neben der stofflichen Abhängigkeit vom Nikotin ist die Zigarette zum festen Bestandteil im Leben eines Rauchers geworden. Irgendwann ist es dann nicht mehr einfach, genau zu sagen, woher der Drang zum Rauchen gerade kommt. Der Wunsch mit dem Rauchen aufzuhören, kommt eher aus dem Kopf, aber bei der Umsetzung spielt der Körper eine entscheidende Rolle.

Ist die Menge, die man raucht, entscheidet für die Entwöhnung?

Raupach:Für eine erfolgreiche Entwöhnung ist die Menge der zuvor gerauchten Zigaretten nicht ausschließlich von Bedeutung, weil wir es inzwischen schaffen, den körperlichen Entzug schonend zu gestalten. Wir stellen hier fest, dass es auch für Gelegenheitsraucher schwer sein kann: Oft hat die einzelne Zigarette eine ganz besondere Bedeutung oder die gesundheitlichen Folgen werden unterschätzt.

Ist ein Erfolg der abschreckenden Bilder auf den Zigarettenschachteln zu vermerken?

Raupach:Für unsere Patienten können wir das nicht genau sagen, da die meisten schon lange abhängig sind und diese Bilder so gut es geht ignorieren. Ganz aktuelle Forschungsergebnisse zeigen aber, dass abschreckende Bilder auf Zigarettenschachteln tatsächlich dazu führen, dass weniger Menschen mit dem Rauchen beginnen und mehr Raucher einen Entwöhnungsversuch unternehmen.

Welche Altersgruppe sucht am meisten den Weg zu Ihnen?

Raupach: Zu uns kommen Menschen aller Altersgruppen, allerdings beobachten wir, dass in der letzten Zeit zunehmend jüngere Menschen zwischen 20 und 30 Jahren den Weg zu uns finden.

Gibt es Suchtunterschiede bei selbstgedrehten Zigaretten, normalen Zigaretten, Pfeife oder Zigarrenrauchern?

Raupach: Die Menschen, die zu uns kommen, haben alle ein Suchtproblem, unabhängig von der Art der genutzten Tabakwaren. Allerdings ist die körperliche Abhängigkeit, wenn der Tabakrauch tief in die Lunge eingesogen wird, wesentlich stärker ausgeprägt. Das heißt, es liegt weniger daran was geraucht, sondern wie es geraucht wird.

Haben Sie selbst mal geraucht?

Raupach: In der Jugend habe ich ein paar mal geraucht, aber zum Glück bin ich damals nicht abhängig geworden. 


Zur Person

Dr. Tobias Raupach ist 40 Jahre alt und stammt gebürtig aus Kassel. Er studierte Medizin in Göttingen und London. Seit 2004 arbeitet er bei der UMG. Er ist Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungsforschung und Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Pneumologie sowie wissenschaftlicher Leiter der Raucherentwöhnungsambulanz des Herzzentrums. 



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