Investoren pumpen Kapital in Göttinger Wohnungen: Mietpreise steigen

Blick auf Weende: In diesem Göttinger Stadtteil liegt die Durchschnittsmiete bereits bei mehr als zehn Euro pro Quadratmeter. Foto: Rampfel

Göttingen. Finanz-Investoren haben den Göttinger Wohnungsmarkt für sich entdeckt. Folge: Bei Neuvermietungen stieg der Quadratmeterpreis innerhalb von zwei Jahren um fast 16 Prozent auf 9,32 Euro.

Das hat eine aktuelle Untersuchung von Michael Mießner vom Geographischen Institut der Universität Göttingen ergeben. Hintergrund: Immobilien gelten zunehmend als sichere Kapitalanlage. Deshalb haben Investoren Uni-Städte als lohnende Rendite-Ziele im Blick. In Göttingen sind in den vergangenen Jahren zunehmend überregionale Akteure ins Geschäft eingestiegen. Zwei aktuelle Beispiele: Die Westgrund Niedersachsen Süd GmbH hat 1139 Wohnungen in Grone aufgekauft. Die Investa Capital Management GmbH aus München entwickelt das ehemalige Gothaer Gebäude.

„Es ist davon auszugehen, dass auch in der Stadt Göttingen der Renditedruck im Wohnimmobilienmarkt steigt, weshalb die Eigentümer mit unterschiedlichsten Mitteln, seien es Sanierungen oder Staffelmietverträge, versuchen die Wohnungsmieten zu erhöhen“, sagt Mießner.

Der Stadtteil mit den höchsten Mieten ist erneut die Nordstadt. Dort zahlt man, bedingt durch die kleinen Wohnungsgrößen, durchschnittlich 12,05 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von Weende mit 10,02 Euro. Stiegen im vergangenen Jahr die Mieten in der Innenstadt und in Weende stark an, so zogen 2015 die Preise in Grone (plus zwölf Prozent) und Geismar (plus sechs Prozent) kräftig an. In Grone liegt der Quadratmeter-Mietpreis derzeit noch bei lediglich 7,50 Euro.

Deshalb rechnet Mießner dort mit weiter stark steigenden Mieten in der Uni-Stadt: „Dies macht auf ein Problem auf dem Göttinger Wohnungsmarkt aufmerksam: Bezahlbarer, insbesondere für sozial benachteiligte Gruppen erschwinglicher, Wohnraum wird in der Stadt Göttingen immer knapper.“ (bsc)

Steigende Mieten treffen Studenten hart

Die steigenden Mieten treffen Studenten besonders hart. Sie müssen durchschnittlich 45 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben.

Dieser Anteil ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung besonders hoch, denn durchschnittlich geben private Haushalte nur 27 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus.

Michael Mießner vom Geographischen Institut der Uni Göttingen schreibt in seiner Untersuchung: „Die hohen Mieten können in der Universitätsstadt Göttingen auch deshalb erzielt werden, weil die Fluktuationsrate aufgrund des hohen Studierendenanteils sehr hoch ist.“ Dies ermögliche es den Vermietern, die Mietpreise bei jeder Neuvermietung anzuheben.

Außerdem hat Mießner festgestellt: Auch mit Sozialleistungsempfängern erwirtschaften Investoren gute Profite. Sie haben im Konkurrenzkampf um Wohnraum häufig das Nachsehen und werden in Göttingen nicht nur zunehmend in den Westen der Stadt verdrängt, sondern auch in kleine, aufgrund des schlechten Zustands schwer vermietbare Wohnungen. „Dennoch können in diesem Wohnungen Mietpreise von zum Teil 12,50 Euro pro Quadratmeter erzielt werden“, so Mießner.

Nach geltendem Sozialrecht stünde einigen Sozialleistungsempfängern eine deutlich größere Wohnung zu, als sie aufgrund der Konkurrenz um Wohnraum tatsächlich anmieten können, so der Experte. Mießner: „Auf dieser Grundlage werden die Kosten für die Unterkunft berechnet. Da die tatsächlich für diese Gruppe zur Verfügung stehenden Wohnungsgrundrisse häufig wesentlich kleiner sind, können solch hohe Mietpreise erwirtschaftet und private Profite erzielt werden.“

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