Investigativ-Journalist und Ehefrau wurden bedroht

Göttinger Gericht gibt Klage statt: Journalist aus Kolumbien erhält Asyl

Hinter einem an einer Laterne platziertem Straßenschild ist ein großes Steingebäude zu sehen.
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Entscheidung des Verwaltungsgerichts Göttingen: Ein aus Kolumbien geflohener Investigativ-Journalist hat Anspruch auf Asyl in Deutschland.

Ein aus Kolumbien geflohener Investigativ-Journalist hat einen Anspruch auf Asyl in Deutschland. Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden.

Göttingen – Das Gericht gab damit einer Klage des Journalisten gegen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge statt. Laut Gericht hat der Kläger überzeugend dargelegt, dass er sich mit seiner investigativen Berichterstattung über politische Missstände und Korruption in Kolumbien mächtige Feinde gemacht und ihm dort akute Gefahr für Leib und Leben gedroht habe.

Mögliche Gefährdung der Trinkwasserversorgung aufgedeckt

Auch seine Ehefrau sei unmittelbar bedroht worden. Deshalb habe auch sie einen Anspruch auf Anerkennung als Asylberechtigte und Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Das Urteil ist rechtskräftig (Aktenzeichen 3 A 84/18).

Die Eheleute waren im Herbst 2017 separat im Abstand von einem Monat aus Kolumbien in die Bundesrepublik eingereist. Dort stellten sie einen Asylantrag.

Zur Begründung gab der Kläger auch an, dass er als Anwalt tätig gewesen sei und zudem über eine Stiftung einen Youtube-Kanal betrieben habe, auf dem es neben juristischer Beratung auch Nachrichtensendungen zu politischen Themen gab.

So hatten er und seine Mitstreiter aufgedeckt, dass ein Konzern in der Nähe ihrer Heimatstadt eine Mine aufmachen wollte. Da es dort Quellen gebe, hätte dies die Trinkwasserversorgung gefährden können.

Schutz ist nach Ansicht des Gerichts nicht gewährleistet

Ein Ex-Senator sei besonders an dem Minenprojekt interessiert gewesen und habe im Rathaus intensive Lobbyarbeit dafür betrieben. Nachdem sie darüber in ihrem Kanal berichtet hätten, sei das bis dahin geheim gehaltene Projekt gestorben.

In der Folgezeit habe er Drohschreiben und Anrufe mit Todesdrohungen bekommen. Er habe sich deshalb an die Staatsanwaltschaft und an die Polizei gewandt, diese hätten jedoch nichts unternommen.

Das Bundesamt wollte dem Journalisten keinerlei Schutzstatus, verwies auch darauf, dass ihm in einem anderen Landesteil interner Schutz bereitstünde. Der ist nach Ansicht des Gerichts aber nicht gewährleistet.

Es sei bekannt, dass es gerade in der Heimatregion der Kläger immer wieder zu Kämpfen um Drogenanbaugebiete als auch zu Gewalt-Auseinandersetzungen um Minenprojekte komme. (Heidi Niemann)

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